Stephan Herbert Fuchs
 

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13.07.2017

Felsengarten, Fischzucht und goldene Forellen / Weithin bekanntes Kleinod der Fränkischen Schweiz trägt künftig das Prädikat Kulturgut

Pottenstein. Es ist ein ganz herausragendes Kleinod der Fränkischen Schweiz mit weit überregionaler Bedeutung: das Klumpertal bei Pottenstein im Landkreis Bayreuth, bekannt als Felsengarten und Wanderparadies. Jetzt ist das völlig unberührte Tal mit seinen steilen Felswänden und insgesamt 18 kleinen Teichen ganz offiziell zum Kulturgut erklärt worden. Die Teichgenossenschaft Oberfranken zeichnete die Teichanlage, die es dort nachweislich seit dem Jahr 1721 gibt und die seitdem ununterbrochen bewirtschaftet wird, mit dem Prädikat „Kulturgut Teich“ aus.

Ein einziger Forellenweiher war es, der 1721 urkundlich erwähnt wird, 50 Jahre später war bereits ein zweiter dazugekommen und es liegen bereits Hinweise auf eine Fischzucht vor. Schon vorher hatte der Hofmarschall und fürstliche Rat Lorenz von Guttenberg, der das nahe Schloss Kühlenfels besaß, eine Mühle errichtet, von der heute allerdings nichts mehr übrig ist.

Im 19. Jahrhundert wurde dann eine „Forellenzuchtanstalt“ aufgebaut und es entstanden die Teiche in ihrer jetzigen Form. Eigentümer ist heute die Katholische Kirchenstiftung Kühlenfels, Bewirtschafter sind seit 2012 die beiden Teichwirte Lothar Kornburger und Oswald Schütz. Sie haben die malerisch gelegene und nur auf unbefestigten Wegen erreichbare Teichanlage in den zurückliegenden Jahren liebevoll saniert und gesichert und betreiben dort heute eine Satzfischzucht mit Bachforellen.

„Fischteiche leisten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag für die Kulturlandschaft“, sagte der Direktor der Bezirksverwaltung Rudolf Burger bei der Auszeichnung, zu der auch die Enthüllung einer Informationstafel direkt am Teichufer gehörte. Burger sprach von der hohen ökologischen Bedeutung der Teiche, die einen wertvollen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten darstellen.

Rund um das Klumpertal rankten sich viele Sagen, so der Pottensteiner Bürgermeister Stefan Frühbeißer. So soll an Ort und Stelle der Teiche bis in das 19. Jahrhundert hinein nach Gold geschürft worden sein, „leider ohne Erfolg“, so der Bürgermeister. Auch von goldenen Forellen war die Rede, zumindest, wenn sie in der Nähe der Quelle gesichtet wurden. Die Stadt sei heute bemüht, das Klumpertal etwa durch die Ausweisung verschiedener Rundwanderwege noch bekannter zu machen. Auch die Auszeichnung Kulturgut Teich werde künftig zur Attraktivität beitragen.

Die Auszeichnung Kulturgut Teich wird nach den Worten des Vorsitzenden Peter Thoma seit 19 Jahren vergeben. Neben einer lückenlosen Historie des Teichobjekts seien die landschaftsprägende Bedeutung, die besondere ökologische Gewichtung und die noch immer aktuelle Bewirtschaftung wichtige Kriterien für die Auszeichnung. Die Auswahl des jeweiligen Preisträgers nimmt eine Jury vor, zu der Vertreter der Teichgenossenschaft, des Bezirks Oberfranken und der Fachberatung für Fischerei gehören.

Bild: Rudolf Burger (links) von der Bezirksverwaltung und Peter Thomas von der Teichgenossenschaft Oberfranken haben den Fischteichen im Klumpertal in der Fränkischen Schweiz das Prädikat Kulturgut verliehen und eine Informationstafel am Ufer der Anlage enthüllt.

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02.06.2017

Lautstarker Protest der Land- und Forstwirtschaft / Demo gegen möglichen Nationalpark Frankenwald

Neukenroth. Eine solche Demonstration hat der kleine Ort Neukenroth bei Stockheim nahe der Stadt Kronach wohl noch nie gesehen. Mehrere hundert Land- und Forstwirte mit rund 120 Schleppern, landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Holztransportern haben Stimmung gegen einen möglichen Nationalpark Frankenwald gemacht. Hintergrund war der gleichzeitige Besuch der bayerischen Umweltministerin Ulrike Scharf, die in einem Hotel in Neukenroth die Planungen für einen Nationalpark vorstellte.

Der Verkehr auf der mitten durch den Ort führenden Bundesstraße B85 kam dabei für längere Zeit komplett zum Erliegen, da die Route der Demonstranten vom Treffpunkt an der Zecherhalle bis zum Hotel Rebhan rund einen Kilometer über die vielbefahrene Bundesstraße führte. Die Teilnehmer der Demo ließen dabei unter anderem Motorsägen aufheulen und machten ihren Unmut über die Pläne mit Transparenten, Trillerpfeifen und Signalhupen Luft.

Vom großen Zuspruch in Neukenroth waren selbst die Organisatoren vom BBV überrascht. „Ich bin stolz auf euch“, rief der stellvertretende Kreisobmann Klaus Siegelin ins Megaphon. Besonders ins Visier der Demonstranten geriet dabei der örtliche Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner (CSU). Er hatte den Frankenwald als möglichen Nationalpark überhaupt erst ins Gespräch gebracht. „Baumgärtner und Co machen unseren Frankenwald k.o.“ stand nun auf Transparenten zu lesen, oder „Ich dachte er heißt Baumgärtner und nicht Baumvernichter“.

Für die Ministerin wurde dabei erstmals deutlich: Ein möglicher Nationalpark Frankenwald stößt in Oberfranken auf massiven Widerstand. „Nationalpark? Kein Bedarf Frau Scharf“, wurde auch sie auf Transparenten namentlich genannt. Symbolisch trugen BBV-Mitglieder dazu den Frankenwald in Sargform zu Grabe.

Umweltministerin Scharf, die von den Demonstranten mit Pfiffen empfangen wurde, hatte bereits Mitte Mai angekündigt, den Frankenwald in die Suche nach einem dritten bayerischen Nationalpark mit aufzunehmen. Als Standort sind derzeit noch weitere drei Regionen im Gespräch: die Donauauen, die Rhön und der Spessart. In Neukenroth hob sie die positiven Seiten eines möglichen Nationalparks hervor. Zugleich versicherte sie, man werde nicht über die Köpfe der Bevölkerung hinweg entscheiden. „Es gilt der Grundsatz der Freiwilligkeit.“ Einen Nationalpark bezeichnete sie als „Entwicklungssprung für den Frankenwald“ - touristisch, ökologisch und wirtschaftlich. Die Entscheidung über den Standort des dritten bayerischen Nationalparks will die Staatsregierung bereits im Juli treffen.

Mit der Auftaktveranstaltung sei eine Informationsbasis geschaffen worden, auf der nun eine ausführliche Diskussion aufbauen können, sagte der Landtagsabgeordnete Baumgärtner. „Ich denke, wir sollten gemeinsam diskutieren und abwägen, welche Chance ein Nationalpark im Frankenwald für die Region sein kann.“ Ihm sei es wichtig, noch einmal darauf hinzuweisen, dass er einen ergebnisoffenen Dialog mit den Kommunalpolitikern, Vereinen, Verbänden und Interessensgruppen sowie den Bürgern der Region angestoßen habe und er bis heute nicht auf eine Antwort ja oder nein zu einem Nationalpark im Frankenwald festgelegt sei, so Baumgärtner.

Bilder: Demo gegen möglichen Nationalpark Frankenwald in Neukenroth im Landkreis Kronach.

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24.05.2017

Gesund und ganz ohne Transportwege /
Oberfränkische Teichwirte eröffneten Fischgrillsaison

Lauter. Der Mai ist der erste Monat im Jahr ohne den Buchstaben „r“. Für Fischfreunde bedeutet das: es gibt keinen Karpfen mehr. In Oberfranken haben sich die Anbieter von heimischem Fisch deshalb auf die Suche nach Alternativen gemacht. Da fast 90 Prozent aller Deutschen regelmäßig grillen, lag der Schluss nahe, anstatt Steaks oder Bratwürste doch lieber Fisch als Grillgut zu verwenden.

Wenn schon Fisch, dann sollte es aber auch heimischer Fisch sein, denn er gilt als wertvolles und vor allem gesundes Nahrungsmittel, das nahezu ohne Transportwege immer frisch zu haben ist. Genau das will die Teichgenossenschaft Oberfranken, ein Zusammenschluss von fast 1000 Teichwirten aus dem Regierungsbezirk, meist im Nebenerwerb, mit der öffentlichkeitswirksamen Eröffnung der Fischgrillsaison alljährlich den Verbrauchern vermitteln.

Diesmal hatten sich die Teichwirte den Forellenhof Deusdorfer Mühle bei Lauter im Landkreis Bamberg ausgesucht, eine Mühle im Lautergrund, die schon vor über 500 Jahren zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde und in der vor über 50 Jahren die ersten Forellen gezüchtet und vermarktet wurden. Bereits 1964 sei der Mühlenbetrieb aufgegeben und erste Forellenteiche angelegt worden, sagte der heutige Besitzer Gerhard Rudolf. Zusammen mit seiner Frau Maria bewirtschaftet er seit 38 Jahren die Deusdorfer Mühle. Nach und nach seien Schlachthaus und Räucherei dazugekommen, vor 18 Jahren auch eine Gastronomie, die zwischen September April  immer freitags geöffnet hat.

„Wir sind ständig bemüht, ein gesundes Nahrungsmittel auf kurzem Weg zu produzieren“, sagte der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Peter Thoma aus Thiersheim. Um den Absatz von heimischem Fisch zu fördern gebe es neben der Fischgrillsaison auch die Auszeichnung „Oberfranken-Fisch krönt den Tisch“, die auch die Deusdorfer Mühle bereits erhalten habe, sagte Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Die Förderung der Teichwirtschaft ist auch eine zentrale Aufgabe der Fachberatung für Fischerei, die zum Bezirk Oberfranken gehört.

„Teiche müssen gehegt und gepflegt werde, denn sie sind Teil unserer Kulturlandschaft“, waren sich bei der Eröffnung der Fischgrillsaison auch die beiden Landtagsvizepräsidenten Ulrike Gote und Peter Meyer einig. Die heimische Fischproduktion sei durchaus ausbaufähig, dann könnte die Einfuhr von Seefischen aus den überfischten Weltmeeren oder aus Fernost vielleicht sogar zurückgefahren werden. Karpfen gab es übrigens bei der Eröffnung der Fischgrillsaison doch, und zwar als „Salat am Karpfen“ in der Vorspeise.

Bilder: Maria (links) und Gerhard Rudolfs sowie Michelle Martin von der Deusdorfer Mühle in Oberfranken zeigten, was man mit heimischem Fisch alles machen kann.

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04.02.2017

„Otter wird Oberfranken überrennen“ / Kormoran, Biber und Fischotter bedrohen Teichwirtschaft

Himmelkron. Kormoran, Grau- und Silberreiher, Biber und Fischotter: so possierlich manche dieser Tiere auch sein mögen, den Teichwirten können sie im Extremfall die Existenz kosten. „Die Schäden an unseren Teichen sind gewaltig“, sagte Peter Thoma, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken bei der Jahresversammlung in Himmelkron. Trotzdem gab es bei der Veranstaltung auch einige positive Signale.

So soll die bis 15. Juli dieses Jahres geltende artenschutzrechtliche Ausnahmeverordnung, die in Bayern den Abschuss von Kormoranen vorgibt, übergangslos weitergeführt werden. „Es wird daran gearbeitet entsprechende Regelungen hinzubekommen“, sagte Manfred Löbl, der für die Fischerei fachlich zuständige Bereichsleiter an der Regierung von Oberfranken. Die Regelung besagt, dass der Abschuss von Kormoranen zur Abwendung erheblicher fischereiwirtschaftlicher Schäden und zum Schutz der heimischen Tierwelt von Mitte August bis Mitte März in einem Umkreis von 200 Metern um Gewässer erlaubt ist.

Auch was den Fischotter angeht, ist Hilfe in Sicht. Noch im Februar soll ein Berater eingesetzt werden, der für die Oberpfalz und für Oberfranken zuständig sein wird. Er kommt an die entsprechenden Teiche, sucht nach Spuren, dokumentiert Schäden, leiht entsprechendes Gerät aus und hilft den Teichwirten bei Anträgen auf Entschädigung. „Manche Betriebe sind schon fast am Ende“, machte Alexander Horn von der Teichgenossenschaft die Dimension der Schäden durch den Fischotter deutlich. Er bezifferte die Schäden für einzelne Betriebe auf bis zu 30000 Euro. Noch schlimmer sei die Situation in der Oberpfalz. In einzelnen Teichen seien bereits bis zu 80 Prozent des Besatzes betroffen. Das Tückische am Fischotter sei, dass man ihn nicht sieht, sagte Vorsitzender Thoma und Alexander Horn befürchtet: „Der Otter wird auch Oberfranken überrennen.“

Daneben sind es auch Biber, Grau- und Silberreiher, die Teichanlagen zerstören und Jagd auf heimischen Fisch machen. Während die Biberproblematik durchaus in der Öffentlichkeit diskutiert werde, würden die massiven Verluste durch Grau- und Silberreiher nur von den betroffenen Teichwirten wahrgenommen. „Wir wollen keine Reiher ausrotten, aber man muss doch bei Schäden eingreifen können“, so Thoma.

Die Probleme sind mittlerweile auch in der Politik angekommen, das machten die Aussagen der beiden Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel-Fischer und Peter Meyer deutlich. Brendel-Fischer forderte, nicht die Entschädigungsleistungen immer mehr zu erhöhen, sondern vorher einzugreifen und die Populationen durch geeignete Maßnahmen einzuschränken. Meyer sprach sich für ein Monitoring für Graureiher aus. Hier seien die Daten längst nicht mehr aktuell, weil sie noch aus dem Jahr 2008 stammten. Die Problematik werde zunehmend erkannt, so Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Neben dem Ottermanager, der in diesen Wochen seinen Dienst aufnehmen wird, leiste auch ein eigener Kormoranmanager hervorragende Dienste.

Doch nicht nur Kormoran und Co. machen den Teichwirten zu schaffen, auch ein extrem trockenes und niederschlagsarmes Wetter, wie der Hitzesommer 2015. Simon Abt von der Fischereifachberatung des Bezirks hatte eine Umfrage gestartet, wie sich diese immer häufiger auftretenden Wetterkapriolen auf die Betriebsergebnisse auswirken. Über die Hälfte der Teichwirte hatte 2015 Einbußen, hielt er als ein Ergebnis fest. Am Schlimmsten betroffen gewesen seien wegen der warmen Wassertemperatur Forellenteiche, bei einzelnen Teichwirten war die Fischernte komplett ausgefallen. Diese Situation wird sich auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten nicht verbessern, sagte Abt. Die Teichwirtschaft werde sich darauf nur schwer einstellen können. Ein großes Problem seien dabei auch Privatleute, die zur Bewässerung ihres Gartens über Pumpen größere Wassermengen aus Fließgewässern entnehmen, die eigentlich Teichanlagen speisen. „Da bleibt für den Teichwirt nicht mehr viel an Frischwasser übrig, sagte er und forderte solche Verstöße konsequent zu ahnden.

Erfolge sehen die oberfränkischen Teichwirte in ihren Marketingbemühungen. Die Preise für heimischen Fisch beginnen leicht anzuziehen, sagte Thoma. Problem für viele Verbraucher sei, dass sie kaum Direktvermarkter kennen, nicht einmal in ihrer engsten Umgebung. Die Teichgenossenschaft habe deshalb auf ihrer Homepage (www.tegof.de) eine Liste mit sämtlichen Direktvermarktern Oberfrankens veröffentlicht, die Fisch in ihrem Angebot haben. Als Anregung schlug der Vorsitzende auch vor, regelmäßig heimischen Fisch als Menü in den Mensen der Hochschulen und Universitäten anzubieten. Thoma: „Fisch ist eiweißreich, liegt nicht schwer im Magen und ist gut fürs Hirn.“

Bild: In Vertretung von Georg Kaiser aus Willersdorf hat Walter Jakob (rechts) von der Teichgenossenschaft Aischgrund eine Urkunde aus den Händen des Vorsitzenden Peter Thoma (links) und von Bezirkstagspräsident Günther Denzler entgegen genommen. An den Teichen von Georg Kaiser im Landkreis Forchheim war im Herbst die aktuelle Karpfensaison eröffnet worden.

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22.11.2016

Denkmäler und Brunnen für Karpfen und Co / Neuerscheinung: Fischregion veröffentlicht  den stattlichen Band „Fischkultur in Oberfranken“

Bayreuth. Karpfen und Forelle auf der einen Seite, Kunst und Kultur auf der anderen. Das hat nichts miteinander zu tun, könnte man meinen. Der Verein Fischregion Oberfranken hat jetzt auf 232 Buchseiten nachgewiesen, dass sich Fische und Kultur gerade im Regierungsbezirk näher sind, als man glauben möchte. Nirgendwo anders gibt es eine solche Fülle an Werken der bildenden Kunst, die in einem engen Bezug zur Fischerei stehen. Dazu kommen die vielen Teiche, die seit Jahrhunderten, manche sogar seit über 1000 Jahren bewirtschaftet werden und deshalb ebenfalls als Kulturgut gelten. Nachzulesen ist dies alles in 50 Beiträgen von 19 Autoren in der Neuerscheinung „Fischkultur in Oberfranken – Kunst und Kultur mit Fisch & Co“, die jetzt in Bayreuth vorgestellt wurde.

Schaut man einmal genau hin, dann stellt man schnell fest, Fische sind relativ häufig Gegenstand von Gemälden und Skulpturen, vor allem der jüngeren Kunstgeschichte. Dennoch reicht das älteste Kunstwerk, das der Band aufführt, mit dem Weismainer Stadtbrunnen bis in das 16. Jahrhundert zurück. Ganz bedeutende Kunstwerke kommen mit den Brunnen der Abtei Ebrach, dem Bamberger Gabelmann oder den markgräflichen Kunstwerken der Bayreuther Eremitage aus dem 18. Jahrhundert. Das Buch enthält aber auch die beiden Fischskulpturen des Bayreuther Kulturpreisträgers von Axel Luther in Behringersmühle und Waischenfeld, die erst vor wenigen Jahren geschaffen wurden.

Lediglich gestreift wird der Bereich Kunst am Bau, der mit zwei Wohnhäusern des Architekten Eberhard Kellner in Bayreuth vertreten ist. Aus den unzähligen kirchlichen Fischdarstellungen haben die Autoren bewusst ein Beispiel herausgegriffen: einen kunstvollen Türgriff in Fischform in der St.-Johannis-Kirche in Hirschaid.

Im zweiten Teil des Buches sind Denkmäler der Fischwirtschaft zu finden. Dazu gehören die Gewässer, die von der Teichgenossenschaft Oberfranken seit 1998 als Kulturgut Teich ausgezeichnet wurden, aber auch einige bedeutende Ensembles wie das einstige Bamberger Fischerviertel Klein-Venedig oder die Zeugnisse zisterziensischer Fischkunst in Ebrach und Klosterlangheim. 

Mit Abstand die meisten Beiträge verfasst hat der Kunsthistoriker Robert Schäfer aus Sassanfahrt. Seinen Worten zufolge reichen die ersten Überlegungen für das Buch knapp zwei Jahre zurück. Auch ihm sei das Thema Fisch als Kulturträger damals nicht so gegenwärtig gewesen, sagte Schäfer. Das Buch sei wissenschaftlich fundiert geschrieben, aber dennoch gut lesbar und somit auch als ein Reiseführer der anderen Art durch Oberfranken zu verwenden. Mit dem neuen Buch werde die Fischerei aus einem ganz ungewöhnlichen Blickwinkel beleuchtet, sagte Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Es soll aber auch zum Nachdenken über den Fischartenschutz beitragen.

Als „kleines Schatzkästlein“ und als „wichtiges Dokument für die Nachwelt“ bezeichnete Franz Geldhauser, Fischereireferent im Bayerischen Landwirtschaftsministerium die Neuerscheinung. Das Buch dokumentiere eine Kultur, die wirklich prägend für unsere Gegend ist, so Peter Thoma, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken. Es zeige aber auch, dass sich Natur und Fischerei nicht ausschließen, sondern gemeinsam sogar ein prägendes Kulturgut sein können, sagte Reinhard Krug vom Bezirksfischereiverband.

Das Buch „Fischkultur in Oberfranken – Kunst und Kultur mit Fisch & Co“ hat 232 Seiten, mehrere hundert Fotos und ist in einer Erstauflage von 1500 Stück erschienen. Herausgeber sind der langjährige Leiter der Fischereifachberatung des Bezirks Robert Klupp, der Historiker Robert Schäfer aus Hirschaid und der Ehrenpräsident des Bezirksfischereiverbandes Albert Schütze im Auftrag des Vereins Fischregion Oberfranken und in Zusammenarbeit mit dem Bezirk Oberfranken. Kooperationspartner waren der Bezirksfischereiverband und die Teichgenossenschaft Oberfranken sowie der Bayerische Landesfischereiverband. Das Buch ist beim Verein Fischregion Oberfranken, Cottenbacherstraße 23 in 95445 Bayreuth gegen Porto- und Unkostenerstattung in Höhe von zehn Euro erhältlich (ISBN 978-3-00-054139-1).

Bild: Herausgeber des Buches „Fischkultur in Oberfranken“ sind der langjährige Leiter der Fischereifachberatung des Bezirks Robert Klupp, der Historiker Robert Schäfer aus Hirschaid und der Ehrenpräsident des Bezirksfischereiverbandes Albert Schütze (von rechts).

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14.10.2017

Werbung für den Wald / Staatsforsten eröffnen am Weißenstein ihren ersten Waldpflegeparcours

Stammbach. Verständnis für die Waldbewirtschaftung wecken, das ist das Ziel des ersten Waldpflegeparcours, den die Bayerische Forstverwaltung am Weißenstein eröffnet hat. Dabei  wurden auf dem Parkplatz am Weißensteinturm und entlang des fast zweieinhalb Kilometer langen Rundwegs um den Stammbacher Hausberg insgesamt sieben großformatige Informationstafeln aufgestellt, die bei Spaziergängern und Wanderern Verständnis für die Waldbewirtschaftung wecken sollen. Die Maßnahme hat neben jeder Menge Manpower insgesamt 3300 Euro gekostet, wobei der Markt Stammbach vor allem beim Aufstellen der Tafeln geholfen hat.

„Wir wollen kein Lehrbuch aufschlagen, sondern Interesse wecken“, sagte Thomas Krämer, Leiter der Forstverwaltung in Bad Steben bei der Eröffnung des Parcours. Allen Interessierten soll Forstwirtschaft anschaulich und in wenigen Sätzen erklärt werden. Auf den Tafeln geht es beispielsweise darum, warum Eingriffe in den Wald notwendig sind oder warum Wege zur Waldbewirtschaftung gebaut werden müssen. Weitere Themen sind unter anderem  der Schutz junger Bäume vor Wildverbiss, die wichtige Funktion sogenannter Biotopbäume und die Holzernte mit dem Harvester.

„Wir wollen aber auch Waldbesitzer ansprechen“, sagte Krämer. Vor allem denen, die kaum einen Bezug zu ihrem Wald haben, will die Forstverwaltung Informationen bieten und Anregungen geben. Allein in den beiden Landkreisen Hof und Wunsiedel, dem Zuständigkeitsbereich der zum Landwirtschaftsamt Münchberg gehörenden Forstverwaltung Bad Steben, gebe es über 10000 private und kommunale Waldbesitzer. Die Finanzierung des neuen Parcours erfolgte über das Klimaprogramm des Freistaates, zu dem auch ein Forstprogramm gehört, um das Thema Waldbewirtschaftung in die Öffentlichkeit zu bringen.

Der befestigte und deshalb auch bei schlechtem Wetter und im Winter begehbare  Rundweg sei bereits vor Jahren zum Zweck einer besseren Waldbewirtschaftung errichtet worden, so Bürgermeister Karl Philipp Ehrler. Seinen Worten zufolge besitzt Stammbach knapp 80 Hektar Gemeindewald, der von der Forstverwaltung bewirtschaftet wird und in dem der Waldumbau in vollem Gange ist. „Damit sind wir für den Klimawandel gerüstet“, sagte Ehrler.

Nach den Worten des Landtagsabgeordneten Alexander König stellt das Projekt auch ein wichtiges Stück Umweltbildung dar. Genau deshalb soll der Waldpflegeparcours laut Albrecht Roth, dem zuständigen Revierförster, aktiv über die Forstämter und Waldbesitzervereinigungen beworben werden.

Der 661 Meter hohe Weißenstein bei Stammbach ist Teil der Münchberger Hochfläche und liegt zum einen genau am Kreuzungspunkt der drei Landkreis Bayreuth, Hof und Kulmbach sowie direkt am Schnittpunkt zwischen Fichtelgebirge und Frankenwald. Er gilt als beliebtes Ausflugsziel mit Aussichtsturm und ganzjährig bewirtschafteter Gaststätte. Aufgrund seiner seltenen Eklogit-Vorkommen ist der Weißenstein auch Teil des Geoparks Bayern-Böhmen.

Bilder:
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 Revierförster Albrecht Roth (links) erläutert die neuen Schautafeln, die Spaziergänger und Wanderer über die Notwendigkeit der Waldbewirtschaftung aufklären sollen.
- Der neue Waldpflegeparcours rund um den Weißenstein bei Stammbach ist eröffnet (von links): der Landtagsabgeordnete Alexander König, der Leiter der zuständigen Forstverwaltung Thomas Krämer und Bürgermeister Karl Philipp Ehrler.

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09.10.2016

Landwirtschaft: Wahrnehmung und Wertschätzung verändern / Neue Imagekampagne „Unsere Bayerischen Bauern“

Königsfeld. Den meisten Menschen fehlt die Nähe zur Landwirtschaft. Sie wüssten nicht mehr, wie Nahrungsmittel erzeugt werden, wieviel Leidenschaft und Herzblut die Bauern dazu aufwenden, sagt Eva-Maria Haas. Die junge Rosenheimerin ist Geschäftsführerin des neu gegründetes Vereins „Unsere Bayerischen Bauern e.V.“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Imagewerbung für die Landwirtschaft zu betreiben. In Königsfeld im Landkreis Bamberg stellte Eva-Maria Haas den Verein, seine Ziele und seine Maßnahmen vor.

Die Landwirtschaft werde oft negativ beäugt, oft müssten sich die Bauern verteidigen, und das obwohl 50 Prozent der Fläche Bayerns landwirtschaftliche genutzt werden. „Der neue Verein soll deshalb die Wahrnehmung und die Wertschätzung im Kopf der Verbraucher ändern“, sagt Eva-Maria Haas. Ziel sei es, die Menschen neugierig zu machen und auf das Thema Erzeugung zu lenken. Eines ist für Eva-Maria Haas dabei ganz wichtig: „Wir wollen nicht die romantisierte Landwirtschaft zeigen, sondern die reelle.“ 

Hinter dem Verein stecken alle nur erdenklichen Organisationen, Unternehmen, Zusammenschlüsse, Vereine und Verbände, die irgendwie mit der Landwirtschaft zu tun haben und zum ersten Mal gemeinsame Sache machen. Die Bayerischen Staatsforsten seien genauso dabei, wie die Maschinenringe, die Waldbesitzerverbände, die Baywa oder, als Gründungsmitglied, der Bauernverband.

Zu den Marketingbemühungen gehört natürlich eine eigene Internetseite (www.unsere-bauern.de). Zur Oktoberfestzeit und zum Zentralen Bayerischen Landwirtschaftsfest sei ganz München mit großformatigen Plakaten ausgestattet worden. Auf den Plakaten prangten flotte Sprüche mit Wortspielen wie „Es ist uns eine Ähre, für sie zu arbeiten“ für die Getreidebauern oder „Meine Mädels und ich geben alles für ihren Latte Macchiato“ für die Milchbauern. „Weiß denn wirklich jeder, dass im Latte Macchiato mehr Milch als Kaffee drin ist?“, so Eva-Maria Haas.

Es gibt Fernsehspots, die im privaten Lokalfernsehen gezeigt werden, genauso wie Radiospots, die der Bayerische Rundfunk seit Anfang September regelmäßig bringt und mittlerweile großformatige Banner an über 220 Standorten in Bayern. Ein eigener Facebook-Auftritt gehört natürlich auch dazu, vor allem um ein jüngeres Publikum anzusprechen. 5000 „Freunde“ innerhalb der ersten vier Wochen, seien schon mal ein Erfolg, zumal die gesamte Kampagne langfristig angelegt ist.

„Wir versuchen, vom Verbraucher her zu denken“, sagt Eva Maria Haas. Auf der Website gebe es deshalb beispielsweise einen Servicebereich mit Rezepten und Veranstaltungstipps vom Apfelmarkt bis zum Weinfest. Das persönliche Erleben könnten freilich kein Plakat und keine Internetseite ersetzen, weiß auch die Geschäftsführerin.

Jeder einzelne Bauer müsse zum Verbraucherdialog bereit sein, sagte Landesbäuerin Anneliese Göller. „Wir wollen dem Verbraucher mit der neuen Kampagne verdeutlichen, wie viel Mühe und Arbeit die Bäuerinnen und Bauern täglich aufwenden, um gesunde Lebensmittel zu produzieren.“  Erst wenn klar sei, wie viel Engagement nötig ist, könnten die  Verbraucher den Lebensmitteln wieder die Wertschätzung entgegenbringen, die sie auch verdienen.

Bild: Marketing für die Landwirtschaft: Geschäftsführerin Eva-Maria Haas vom Verein „Unsere Bayerischen Bauern e.V.“.

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01.09.2016

Karpfenernte über Durchschnitt / Mehr als 6000 Tonnen aus bayerischen Gewässern – Karpfensaison 2016 in Oberfranken eröffnet

Willersdorf, Lks. Forchheim. Die bayerischen Teichwirte starten voller Optimismus in die Karpfensaison. Bei der Eröffnung der Saison in Willersdorf sprach Friedrich Mayer vom Landwirtschaftsministerium von einer zu erwartenden Erntemenge, die um zehn Prozent über dem Durchschnitt liegt und die aller Voraussicht nach die 6000-Tonnen-Marke überschreiten wird. In den kommenden Monaten mit dem Buchstaben „r“ werden auf den Speisekarten vieler Restaurants und Gaststätten wieder Karpfen oder Karpfenfilets gebacken, „blau“ im Zwiebelsud oder Karpfen nach Müllerin-Art, also in Mehl gewendet, stehen. Franken gilt seit jeher als Hochburg der Karpfenzucht.

Ursache für die gute Ernte ist der ausreichende Niederschlag, der die Teiche gut versorgt hat. Auch die Temperaturen haben gestimmt. So lag die Durchschnittstemperatur in diesem Sommer um 1,5 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel. Für den Karpfen seien das die besten Eigenschaften, um drei Jahre lang zum Speisefisch heranzuwachsen, so Mayer. Was den bayerischen Karpfen so besonders macht, ist, dass ihm als Eiweißquelle das Zooplankton dient, das im Teich wächst. Zur Nahrungsergänzung gibt es lediglich Getreide. „Genverändertes Soja brauchen wir nicht“, sagte der Vertreter aus dem Ministerium. Dazu komme, dass jedem Karpfen im dritten Sommer rechnerisch rund 15 Quadratmeter Teichfläche zur Verfügung stehen. In Vietnam müssten sich diese Fläche 150 Pangasien teilen.

Offiziell eröffnet wurde die Karpfensaison diesmal am Erleinsee, den der Teichwirt Georg Kaiser bewirtschaftet. Seine anderen Karpfenteiche liegen alle auf mittelfränkischem Gebiet. Der Erleinsee ist dabei nicht nur sein einziger Teich in Oberfranken, sondern auch der mit knapp acht Hektar größte nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete Teich im Aischgrund. Noch in den 1970er Jahren sei an der Stelle des Teiches Ackerland gewesen, erinnerte sich Walter Jakob von der Teichgenossenschaft Aischgrund.

Dabei gilt der Aischgrund im Dreieck der Städte Nürnberg, Bamberg und Neustadt an der Aisch als die berühmteste Karpfenregion Deutschlands. Der Aischgrund gilt zugleich auch als das Teichgebiet mit dem wohl ältesten schriftlichen Nachweis in Europa, der sich bis zum Jahr 912 nachverfolgen lässt. Unterlagen zufolge liegen im Aischgrund weit über 7000 Teiche mit einer Fläche von fast 3000 Hektar eng beieinander.

Bundesweit liege die Karpfenteichfläche bei etwa 40000 Hektar, die Hälfte davon entfällt auf Bayern. 20000 Hektar bedeute ein Siebtel der gesamten bayerischen Wasserflächen oder anders ausgedrückt der Fläche von 28000 Fußballfeldern. Aus Bayern stammten rund 55 Prozent der deutschen Karpfenproduktion.

Die öffentlichkeitswirksame Eröffnung der bayerischen Karpfensaison nutzte Mayer auch dazu, auf die Probleme der Karpfenteichwirtschaft einzugehen. Ständig neue bürokratische Auflagen für die Familienbetriebe gehörten genauso dazu, wie Kormoran, Biber und Fischotter. Der Kormoran sei eigentlich kein aktuelles, sondern ein permanentes Problem, sagte Mayer. Mittlerweile gebe es in Bayern aber auch schätzungsweise 15000 Biber in 3500 Revieren, die in der Teichwirtschaft große Schäden anrichten. Dazu komme immer öfter auch der Fischotter. Derzeit setze das Ministerium bereits einen entsprechenden Managementplan um.

Das Lebensmittel Fisch sei nicht nur gesund, sondern auch ökologisch über jeden Zweifel erhaben, sagte der oberfränkische Bezirkstagspräsident Günter Denzler. Deshalb sei auch der Bezirk Oberfranken am Erhalt und der Förderung der Teichwirtschaft interessiert. Besonders aus landwirtschaftlicher Sicht sei der Landkreis Forchheim so vielfältig wie kaum ein anderer Landkreis. Während es im Osten verschiedene Sonderkulturen, Obstbau und sogar Hopfen gebe, spiele im Westen des Landkreises die Teichwirtschaft eine wichtige Rolle, so Landrat Hermann Ulm. Allen Kritikern an neuen Teichbauprojekten schrieb Hallerndorfs Bürgermeister Torsten Gunselmann ins Stammbuch, dass sämtliche Teiche irgendwann einmal künstlich angelegt wurden, heute aber fester Bestandteil unserer Kulturlandschaft seien.

Bild: Mit dem Abfischen des Erleinsees in Willersdorf im oberfränkischen Landkreis Forchheim ist die Karpfensaison 2016 eröffnet worden (von links): die bayerische Karpfenkönigin Katrin Uano, Staatssekretär Thomas Silberhorn, Friedrich Mayer vom Landwirtschaftsministerium, Bezirkstagspräsident Günther Denzler, der Forchheimer Landrat Hermann Ulm, Peter Thoma von der Teichgenossenschaft Oberfranken und Walter Jakob von der Teichgenossenschaft Aischgrund.

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01.08.2016

Open-Air-Fest der Superlative / Zwischenbilanz: Landesgartenschau in Bayreuth hat bislang alle Erwartungen übertroffen

Bayreuth. 550000 Besucher, 20500 Dauerkarten und fast 1900 Reisebusse: das war eine Zwischenbilanz für die Landesgartenschau in Bayreuth ganz nach dem Geschmack der Veranstalter. Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe hatte zur Halbzeit noch jede Menge weitere Zahlen im Gepäck: fünf Tonnen verkaufte Bratwürste, je 10000 Eisportionen und Kuchenstücke und über 500 komplette Torten.

Und das alles trotz manchmal nicht unbedingt günstiger Bedingungen. Regen und Sturm sorgten in den ersten Wochen dafür, dass die Landesgartenschau früher als geplant dicht machen musste. Teilweise war das Unwetter so heftig, dass die Besucher aufgefordert wurden, das Gelände schnellstmöglich zu verlassen. Einen Sturm gab es auch auf den sozialen Medien. Hier beschwerten sich viele über die die unzulänglichen gastronomischen Angeboten. Doch allen Widrigkeiten zum Trotz schwärmte Brigitte Merk-Erbe von „Zahlen, die wir so nicht erwartet hatten“. Nach dreieinhalb Monaten hieß es seitens der Oberbürgermeisterin auch: „Wir sind auf dem besten Weg, alle Erwartungen zu übertreffen.“

Ein großer Teil der Besucher war bisher aus Sachsen und Thüringen nach Bayreuth gekommen. Hier mache sich die Medienkooperation nicht nur mit dem Bayerischen Rundfunk, sondern auch mit dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) bezahlt. Aber auch aus dem Ausland kamen immer wieder Besucher auf das Gartenschaugelände: aus Österreich und der Schweiz, aus Polen und Tschechien, vereinzelte Gäste sind nach den Worten der Oberbürgermeisterin sogar schon aus China und aus den USA gesichtet worden.

„Die Bayreuther und die Menschen aus der Region lieben ihre Gartenschau“, hieß es. Tatsächlich seien in der Stadt erhebliche Frequenzsteigerungen festgestellt worden. Soll heißen: Hotellerie und Gastronomie sind bestens ausgelastet, Außenstationen wir der Ökologisch-Botanische Garten der Universität Bayreuth oder das 40 Kilometer entfernte Kräuterdorf Nagel verzeichnen deutlich mehr Besucher als je zuvor. Vom Imagegewinn kaum zu reden sagte Brigitte Merk-Erbe. „Die Gartenschau ist im Herzen der Menschen angekommen.

Ins Schwärmen geriet bei der Halbzeitbilanz auch der Amtschef des Landwirtschaftsministeriums Hubert Bittlmayer. Bayreuth liege nach der ersten Halbzeit eindeutig in Führung und habe sich mittlerweile bayernweit einen herausragenden Ruf erarbeitet. Ulrich Schäfer vom Landesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau sprach von einem Open-Air-Fest der Superlative, das auch für die rund 550 Mitgliedsbetriebe in Freistaat ein wichtiges Zeichen setze. Schäfer richtete bereits den Blick nach vorne und warb für die nächste kleine Landesgartenschau 2017 in Pfaffenhofen an der Ilm und für die nächste große Landesgartenschau 2018 in Würzburg.

Hauptattraktionen der Landesgartenschau in Bayreuth ist die „Wilhelminenaue“, ein eigens angelegter künstlicher See mit Insel und Seebühne. Das neu geschaffene Gewässer ist rund zwei Hektar groß und bis zu 2,80 Meter tief. Am Ufer befinden sich Schilffelder und ein 670 m langer Rundweg. Weitere Besonderheiten der Landesgartenschau sind eine 400 Quadratmeter große Kletternetzlandschaft und ein Wasserspielplatz, Beachvolleyballfelder,  ein Kultur-, ein Garten-, ein Sport- und ein Gourmetkabinett, eine Dirt-Bike-Anlage und vieles mehr.

Die Schau hat rund 10,5 Millionen Euro gekostet. Gefördert wird diese Investition unter anderem mit jeweils rund 2,9 Millionen Euro durch das Bayerische Umweltministerium und durch europäische Fördergelder. 175000 Euro steuert das bayerische Landwirtschaftsministerium bei. Die Durchführung wird noch einmal mit 9,2 Millionen Euro zu Buche schlagen, wobei der Großteil davon durch Einnahmen gedeckt sein soll. Gesellschafter der Landesgartenschau sind die Wohnungsbau- und Wohnungsfürsorgegesellschaft der Stadt Bayreuth (GEWOG) mit 60 Prozent und die Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen mbH mit 40 Prozent.

Die Landesgartenschau dauert noch bis zum 9. Oktober 2016. Tageskarten kosten für Erwachsene 16 Euro, ermäßigt 12 Euro, Kinder und Jugendliche zahlen drei Euro. Die Kassen haben täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

Bilder:
- Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, Ulrich Schäfer vom Landesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, Hubert Bittlmayer vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium und die beiden Geschäftsführer Ulrich Meyer zu Helligen und Dagmar Voß (von links) zogen eine positive Zwischenbilanz über die Landesgartenschau in Bayreuth.
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Die Besucherzahlen der Landesgartenschau haben bislang alle Erwartungen übertroffen.

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30.06.2016

Spurensuche am Figurenweiher / 600 Jahre Fischwirtschaft vor Schloss Seehof: Teichgenossenschaft zeichnete Gewässer mit dem Prädikat Kulturgut Teich aus

Memmelsdorf, Lks. Bamberg. Seit dem Jahr 1403 ist er nachweislich ein fester Bestandteil, der das Landschaftsbild vor den Toren Bambergs prägt: der Figurenweiher von Schloss Seehof. Seinen Namen hat er vom Gott des Weines Bacchus und von dem Sänger Orpheus, beides Figuren der griechischen Mythologie, die seit ihrer Restaurierung im Jahr 2013 als steinerne Figureninseln wieder mitten in dem Teich stehen. Nun ist der überregional bedeutsame Figurenweiher von der Teichgenossenschaft Oberfranken auch offiziell als Kulturgut anerkannt worden. Sichtbares Zeichen ist eine großformatige Tafel am Fußweg zwischen Weiher und Schlosspark. Außerdem erhielt der Bewirtschafter und Eigentümer Christoph Oberle aus den Händen des oberfränkischen Bezirkstagspräsidenten Günther Denzler und des Teichgenossenschaftsvorsitzenden Peter Thoma die Urkunde „Kulturgut Teich“.

Die Teichanlagen rund um Schloss Seehof waren ganz gezielt für die Fischzucht entstanden, denn Fisch galt schon im frühen Mittelalter als Fastenspeise. Die erste Erwähnung der Teichwirtschaft im Bamberger Land geht bis in das Jahr 1122 zurück, die Weiher vor dem späteren Schloss Seehof wurden 1403 erstmals im Zusammenhang mit der Anstellung eines Seewarts erwähnt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden das Jagd- und Lustschloss Seehof als Sommerresidenz der Bamberger Fürstbischöfe errichtet und die Teichanlagen in den weitläufigen Park integriert. 1771 entstand die berühmte Kaskade, das Herzstück des Parks und noch immer ein beliebtes Fotomotiv. Kurz zuvor wurde der Park mit Figuren ausgeschmückt, zu denen auch Bacchus und Orpheus im Figurenweiher gehörten.

Bewirtschafter und Eigentümer Christoph Oberle erinnerte bei der Feierstunde am Ufer an seinen Vater, der die Teiche 1973 gekauft und mit großem Aufwand hergerichtet hatte. 70 Prozent der Fläche sei damals mit Schilf zugewachsen gewesen. Bis Ende der 1970er Jahre sei es eine Vorzeigeanlage gewesen, bis ein Abwasserproblem auftauchte, von dem sich die Anlage noch immer nicht ganz erholt habe. „Trotzdem sind wir froh, dass wir diese Teiche haben“, sagte Oberle, der heute Karpfen, Schleien, Hechte, Zander und Welse im Figurenweiher und den umliegenden Teichen züchtet.

Bei der Übergabe der Auszeichnung brach Bezirkstagspräsident Denzler auch eine Lanze für den Bau neuer Teichanlagen, die manchmal nicht ganz unumstritten sind. Neue Teichanlagen stellten zweifellos einen Eingriff in die Natur dar,  sagte Denzler. Man dürfe dabei aber nicht vergessen, dass die Vorteile bei weitem überwiegen. So seien Teiche Rückhaltebecken bei den immer öfter auftretenden Starkregenfällen, Teiche sorgten in ihrem Umgriff für eine hohe Artenvielfalt und sie seien schließlich die beste Produktionsstätte für ökologische Lebensmittel.

Die Auszeichnung Kulturgut Teich wird nach den Worten des Vorsitzenden Peter Thoma seit 18 Jahren vergeben. Neben einer lückenlosen Historie des Teichobjekts seien die landschaftsprägende Bedeutung, die besondere ökologische Gewichtung und die noch immer aktuelle Bewirtschaftung wichtige Kriterien für die Auszeichnung. Die Auswahl des jeweiligen Preisträgers nimmt eine Jury vor, zu der Vertreter der Teichgenossenschaft, des Bezirks Oberfranken und der Fachberatung für Fischerei gehören.

Bild: Mit dem Prädikat „Kulturgut Teich“ wurde der überregional bedeutsame Figurenweiher vor Schloss Seehof im Landkreis Bamberg ausgezeichnet. Teichgenossenschaftsvorsitzender Peter Thoma und der oberfränkische Bezirkstagspräsident Günther Denzler überreichten dem Bewirtschafter und Eigentümer Christoph Oberle (von links) die dazugehörige Urkunde.

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13.05.2016

Wasser ist das Lebensmittel Nummer 1 / Fernwasserversorgung Oberfranken wurde vor 50 Jahren gegründet – Kommunale Trägerschaft statt Privatisierung

Kronach. Die Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO) beliefert 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr fast 400000 Menschen im Regierungsbezirk mit Trinkwasser. Das Fernleitungsnetz dafür ist knapp 500 Kilometer lang. Größte Abnehmer sind die Städte Bayreuth und Bamberg mit drei, beziehungsweise 1,9 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Gegründet wurde die FWO im Juni 1966, also vor fast genau 50 Jahren in Bayreuth. Der runde Geburtstag wurde jetzt in Kronach, am Sitz des Unternehmens mit seinen heute 80 Beschäftigten gefeiert.

Im Zentrum der FWO steht die Trinkwassertalsperre Mauthaus, besser bekannt als Ködeltalsperre im Landkreis Kronach. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts habe es mehrere Versuche gegeben, sie zu verwirklichen“, sagte der FWO-Vorsitzende Heinz Köhler (SPD), früherer Kronacher Landrat und langjähriger Landtags, Bundestags- und Europaabgeordneter. 1968 wurde mit dem Bau begonnen, 1973 fand die Einweihung statt. Ziel sei von Anfang an die Trinkwasserversorgung Oberfrankens gewesen, daneben diente die Sperre auch immer wieder dem Hochwasserschutz und der Energieerzeugung.

Was das Trinkwasser angeht, habe es damals in zunehmendem Maße erhebliche Versorgungsengpässe gegeben. Geringe Niederschläge, die geologische Situation in Frankenwald, im Fichtelgebirge und im fränkischen Jura hätten die Bildung von Grundwasservorkommen beeinträchtigt. Erbaut hatte die Talsperre der Freistaat, Betreiber war von Anfang an die FWO, die nach und nach bis in die 1990er Jahre immer neue Fernleitungen errichtete.

Erster Kunde war ab 1975 die Stadt Bamberg. Bis 1983 seien der Frankenwald-Ast, der Hofer, der Coburger und der Scheßlitzer Ast dazugekommen. 1986 bis 1989 wurden der Bayreuther Ast, der seit der Jahrtausendwende auch die Stadt Kulmbach mitversorgt, und bis 1996 der Auracher  Ast errichtet.

Von einer beispiellosen Erfolgsstory sprach Vorsitzender Köhler bei dem Festakt. Köhler: „Die FWO ist ein blühendes Unternehmen in technischer wie in wirtschaftlicher Hinsicht und genießt einen hervorragenden Ruf in Oberfranken.“ Insgesamt seien in den fünf Jahrzehnten über 250 Millionen Euro verbaut worden. Köhler sprach auch einen Punkt an, der nicht erreicht wurde: die Verbindung nach Unterfranken zur Rhön-Maintal-Gruppe. Örtliche Initiativen seien dagegen gewesen. Lediglich der Landkreis Haßberge in Unterfranken ist noch Mitglied der FWO, weil die Gemeinde Rentweinsdorf mit dem Wasser aus der Ködeltalsperre versorgt wird.

„Wasser ist das Lebensmittel Nummer 1“, sagte die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf. Aufgrund der geringeren Niederschläge seien die klimatischen Voraussetzungen nicht so optimal. In Trockenzeiten könne dies schnell zu Wassermangel führen. Deshalb sei die Gründung der FWO eine Entscheidung mit großer Weitsicht gewesen.

Ganz wichtig sei die kommunale Trägerschaft, so der 1. Stellvertretende Vorsitzende und Kronacher Landrat Oswald Marr. Immer wieder sei von der Privatisierung der Wasserversorgung die Rede, doch Privatisierung stehe für schlechte Netze und hohe Preise. Deshalb sei es so wichtig, dass die Kommunen Partners des Dienstleisters FWO sind. Mehr Wertschätzung für das Wasser forderte der 2. Stellvertretende FWO-Vorsitzende und Kulmbacher Oberbürgermeister Henry Schramm. „Wasser ist nichts, so lange du es hast“, zitierte er ein Sprichwort. „Wie selbstverständlich gehen wie alle davon aus, dass wir so viel Wasser zur Verfügung haben, wie wir möchten“, sagte Schramm. Doch so selbstverständlich sei dies alles nicht, dass sollte sich jeder immer wieder aufs Neue vor Augen führen.

Bilder:
- 50 Jahre Trinkwasser aus dem Frankenwald: der Wasserentnahmeturm der Ködeltalsperre im Landkreis Kronach.
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50 Jahre FWO als beispiellose Erfolgsstory (von links): Landrat Oswald Marr, Vorsitzender Heinz Köhler, die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf und der Kulmbacher OB Henry Schramm beim Festakt in Kronach.

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22.04.2016

Wilhelminenaue, Wasserspielplatz und üppige Wiesen:
Es grünt und blüht auf 60 Fußballfeldern / Größte Landesgartenschau in der Geschichte Bayerns eröffnet – Sogar Mustergräber werden gezeigt

Bayreuth. Sie ist die größte Landesgartenschau, die es in Bayern je gab. Sie wird das Gesicht der Stadt nachhaltig verändern und sie soll bis Oktober mindestens 750000 Besucher anlocken: die Landesgartenschau in Bayreuth. Am Freitag wurde das Spektakel von der bayerischen Umweltministerin Ulrike Scharf eröffnet.

Grün war in Bayreuth bislang vor allem der Hügel, auf dem Richard Wagners Festspielhaus steht, das ebenfalls viele tausend Besucher Jahr für Jahr anlockt. Mit der 45 Hektar großen Wilhelminenaue zwischen Innenstadt und Eremitage bekommt der Grüne Hügel heuer gewaltige Konkurrenz. Um Musik geht es auch bei der Landesgartenschau, denn das Motto lautet „Musik für die Augen“. Damit sind nicht nur die elf Musiker der eigens gegründete Landesgartenschau-Band gemeint, die bereits am Eröffnungstag auf der Seebühne mächtig einheizten, sondern die rund 500 Stauden, über 10000 Bäume, circa 20000 Steckhölzer und fast 150000 Blumenzwiebeln, die dort gepflanzt wurden, wo einst landwirtschaftliche Flächen weit in die Stadt hineinragten.

Damit sei die Wagner-Stadt in diesem Sommer nicht nur Nabel für Opernfans sondern auch Anziehungspunkt für alle Blumenliebhaber, sagte Umweltministerin Scharf, ehe sie zusammen mit Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe und dem Präsidenten des Bayerischen Gärtnereiverbandes Roland Albert symbolisch ein Blumenband an der Seebühne durchtrennte. Die Gartenschau werde wie in vielen anderen Kommunen Bayern zuvor zu einem einmaligen Naturerlebnis im jetzt und schaffe bleibende Werte für morgen. Ulrike Scharf: „Gartenschauen steigern die Lebensqualität der Menschen und gleichzeitig den ökologischen Wert vor Ort.“

Hauptattraktionen der „Wilhelminenaue“ sind ein eigens angelegter künstlicher See mit Insel und Seebühne. Das neu geschaffene Gewässer ist rund zwei Hektar groß und bis zu 2,80 Meter tief. Am Ufer befinden sich Schilffelder und ein 670 m langer Rundweg. Weitere Besonderheiten, mit denen die Landesgartenschau bei ihren Besuchern punkten möchten sind eine 400 Quadratmeter große Kletternetzlandschaft und ein Wasserspielplatz, Beachvolleyballfelder,  ein Kultur-, ein Garten-, ein Sport- und ein Gourmetkabinett, jede Menge Gastronomie, eine Dirt-Bike-Anlage und vieles mehr.

Die ersten Besucher hatten sich schon in den zurückliegenden Monaten auf dem Gelände niedergelassen:  so wurde beispielsweise der seltene Eisvogel und der Flußregenpfeifer entlang des auf einem Kilometer renaturierten Roten Mains gesichtet. Neben der Auflockerung des Uferbereichs und der Vernetzung mit den umliegenden Auen wurde durch die Neugestaltung die Eigendynamik des Gewässers gefördert, indem technisch ausgebaute Gewässerstrecken beseitigt wurden und der der Fluss zukünftig wieder einen naturnahen Verlauf nehmen kann. Auch hier wurden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, denn die Maßnahme soll nicht nur schön anzusehen sein, sondern auch einen wichtigen Beitrag zum natürlichen Hochwasserrückhalt leisten.

So ganz ohne Musik und Theater geht es allerdings dann auch auf der Landesgartenschau nicht. Mit der Seebühne, einer Jungen Bühne und einem Heckentheater soll der Park auch eine besondere Kulturarena sein. Viele Konzerte, Theateraufführungen, Lesungen und besondere Themen-Events sind geplant. So startet der Bayerische Rundfunk bereits am Eröffnungs-Wochenende ein Unterhaltungs-Feuerwerk mit einem Volks- und Blasmusik-Frühschoppen am Samstag und einem großen Schlager-Nachmittag mit Patrick Lindner, Laura Wilde und Ross Antony am Sonntag. Weitere Höhepunkte sind unter anderem ein Konzert mit Rolf Zuckowski am 5. Mai und die Aufzeichnung der BR-Unterhaltungssendung „Auf geht´s“ am 13. Mai mit Gaby Moreno, Viva Voce und Kult-Komiker Volker Heißmann. In den folgenden Wochen und Monaten werden außerdem Echo-Preisträgerin Oonagh sowie die Kultbands Bananafishbones und die Münchener Freiheit Konzerte geben.

Von einem Gesamtkunstwerk und von „Festspielen der Blumen und der Gartenkunst“ sprach Oberbürgermeisterin Merk-Erbe. 171 Tage lang sollen die Besucher in Bayreuth ihr grünes Wunder erleben. „Ein solches Projekt hat nur dann Erfolg, wenn es in den Herzen der Menschen ankommt, das ist in Bayreuth der Fall“, so die Oberbürgermeisterin.  Flächenmäßig sei man von einer Bundesgartenschau nicht mehr weit entfernt. Auch was das Rahmenprogramm angeht: von den Partnerstädten und Regionen Annecy, Burgenland, Rudolstadt und dem sechsten Prager Stadtbezirk über die Universität, die Kirchen und Glaubensgemeinschaften bis hin zum Ökologisch-Botanischen Garten der Universität Bayreuth und dem Wildpark Mehlmeisel werden viele Institutionen und Zusammenschlüsse mit eigenen Beiträgen auf der Landesgartenschau präsent sein.

Die kunstsinnige Markgräfin Wilhelmine hätte an diesem Park ihre wahre Freude gehabt, war sich Gärtnereiverbandspräsident Roland Albert bei der Eröffnung sicher. Dabei soll die Landesgartenschau nicht nur schön anzusehen sein, sondern auch über gesellschaftlich relevante Themen informieren. So gebe es beispielsweise ein eigenes Feld mit fast 50 Mustergräbern, auf dem die Bestattungskultur im Wandel der Zeit präsentiert wird.

Die Landesgartenschau in Bayreuth hat bislang rund 10,5 Millionen Euro gekostet. Gefördert wird diese Investition mit jeweils rund 2,9 Millionen Euro durch das Bayerische Umweltministerium und durch europäische Fördergelder. 175000 Euro steuert das bayerische Landwirtschaftsministerium bei. Die Durchführung wird noch einmal mit 9,2 Millionen Euro zu Buche schlagen, wobei der Großteil davon durch Einnahmen gedeckt sein soll. Gesellschafter der Landesgartenschau sind die Wohnungsbau- und Wohnungsfürsorgegesellschaft der Stadt Bayreuth (GEWOG) mit 60 Prozent und die Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen mbH mit 40 Prozent.

Die Landesgartenschau in Bayreuth dauert bis zum 9. Oktober 2016. Tageskarten kosten für Erwachsene 16 Euro, ermäßigt 12 Euro, Kinder und Jugendliche zahlen drei Euro. Dauerkarten kosten für Erwachsene 100 Euro, im Vorverkauf 90 Euro. Die Kassen haben täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

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08.04.2016

Bäume, Blumen und Blüten auf 60 Fußballfeldern / Gesamtkunstwerk Landesgartenschau: „Musik für die Augen“ an 171 Veranstaltungstagen

Bayreuth. 500 Stauden, 10000 Bäume, 20000 Steckhölzer und 150000 Blumenzwiebeln: die Landesgartenschau in Bayreuth schlägt in jeder Hinsicht neue Rekorde auf. Mit einer Fläche von 45 Hektar, das sind rund 60 Fußballfelder, ist sie die größte bayerische Landesgartenschau in der Geschichte. An den 171 Gartenschautagen werden exakt 3818 Veranstaltungen stattfinden, darunter riesige Blumenschauen, außergewöhnliche Konzerte und Theateraufführungen aber auch jede Menge Präsentationen. Nach sieben Jahren Planungs- und Bauzeit eröffnet die Landesgartenschau am 22. April.

Ganze Armeen von Gärtnern sind derzeit noch damit beschäftigt, tausende von Pflanzen an der richtigen Stelle zu platzieren. Von einem Gesamtkunstwerk sprach am Freitag bei einem Vorabrundgang  für die Presse Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe. „Wir können es kaum erwarten“, sagte sie. 171 Tage lang sollen die Besucher ihr grünes Wunder erleben. Flächenmäßig sei man von einer Bundesgartenschau nicht mehr weit entfernt, so Merk Erbe. Auch was das Rahmenprogramm angeht: von den Partnerstädten und Regionen Annecy, Burgenland, Rudolstadt und dem sechsten Prager Stadtbezirk über die Universität, die Kirchen und Glaubensgemeinschaften bis hin zum Ökologisch-Botanischen Garten der Universität Bayreuth und dem Wildpark Mehlmeisel werden viele Institutionen und Zusammenschlüsse mit eigenen Beiträgen auf der Landesgartenschau präsent sein.

Für die Stadt Bayreuth ist es dabei ganz wichtig, dass der neue Mainauenpark zwischen der Innenstadt und dem markgräflichen Landschaftspark der Eremitage auf Dauer angelegt ist. Die Landesgartenschau gehe weit über ein temporäres Ereignis hinaus und sei der Nachhaltigkeit verpflichtet. Nun sollen aber erst einmal viele tausend Besucher nach Bayreuth kommen, was touristisch einen Imagegewinn für die Stadt und die gesamte Region bedeutet.

Das Motto der Landesgartenschau lautet: „Musik für die Augen“. Schöner hätte es Richard Wagner auch nicht formulieren können, meinte die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf, die ebenfalls an dem Vorabrundgang teilgenommen hatte. Das Motto sei in der oberen Mainaue mit einem eigens ausgehobenen zwei Hektar großen See und einer naturnahen Aue auf 1,2 Kilometern Länge hervorragend umgesetzt worden. 

„Markgräfin Wilhelmine hätte an diesem Park ihre wahre Freude gehabt“, so Roland Albert, Präsident des Bayerischen Gärtnereiverbandes. Dabei soll die Landesgartenschau nicht nur schön anzusehen sein, sondern auch über gesellschaftlich relevante Themen informieren. So gebe es beispielsweise ein eigenes Feld, auf dem die Bestattungskultur im Wandel der Zeit präsentiert wird.

Die „Wilhelminenaue“ ist gleichzeitig das Kernstück der Landesgartenschau. In einem Talraum gelegen unterstützen die beinahe unzähligen naturnahen Neuanpflanzungen von regionalen Blumen, Gehölzen, Stauden und Bäumen nachhaltig den ökologischen Umbau der Fluss- und Auenlandschaft sowie die Biotopvernetzung. Ziel war es den neuen Landschaftspark als artenreiches und blühendes Areal zu gestalten. Mitten drin verläuft der renaturierte Flusslauf des Roten Mains. Er soll die Entwicklung einer üppigen Wiesen- und Auenvegetation möglich machen. Angeblich habe sich bereits der seltene Flussregenpfeifer neu angesiedelt. Entlang des Roten Mains verbindet ein idyllische Uferweg die zahlreiche Attraktionen aus den Bereichen Sport, Spiel und Bildung – vom Forschungsbrunnen bis zum Wasserspielplatz.

Eine weitere Hauptattraktion ist der neu angelegte und nach dem angrenzenden Stadtteil benannte Hammerstätter See. Das neu geschaffene Gewässer mit seinen zwei Inseln ist rund zwei Hektar groß und bis zu 2,80 Meter tief. Am Ufer befinden sich Schilffelder, eine Seebühne und ein 670 m langer Rundweg. Weitere Besonderheiten, mit denen die Landesgartenschau bei ihren Besuchern punkten möchte sind Beachvolleyballfelder,  ein Kultur-, ein Garten-, ein Sport- und ein Gourmetkabinett, jede Menge Gastronomie, eine Dirt-Bike-Anlage und viele weitere Attraktionen.

Gesellschafter der Landesgartenschau sind die Wohnungsbau- und Wohnungsfürsorgegesellschaft der Stadt Bayreuth (GEWOG) mit 60 Prozent und die Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen mbH mit 40 Prozent. Geschäftsführer sind Ulrich Meyer zu Helligen von der Stadt Bayreuth und Dagmar Voß von der Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen. Die Landesgartenschau bedeutet für Bayreuth eine Investition von 10,5 Millionen Euro an Baukosten. Die Durchführung wird noch einmal mit 9,2 Millionen Euro zu Buche schlagen, wobei der Großteil davon durch Einnahmen gedeckt sein soll. Gefördert wird die Landesgartenschau mit jeweils rund 2,9 Millionen Euro durch das Bayerische Umweltministerium und durch europäische Fördergelder. 175000 Euro steuert das bayerische Landwirtschaftsministerium bei.

Die Landesgartenschau in Bayreuth dauert bis zum 9. Oktober 2016. Tageskarten kosten für Erwachsene 16 Euro, ermäßigt 12 Euro, Kinder und Jugendliche zahlen drei Euro. Dauerkarten kosten für Erwachsene 100 Euro, im Vorverkauf 90 Euro. Die Kassen haben täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

Bilder:
1.
Noch müssen tausende Blumen gesetzt werden, ehe die Landesgartenschau in Bayreuth am 22. April eröffnet wird.
2. Dort wo früher Felder waren, ist heute der Park der Landesgartenschau zu finden.
3. Landrat Hermann Hübner, Umweltministerin Ulrike Scharf und Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe starteten vorab einen Rundgang über die Landesgartenschau in Bayreuth.
4. Eine ganz neue Landschaft ist in unmittelbarer Nähe des Bayreuther Stadtteils Hammerstatt entstanden.

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26.10.2015

Kultur oder Natur:
Steigerwald soll UNESCO-Welterbe werden - Nationalpark ist vom Tisch

Bamberg. Einen Nationalpark Steigerwald wird es nicht geben. Dafür sollen sämtliche Möglichkeiten ausgelotet werden, aus dem Steigerwald ein Weltkulturerbe oder ein Weltnaturerbe zu schaffen. Das ist das Ergebnis der „Regionalkonferenz Steigerwald“, zu der die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf in das Bamberger Landratsamt eingeladen hatte.

Geladen waren lokale Mandatsträger und Vertreter der Region. Gekommen waren auch Vertreter des BBV, des Bund Naturschutz sowie Ex-Landrat und Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Er gilt als geistiger Urheber der Nationalparksdebatte. Auch einige Befürworter und Gegner demonstrierten im Vorfeld für ihre Interessen. Benedict Schmitt vom Verein „Nationalpark Nordsteigerwald“ nannte es bedauerlich, dass das Thema Nationalpark nicht mehr auf der Agenda steht obwohl es doch um regionale Entwicklung im Steigerwald geht. Oskar Ebert von der Gegenseite, dem Verein Unser Steigerwald“ hat sich seit Beginn der Diskussion gegen einen Nationalpark ausgesprochen, weil damit die Ausweisung eines Großschutzgebietes verbunden wäre.

Sie möchte in erster Linie die Spaltung der Region überwinden, sagte Umweltministerin Scharf. Ihre Ziele seien es, auch weiterhin eine gute wirtschaftliche Entwicklung in der Region zu ermöglichen, den kulturellen Reichtum hochzuhalten und die wertvolle Natur zu bewahren. Das alles sei mit einem Weltkulturerbe oder einem Weltnaturerbe möglich. „Beide Varianten bleiben auf dem Tisch und sollen weiter untersucht werden“, sagte Scharf. Die Regionalkonferenz sei erst der Startschuss dazu, denn ein langer Atem werde bis zur Entscheidung durch die UNESCO, der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, nötig sein.

Auch Landrat Johann Kalb (Bamberg) und die stellvertretende Schweinfurter Landrätin Christine Bender sprachen sich für ein Miteinander aus. „Wir wollen versuchen das Prädikat Welterbe zu erreichen, und zwar ohne die Gehässigkeiten aus der Vergangenheit“, sagte Kalb. Der Weg dorthin soll mit Hilfe unabhängiger Referenten und neutraler Gutachter gegangen werden, so Bender.

Sowohl SPD als auch Grüne lehnten die Steigerwald-Regionalkonferenz bereits im Vorfeld ab. Von einer Farce und einer „dubiosen Veranstaltung" sprach der der umweltpolitische Sprecher der SPD- Landtagsfraktion, Harry Scheuenstuhl. Streitpunkt sei die rücksichtslose und eigenmächtige Aufhebung des Schutzgebietes Steigerwald durch das Umweltministerium, das sich damit über das Votum der Fachleute im Naturschutzbeirat hinweggesetzt hatte.

Von einer plumpen PR-Aktion der CSU sprachen die Grünen. „Für die CSU-Umweltministerin ist das Waldnaturschutzjahr 2015 offensichtlich eine reine PR-Kampagne“, sagte die Bayreuther Abgeordnete Ulrike Gote. „In der Realität stemmt sie sich mit allen Mitteln gegen den Schutz unserer wertvollen Buchenwälder“, so Gote. Erst reiße die CSU mit Anti-Waldschutz-Polemik und gezielter Desinformation Gräben auf, um sich dann als Brückenbauer in Szene zu setzen. Bei der Regionalkonferenz sei es einzig darum gegangen, Stimmung zu machen, denn ohne Schutzgebiet werde es auch kein Weltnaturerbe geben.

Die Debatte um den Steigerwald ist seit Anfang 2014 in der Region ein großes Thema. Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit hatte der damalige Landrat Günther Denzler den Stein ins Rollen gebracht und ein 800 Hektar großes Naturschutzgebiet ausweisen lassen. Die Regierung von Oberfranken hob diese Entscheidung nach heftigen Protesten wieder auf. Für Naturschützer war dies eine herbe Niederlage, da das Gebiet die Grundlage für einen Nationalpark im Steigerwald darstellen sollte. Inzwischen hat der Landtag das Naturschutzgesetz geändert: Für Naturschutzgebiete mit mehr als zehn Hektar sind künftig die Bezirksregierungen und nicht mehr die Landkreise verantwortlich.

Bild: Die stellvertretende Schweinfurter Landrätin Christine Bender, der Bamberger Landrat Johann Kalb und die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf (von links) bei der Regionalkonferenz Steigerwald.

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20.09.2015

Wasserspielplatz, Wilheminenaue und üppige Wiesenvegetation / Baustellenfest als Vorgeschmack auf die Landesgartenschau 2016 in Bayreuth

Bayreuth. Sie heißen „Fossi-Boys“ und hören auf die Namen Glotzaugengerch, Spritzfritz und Schuppenschubi.  Als Maskottchen der Landesgartenschau 2016 in Bayreuth sollen die drei Figuren, die Fossilien nachempfunden sind, in den kommenden Monaten die Herzen der Besucher erobern, wie es beim Merchandising-Partner, der Kindermarke Sigikid heißt. Auf dem Baustellenfest am Wochenende auf dem Gartenschaugelände gab es die Maskottchen bereits als Plüschtiere zu kaufen. Das Fest war definitiv die letzte Gelegenheit für die Öffentlichkeit, das Gelände noch einmal zu betreten. Erst am 22. April wird das wieder möglich sein. Dann wird die Landesgartenschau 2016 in Bayreuth eröffnet. Zum Baustellenfest kamen bereits rund 18000 Menschen.

Zur Gartenschau selbst erwartet Geschäftsführerin Dagmar Voß 750000 Besucher. Das wäre dann wohl ein Rekord. Ein anderer Rekord ist bereits lange vor der Eröffnung erreicht worden: Die landesgartenschau in Bayreuth ist mit 45 Hektar flächenmäßig die größte, die es je in Bayern gab. Das Motto heißt „Musik für die Augen“. Dazu entsteht in einem Talraum zwischen dem Volksfestplatz und dem Stadtteil St. Johannis auf bisher landwirtschaftlich intensiv genutztem Gelände eine riesige und komplett neue Parkanlage mit dem Namen Wilhelminenaue. Benannt nach der kunstsinnigen Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth. Ihre Visionen und die in ihrer Zeit geschaffenen barocken Grünanlagen und Bauten wie das UNESCO-Weltkulturerbe Markgräfliches Opernhaus, die Eremitage oder das Lustschloss Fantaisie mit dem ersten deutschen Gartenkunstmuseum prägen Stadt und Region und inspirierten auch die Planer der Landesgartenschau bei der Gestaltung des neuen Parks. Entlang des Roten Mains soll der Park eine Brücke zwischen historischer Innenstadt, Hofgarten und Eremitage schlagen und damit einen dauerhaften Grün- und Erholungsraum schaffen. „Die Bayreuther werden noch Jahre und Jahrzehnte von diesem Park profitieren“, sagt Geschäftsführer Ulrich Meyer zu Helligen.

Beim Baustellenfest, dem traditionellen Großereignis vor der Eröffnung bekamen die Besucher einen Tag lang bei freiem Eintritt einen kleinen Vorgeschmack auf das Gartenschaujahr 2016 mit ersten gärtnerischen Ausstellungen auf sieben Themengärten, Sport- und Mitmach-Events und dem Beginn des Dauerkarten-Vorverkaufs. An die 300 sollen es gewesen sein, die bereits verkauft wurden, einschließlich der Nummer 1, die an Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe ging. „Markgräfin Wilhelmine wäre stolz auf diesen Park“, sagte die Oberbürgermeisterin und sprach von einer erheblichen Steigerung der Attraktivität Bayreuths.

Kernstück der Landesgartenschau ist deshalb auch die Wilhelminenaue. 45 Hektar groß und in einem Talraum gelegen unterstützen viele hundert naturnahe Neuanpflanzungen von regionalen Blumen, Gehölzen, Stauden und Bäumen nachhaltig den ökologischen Umbau der Fluss- und Auenlandschaft sowie die Biotopvernetzung. Ziel war es den neuen Landschaftspark als artenreiches und blühendes Areal zu gestalten.

Mitten drin ist auf einer Länge von rund 1,2 Kilometern der renaturierte Flusslauf des Roten Mains. Er soll die Entwicklung einer üppigen Wiesen- und Auenvegetation möglich machen Angeblich habe sich bereits der seltene Flussregenpfeifer neu angesiedelt. Entlang des Roten Mains verbindet ein idyllische Uferweg die zahlreiche Attraktionen aus den Bereichen Sport, Spiel und Bildung – vom Forschungsbrunnen bis zum Wasserspielplatz.

Eine weitere Hauptattraktion ist der neu angelegte und nach dem angrenzenden Stadtteil benannte Hammerstätter See. Das neu geschaffene Gewässer mit seinen zwei Inseln ist rund zwei Hektar groß und bis zu 2,80 Meter tief. Am Ufer befinden sich Schilffelder, eine Seebühne und ein 670 m langer Rundweg. Weitere Besonderheiten, mit denen die Landesgartenschau bei ihren Besuchern punkten möchten sind Beachvolleyballfelder,  ein Kultur-, ein Garten-, ein Sport- und ein Gourmetkabinett, jede Menge Gastronomie, eine Dirt-Bike-Anlage und viele weitere Attraktionen.

Gesellschafter der Landesgartenschau sind die Wohnungsbau- und Wohnungsfürsorgegesellschaft der Stadt Bayreuth (GEWOG) mit 60 Prozent und die Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen mbH mit 40 Prozent. Geschäftsführer sind Ulrich Meyer zu Helligen von der Stadt Bayreuth und Dagmar Voß von der Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen. Die Landesgartenschau bedeutet für Bayreuth eine Investition von 10,5 Millionen Euro an Baukosten. Die Durchführung wird noch einmal mit 9,2 Millionen Euro zu Buche schlagen, wobei der Großteil davon durch Einnahmen gedeckt sein soll. Gefördert wird die Landesgartenschau mit 3,6 Millionen Euro durch das Bayerische Umweltministerium und mit 100000 Euro durch das Bayerische Landwirtschaftsministerium.

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11.09.2015

Waldnaturschutz durch Holzernte / Exkursion: Im Forstrevier Thurnau gehen Naturschutz und Waldbewirtschaftung Hand in Hand

Kulmbach. Schützen und Nützen: das sind keine Gegensätze: Fachleute in Sachen Wald und Forst weisen seit jeher darauf hin. Ganz im Gegenteil: Schützen und Nützen ergänzt sich hervorragend. Um diese Tatsache auch in der Gesellschaft ein Stück weit bekannt zu machen, und um den Naturschutz in den bayerischen Wäldern stärker ins Bewusstsein zu rücken, wurde 2015 zum „Aktionsjahr Waldnaturschutz“ erklärt. Das Landwirtschaftsamt in Kulmbach wollte darüber nicht nur reden, sondern veranstaltete eine Exkursion, um Vertretern der Naturschutzbehörde, der Jägerschaft, der Kommunen und der Öffentlichkeit zu zeigen, wie praktizierter Waldnaturschutz durch Holzeinschlag aussieht.

„Käseglockenartiger Naturschutz, durch die Unterschutzstellung von Waldflächen, Nutzungsverzicht und alles weitere der Natur zu überlassen, hat sicher seine Berechtigung in Nationalparks, in bewirtschafteten Wälder aber sollte der Denkansatz ein anderer sein“, sagte Gerhard Lutz, der die Abteilung Forst am Landwirtschaftsamt in Kulmbach leitet. Er spricht auch vom „Schaffen lichter Waldstrukturen“ durch den Einschlag oder anders ausgedrückt von Waldnaturschutz durch Holzernte.

In den bayerischen Wäldern werde seit Jahrzehnten eine nachhaltige und naturnahe Waldbewirtschaftung praktiziert, die Holznutzung und Naturschutz miteinander in Einklang bringt, sagte Lutz. „Wir wollen nicht Urwälder auf der einen Seite des Wanderweges und Holzplantagen auf der anderen.“ Ziel sei es vielmehr, ökologisch wertvolle Wälder auf der gesamten Fläche zu schaffen, und dazu leisteten private und kommunale Waldbesitzer seit jeher einen wichtigen Beitrag. Was die wenigsten wissen: bei vielen dieser Maßnahmen könnten Waldbesitzer über das Vertragsnaturschutzprogramm Wald finanziell gefördert werden.

Beim Wacholderweg in Wonsees liegt die Maßnahme noch gar nicht so lange zurück. Im vergangenen Winter hatte die Marktgemeinde als Eigentümer die zuletzt starke Beschattung des direkt an den Ort angrenzenden Wacholdertals, einem geschützten Landschaftsbestandteil, zurückgenommen und der einzigartigen, zehn bis 15 Hektar großen Wacholderheide dadurch wieder mehr Licht und Sonne zukommen lassen. „Nur so konnte diese wertvolle Naturschutzfläche erhalten werden“, sagte Peter Nützel, der das Forstrevier Thurnau seit 37 Jahren leitet. Durch die Maßnahme konnte auch eine einzigartige Lindenallee wieder freigestellt werden, die nicht zuletzt durch zahlreiche Spechthöhlen interessant ist. Die Freilegung wurde durch den gesamten Gemeinderat mit seinem Bürgermeister in Eigenleistung freigelegt.

Rund zehn Jahre zurück liegt die zweite Maßnahme im Felsental zwischen Azendorf und Schirradorf. Hier gibt es zahlreiche markante Felsformationen, die im Laufe der Jahrzehnte nahzu zugewachsen sind. Ziel sei es gewesen, den Wald wieder aufzulichten und die Felsen sichtbar zu machen, sagte Revierleiter Nützel. Auch Pflanzen, die nur auf den Felsen wachsen können, hätten von dieser Maßnahme profitiert. Nicht zuletzt hat das Projekt auch eine touristische Wirkung. Durch die Felsenfreilegung entstünden landschaftlich ganz reizvolle Waldansichten. Der Talweg zwischen Azendorf und Schirradorf  habe sich mittlerweile zu einem der begehrtesten Wanderwege im Landkreis Kulmbach entwickelt.

Ebenfalls um ein touristisches Ziel handelt es sich beim Turmberg in Kasendorf. Südlich des Berges hat sich noch eine ganz ursprüngliche Form der Waldbewirtschaftung erhalten. Im Privatwald von Dieter Bauer  aus Neudorf wird ein über drei Hektar großer Laubwald hauptsächlich mit Eichen, Buchen und Linden seit Generationen als Mittelwald bewirtschaftet. Konkret wird jedes Jahr ein etwa 20 Meter breiter Waldstreifen „auf den Stock gesetzt“. Das heißt, die Bäume werden weitestgehend gefällt, die Stöcke schlagen wieder aus und nach 15 bis 20 Jahren beginnt die Waldbewirtschaftung wieder von vorne. Früher sei dies die übliche Form der Bewirtschaftung gewesen, erklärt Revierleiter Nützel. Auch hier gilt: die Mittelwaldbewirtschaftung wird über das Vertragsnaturschutzprogramm Wald finanziell gefördert. Auskünfte dazu erteilt das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kulmbach.

Bilder:
1. Diese Lindenallee ist einzigartig und als Wanderweg mittlerweile ein begehrtes Ziel von Touristen.
2. Holznutzung und Naturschutz müssen keine Gegensätze sein, das erläutert Revierleiter Peter Nützel (links) bei einer Exkursion durch das Thurnauer Revier.
3. Freigelegte Felsen sehen nicht nur schön aus, sondern dienen auch dem Naturschutz und der Waldbesitzer, hier die Marktgemeinde Kasendorf profitiert vom Einschlag.
4. Stefan Hannas-Bökkerink, beim Amt für Landwirtschaft für das Natura-2000-Programm zuständig und Abteilungsleiter Gerhard Lutz zeigen, wo im Landkreis Kulmbach die größten privaten und kommunalen Waldflächen zu finden sind.

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04.09.2015

Gute Ernte trotz Trockenheit und hoher Temperaturen / Weg von Bio und hin zum Regionalen: Oberfränkische Karpfensaison gestartet

Neustadt bei Coburg. Gute Nachrichten für alle Feinschmecker in Oberfranken: Ab sofort gibt es bis zum kommenden Frühjahr wieder fangfrischen Karpfen aus heimischen Teichen. Offiziell eröffnet wurde die oberfränkische Karpfensaison 2015 auf der Teichanlage von Otto Norbert Grußka in Haarbrücken, einem Stadtteil von Neustadt bei Coburg.

Trotz langer Trockenheit im Sommer, hoher Temperaturen und stellenweise sogar Wasserknappheit seien auch in den zurückliegenden Monaten wieder weitestgehend Fische bester Qualität herangewachsen, sagte der oberfränkische Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler. Mit der Fachberatung für Fischerei unterhält der Bezirk die einzige fischereiliche Dienststelle in Oberfranken.

Zwar seien Karpfen in manchen Gegenden etwas kleiner ausgefallen, als in den zurückliegenden Jahren, doch hätten die Fische kaum Vernarbungen oder Verletzungen. Allerdings habe der Sommer mit seiner außergewöhnlich langen Trockenphase in einigen Regionen durchaus Probleme bereitet. Mancherorts hätten Algen und Wasserpflanzen überhandgenommen, unvernünftige Zeitgenossen hätten aus manchen Teichen verbotenerweise Wasser abgepumpt und dann gebe es noch die natürlichen Feinde wie Biber, Fischotter oder Kormoran, die vielen Teichwirten Schwierigkeiten machen. Vielerorts wurde deshalb besonders im Aischgrund ein vorzeitiges Abfischen und Umsetzen der Fische notwendig.

Trotzdem werde die Gesamtmenge nach Meinung der Experten wieder im langjährigen Durchschnitt liegen, so der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken, Dr. Peter Thoma aus Thiersheim.  Die Teichgenossenschaft ist ein Zusammenschluss von Teichwirten im Haupt-, Neben- und Zuerwerb aus dem gesamten Regierungsbezirk mit insgesamt fast 900 Mitgliedern.

Laut Bernhard Feneis, dem Präsidenten des Verbandes der Deutschen Binnenfischerei und Aquakultur, entspricht der Karpfen genau dem aktuellen Trend, der da lautet: „Weg von der Bioschiene und hin zum Regionalen“. Als Aushängeschild der Region würdigte der Coburger Landtagsabgeordnete Jürgen W. Heike den Karpfen und eine länderübergreifende Zusammenarbeit regte Marco Jung, Geschäftsführer des sächsischen Fischereiverbandes, an.

Bayern ist laut Landwirtschaftsministerium Deutschlands größtes Karpfen-Erzeugerland: Auf einer Teichfläche von rund 20000 Hektar werde im Freistaat mehr als die Hälfte der gesamten deutschen Karpfenmenge produziert. Nach den Worten von Bezirkstagspräsident Denzler ist heimischer Karpfen ein reines Naturprodukt, das seit Jahrhunderten unverändert erzeugt wird. Bei den Karpfenerzeugern handle es sich ausschließlich um Familienbetriebe, die meist seit Generationen die Teichwirtschaft extensiv betreiben. „Hier verbinden sich Tradition, naturnahe Erzeugung und Landschaftspflege auf ideale Weise“, so Denzler. Heimischer Karpfen stehe nicht nur für besonderen Genuss und Frische, der Verbraucher leiste mit dem Verzehr auch einen Beitrag für den Erhalt der regionalen Teichwirtschaft und der Kulturlandschaft.

Wie traditionsverbunden die Teichwirtschaft wirklich ist, machte Otto Norbert Grußka, Bewirtschafter und Eigentümer der Anlagen, daran deutlich, dass sich die Existenz seiner Anlage anhand alter Pläne tatsächlich bis in das 13 Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Er selbst bewirtschaftet die Teiche vor den Toren Neustadts erst seit 1996, nachdem er als Bezirksschornsteinfegermeister in den Ruhestand gegangen war und gleichzeitig seine Gesellen- und anschließend seine Meisterprüfung als Fischwirt abgelegt hatte. Grußka ist außerdem seit Anfang 2012 Geschäftsführer der Teichgenossenschaft Oberfranken.

Bilder:
1. Der heimische Karpfen gilt als gesundes Lebensmittel mit einer hervorragenden Ökobilanz.

2.
Der Landtagsabgeordnete Jürgen W. Heike, Dr. Peter Thoma von der Teichgenossenschaft Oberfranken, Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler und Dr. Thomas Speierl von der Fachberatung für Fischerei (von links) beim Abfischen.
3. An den Teichanlagen von Otto Norbert Grußka nahe Neustadt bei Coburg wurden die oberfränkische Karpfensaison offiziell eröffnet.

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10.07.2015

Teich im ehemals toten Winkel / Oberfränkische Teichgenossenschaft zeichnete Jung-Teiche bei Trogenau als Kulturgut aus

Trogenau. Auch Teiche können ein Kulturgut sein. Die Teichgenossenschaft Oberfranken stellt dies seit vielen Jahren mit einer ganz besonderen Auszeichnung eindrucksvoll unter Beweis. Seit 17 Jahren verleiht der Zusammenschluss von Teichwirten im Haupt-, Neben- und Zuerwerb mit seinen fast 900 Mitgliedern die Auszeichnung „Kulturgut Teich“. Diesmal ging das Prädikat, das unter anderem mit der Aufstellung einer Informationstafel verbunden ist, an die Teich AG Trogenau-Regnitzlosau und an die von ihr bewirtschafteten Jung-Teiche an der fränkisch-sächsischen Grenze bei Trogenau, Gemeinde Regnitzlosau im Landkreis Hof.

50 Jahre alt wird die Teich AG in diesem Jahr. Dabei handelt es sich um eine Vereinigung von Verwandten und Freunden, die den Teich bewirtschaftet, Karpfen und Forellen erzeugt und die gleichzeitig auch Eigentümer ist. Die Jung-Teiche selbst sind allerdings schon wesentlich älter, sie wurden 1794 erstmals urkundlich erwähnt und befanden sich damals zum Teil auf Bayreuth-Brandenburgischem Boden, zum anderen Teil auf Sächsisch-Kurfürstlichem Gebiet.

In den 1930er Jahren wurden die Gewässer trockengelegt und verlandeten für die nächsten drei Jahrzehnte, ehe sich die Teich-AG ihrer annahm und auf den mittlerweile landwirtschaftlich genutzten Flächen wieder Fischteiche anlegte. Das Besondere an den Jung-Teichen ist, dass sie zum einen direkt auf der Wasserscheide zwischen Saale und Weißer Elster liegen und, dass sie bis 1989 keine zehn Meter vom Eisernen Vorhang entfernt lagen. Deshalb war die Feierstunde zur Auszeichnung des Teiches und seiner Bewirtschafter und Eigentümer auch eine Art Gipfeltreffen der Fischerei zwischen Bayern, Sachsen und Tschechien.

„Zum 25. Jubiläum haben die Jung-Teiche die Auszeichnung Kulturgut Teich mehr als verdient“, sagte der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken, Dr. Peter Thoma aus Thiersheim. Schon durch seine besondere Lage ganz am Rande Oberfrankens in einem ehemals toten Winkel seien die Weiher etwas ganz besonderes. Damit seien die Jung-Teiche nicht nur ein oberfränkisches Kulturgut, sie spiegelten ein Stück weit auch deutsche und europäische Geschichte wider.

Ziel der Auszeichnung ist es nach den Worten des Vorsitzenden unter anderem, die Bevölkerung darauf hinzuweisen, welchen Schatz die Teiche innerhalb der oberfränkischen Landschaft darstellten, sagte Thoma. Als Kriterien für die Auswahl nannte er unter anderem den Zeitpunkt der erstmaligen urkundlichen Nennung, die landschaftsprägende und ökologische Bedeutung sowie die teichwirtschaftliche Nutzung.

Teiche seien schon immer landschaftsprägend gewesen, so der oberfränkische Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler. Teiche dienten der Artenvielfalt, der Wasserversorgung und der Produktion eines sehr gesunden Lebensmittels. Aufgrund der besonderen Lage der Jung-Teiche waren zur Enthüllung der Informationstafel und zur Übergabe der entsprechenden Urkunde auch Gäste aus Sachsen und Tschechien nach Trogenau gekommen. Der Vorsitzende des westböhmischen Angelverbandes Michal Blahusek sprach von einer hervorragenden Zusammenarbeit, würde sich aber Vereinfachungen bei den Angelbedingungen für deutsche und tschechische Angler in den Gewässern des jeweils anderen wünschen.

Teiche formten seit vielen Jahrhunderten bis heute unsere Kulturlandschaft, so Marco Jung, Geschäftsführer des sächsischen Fischereiverbandes. Das werde oft verkannt, sagte Jung, und Tomas Skurka, stellvertretender Geschäftsführer des Fischereibetriebs Marienbad, freute sich darüber, dass es mittlerweile eine fruchtbare Zusammenarbeit über Grenzen hinweg gibt und die Zeiten vorbei sind, „in denen zwischen uns ein Stacheldraht gezogen war“.

Bild:
1. TEGOF-Vorsitzender Dr. Peter Thoma, Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler, Landtagsvizepräsident Peter Meyer, der stellvertretende Hofer Landrat Hans Peter Baumann und Bezirkstagsvizepräsident Eberhard Siller (von links) haben die Informationstafel an den Jung-Teichen bei Trogenau enthüllt.
2. Eine Urkunde „Kulturgut Teich“ überreiche Dr. Peter Thoma (links) und Bezirkstagspräsident Günther Denzler (4. Von links) an die Eigentümer und Bewirtschafter Siegmar Dimmling und Peter Rietsch (2. und 3. von links). Mit im Bild: Bürgermeister Hans-Jürgen Kropf, der stellvertretende Landrat Hans Peter Baumann und Bezirkstagsvizepräsident Eberhard Siller (von rechts).
3. Eigentümer, Bewirtschafter und Gäste feierten am Ufer der Jung-Teiche die Verleihung des Prädikats „Kulturgut Teich“.

4. Einen Steinwurf vom einstigen Vorhang entfernt liegen die Jung-Teiche.

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19.06.2015

Wasserversorgung in Gefahr / Klimawandel sorgt für Wasserknappheit - Wasserforum der Regierung von Oberfranken

Thurnau. Die nachhaltige Gewinnung von sauberem Trinkwasser stößt in Teilen Frankens schon heute an ihre Grenzen. Schuld daran ist nach den Worten von Johannes Luers vom Zentrum für Ökologie und Umweltforschung an der Universität Bayreuth der Klimawandel. Dadurch komme es unter anderem zu einer ungleichmäßigen Niederschlagsverteilung und zu längeren Trockenphasen, sagte der Wissenschaftler beim 7. Oberfränkischen Wasserforum am Freitag auf Schloss Thurnau.

Trotz immer wiederkehrender kurzer aber heftiger Niederschlagsereignisse sei Wasserknappheit die Folge. Kanäle könnten dadurch nicht mehr gewässert werden, die Staubbelastung steige an, die Notwendigkeit von Wasserreserven werde wieder wichtiger. „Eigentlich müsste man jetzt neue Stauseen bauen“, sagte Luers. „Doch bauen sie heute mal einen Stausee, wo sie nicht mal eine Stromleitung errichten können“, fügte er an.

Insgesamt sei die Wasserversorgungssituation in Oberfranken positiv, so Erich Haussel, der Leiter des Sachgebiets Wasserwirtschaft an der Bezirksregierung. Er sprach von exakt 498 Wasserschutzgebieten mit einer Fläche von 464 Quadratkilometern. Die Zahl der Wasserversorgungsanlagen bezifferte er auf 416, 40 davon hätten aktuell Defizite, das bedeutet, sie könnten den Tagesspitzenbedarf nicht garantieren oder müssten mit einer dauerhaften Desinfektion betrieben werden.

Die Anlagen, die uneingeschränkt laufen, versorgten aktuell über 900000 Menschen tagtäglich mit Trinkwasser, was bei rund einer Million Einwohnern in Oberfranken bedeutet, dass lediglich kleinere Anlagen Probleme hätten. Oberfrankens Wasserchef Haussel empfahl den Wasserversorgern als Gegenmaßnahmen das Rohrnetz zu überprüfen und gegebenenfalls Instantzusetzen, um Verluste zu vermeiden. Außerdem sollten sämtliche Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers umgesetzt werden.

Derzeit liege der Pro-Kopf-Verbrauch an Wasser in Oberfranken bei 125 Liter pro Tag und Einwohner. An dieser Zahl habe sich in den zurückliegenden Jahren kaum etwas verändert. Obwohl die Bevölkerung insgesamt abnimmt, könnte es Probleme geben, da die Zahl der warmen und extrem heißen Tage zunimmt und somit auch mehr Wasser benötigt wird.

Wie brisant das Thema Wasser ist, machte Martin Grambow, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft im Bayerischen Umweltministerium und früherer Leiter des Hofer Wasserwirtschaftsamtes, daran deutlich, dass das Thema Wasser sogar in die aktuelle päpstliche Enzyklika Eingang gefunden hatte. Wasser ist die Grundlage allen Lebens, es gebe kein einziges Lebewesen, das ohne Wasser auskommt. Deshalb erwähne auch Papst Franziskus in seiner Umwelt-Enzyklika das Wasser an vorderster Stelle.

Ganz aktuell sei in Bayern ein interessantes Wasserphänomen zu beobachten: Während es im Süden zu viel Wasser gibt, was beispielsweise zu verheerenden Schlammlawinen führt, ist in Unterfranken die größte Trockenperiode sei 1947 zu beobachten. „Wir wissen nicht, ob das der Klimawandel ist, aber wenn, dann sieht er so aus“, sagte Grambow. Da sich der Klimawandel hauptsächlich über das Wasser bemerkbar macht, wird er in alle Bereiche unseres Lebens eingreifen. Das beginne im Bereich der Lebensmittelproduktion mit der Situation auf den Agrarmärkten und höre mit dem Auftauchen gefährlicher Gelbfiebermücken in unseren Breiten noch lange nicht auf.

Auf eine weitere wichtige Funktion des Wassers in Oberfranken wies Benno Strehler, der Leiter des Wasserwirtschaftsamts Hof, augenzwinkernd hin. Als Land des Bieres exportiere Oberfranken das Wasser sogar, wenn auch in veredelter Form.

Bild: Keine Angst vor Wasserschutzgebieten, sie werden in Zeiten des Klimawandels sogar noch wichtiger.

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29.05.2015

Grillgut Fisch: Vom Teich auf den Teller / Forelle, Karpfen und Saibling statt Bratwürste und Burger -  Oberfränkische Teichgenossenschaft eröffnete Fischgrillsaison

Gräfenthal, Lks. Bayreuth. Bratwürste, Steaks und Burger auf dem heimischen Grill, das kennt man. „Wir wollen die Menschen dazu bringen, zuhause auch mal Fisch auf den Grill zu legen“, sagt Peter Thoma aus Thiersheim. Er ist Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken, einem Zusammenschluss von rund 1000 Teichwirten, meist Landwirte, die im Nebenerwerb einen oder mehrere Teiche bewirtschaften.

Sobald es draußen wärmer ist, werden der Grill entstaubt, die Gartenstühle aufgebaut, die Salate zubereitet, Familie und Freunde eingeladen. Beim Grillen sind die Deutschen Weltmeister. Wenn es aber um das Grillgut geht, dann hört der Einfallsreichtum schnell auf. Allenfalls noch Gemüse gibt es neben den üblichen Würsten und Steaks. „Warum nicht auch heimischen Süßwasserfisch“, hat sich die Teichgenossenschaft Oberfranken schon vor Jahren gedacht. Seitdem wird die Fischgrillsaison von den Mitgliedern zusammen mit dem Bezirk Oberfranken und dem Hotel- und Gaststättenverband immer im Mai eröffnet und der Absatz damit werbewirksam angekurbelt.

Allerdings sollte es nicht irgendein Fisch sein, sondern Fisch aus Oberfranken. „Wir wundern uns, dass viele Verbraucher noch immer auf Pangasius auf Vietnam zurückgreifen, der meist mit Antibiotika vollgestopft ist“, so der oberfränkische Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Der Bezirk gehört zu den Mitveranstaltern der Marketingaktion, weil die Bezirke in Bayern für die Fischereifachberatung zuständig sind.

Einer, der ganz wenigen in Oberfranken, der seine Teiche im Haupterwerb bewirtschaftet, ist Karl-Peter Schwegel von der Forellenzucht Aufseßtal. Schwegel, seit über 35 Jahren Vollerwerbsteichwirt  hat diesmal zur Eröffnung der Fischgrillsaison Saibling, Forellen und Karpfen frisch geschlachtet und an das Landhaus Gräfenthal bei Bindlach im Landkreis Bayreuth geliefert, wo sie sofort frisch verarbeitet wurden.

Und zwar von Helmut Lauterbach. Er weiß um die große Vielfalt von Fisch aus heimischen Gewässern. Da gibt es gebeiztes Saiblingsfilet, Forelle, Karpfenfilet, aber auch Zanderkotelette oder Hechtpflanzerl. „Wir wollen die Menschen dazu bringen, für den nächsten Grillabend auch mal Fisch vom Teichwirt um die Ecke zu nehmen“, sagt Vorsitzender Thoma.

Ökologisch sei heimischer Fisch sowieso eines der besten Lebensmittel überhaupt, so Bezirkstagspräsident Denzler. Ziel der Arbeit des Bezirks sei es deshalb auch, die heimische Teichwirtschaft zu stärken. Dazu gehöre es auch, dass neue Teiche angelegt werden, was ein falsch verstandener Naturschutz oft verhindere. Gerade in Oberfranken seien neue Teiche so wichtig, denn die heimische Produktion reiche für die Eigenversorgung nicht aus, so dass jedes Jahr Fisch importiert werden muss. Überhaupt gehe es beim Fisch auch immer um Naturschutz und um den Erhalt der Artenvielfalt. „Jeder Teich in Oberfranken ist ein Biotop“, sagt Fachmann Karl-Peter Schwegel und wirbt immer wieder für die Neuanlage von Teichen.

Für die feierliche Eröffnung der Fischgrillsaison hatte Helmut Lauterbach unter anderem Karpfenfilet auf asiatischem Gemüse, Forelle im Ganzen auf gegrilltem Spargelsalat und Zanderkotelette mit Kapuzinerkresse-Pesto auf Kartoffelstampf vorbereitet.

Se haben die oberfränkische Fischgrillsaison eröffnet (von links): Der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Peter Thoma, Helmut Lauterbach vom Landhaus Gräfenthal, Thomas Speyerl von der Fischereifachberatung, die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer, Bezirkstagsvizepräsident Eberhard Siller, Bezirksrätin und Bürgermeisterin Beate Kuhn sowie Bezirkstagspräsident Günther Denzler.

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01.04.2015

Tomaten aus Andernach statt Tulpen aus Amsterdam /
Pflücken erlaubt in der essbaren Stadt – Landesgartenschau: Studenten planen in Bayreuth ähnliches Projekt

Andernach/Bayreuth. „Betreten verboten“, so steht es noch immer an vielen Grünflächen in öffentlichen Parks und Gärten der Städte. Für Lutz Kosack aus der mittelrheinischen Kleinstadt Andernach heißt es nicht nur „Betreten erlaubt“, sondern ausdrücklich auch „Pflücken erlaubt“. Kosack gilt als Initiator des Projektes „Essbare Stadt“, das mittlerweile viele Nachahmer im In- und Ausland gefunden hat.

Für Lutz Kosack, der seine wissenschaftliche Ausbildung vor über 15 Jahren an der Universität Bayreuth begonnen hat, ist es ein ökologisches, ökonomisches und soziales Projekt zugleich. Die Aufenthaltsqualität in der Stadt sollte sich verbessern, das Projekt sollte die verschiedensten Generationen ansprechen, Menschen sollten verstehen, was Biodiversität bedeutet: „Welcher Stadtbewohner weiß heute noch, wie man Kartoffeln erntet?“

„Wir wollten einfach Obst und Gemüse mitten in der Stadt anpflanzen“, beschreibt Kosack seine ursprüngliche Idee. Auch Präsidentengattin Michelle Obama gärtnere öffentlich und das Thema urbane Landwirtschaft („Urban agriculture“) erfahre einen Riesenhype bis dahin, dass Zeitschriften wie „Landlust“ mittlerweile eine höhere Auflage hätten als der Spiegel und sich Gartenbücher besser verkaufen als Reiseführer. „Auf dieser Welle reiten wir mit“, erläutert Kosack die Ursache für den Erfolg des Projektes. Die Welt werde immer komplexer und sei immer schwieriger zu verstehen, da bekommen einfache Dinge wie das Gärtnern wieder eine ganz andere Bedeutung.

Also habe er gezielt nach Freiflächen gesucht und mit dem Pflanzen und Säen begonnen, 2010 Tomaten, 2011 Bohnen, und so weiter. „Es war ein richtiger Prozess, der sich immer mehr aufgeschaukelt hat, bis hin zu Quitten, Granatäpfeln, Mangold oder Grünkohl.“ Neueste Errungenschaft seien einige Hühner im Stadtgraben und vier Schafe auf einer öffentlichen, umzäunten Wiese.

Erstaunlich sei es, dass es kaum Vandalismus gebe, selbst pinkelnde Hunde seien selten. „Wahrscheinlich haben die meisten Menschen doch noch Respekt vor Lebensmitteln“, sagt Kosack. Längst seien die entsprechenden Flächen echte Begegnungsstätten. Mittlerweile würden Langzeitarbeitslose in den öffentlichen Gärten beschäftigt und auch hier sei ein riesiges Engagement zu beobachten. Manche kämen sogar in ihrer Freizeit, nur um zu gießen.

Anfangs seien es vor allem Hartz-IV-Empfänger gewesen, die sich mal eine Zucchini nahmen. Mittlerweile sei es schick geworden, Obst und Gemüse aus Andernach zu pflücken und zu verarbeiten. Daraus erwächst mittlerweile aber auch ein Problem: Vieles werde zu früh geerntet. Deshalb habe Kosack mittlerweile kleine Schildchen in Form einer Ernteampel angebracht: rot heißt noch nicht reif, gelb bedeutet, „bitte nur bei großem Hunger pflücken“, und grün heißt reif.

„Die Nachfrage ist riesig“, sagt Kosack, über 400 Städte hätten sich bereits vor Ort erkundigt. Sogar der Spiegel habe ganzseitige Reportagen gebracht. RTL und SAT 1 hätte schon mehrfach berichtet, der WDR habe Liveschaltungen veranstaltet und jüngst sei sogar das russische Fernsehen in Andernach gewesen. „Das ist Stadtmarketing, wie wir es wohl gar nicht hätten bezahlen können“, so Kosack.

Was das Beste ist. Die Stadt spart damit auch noch Geld. Untersuchungen hätten ergeben, dass die Anlage von Wechselstaudenbeeten rund 58 Euro pro Quadratmeter und Jahr kostet, hohe Beetstauden immer noch knapp 22 Euro, Wildstauden dagegen nur 11,73 Euro pro Quadratmeter und Jahr. Das bedeute, die Stadt könne bei 1000 Quadratmetern weit über 40000 Euro im Jahr sparen.

Zu den Nachahmern gehören wohl bald auch Studenten der Bayreuther Geoökologie. Sie wollen im Stadtteil Hammerstatt, unmittelbar an der Grenze zur Landesgartenschau 2016 Beete, Hochbeete und eine Kräuterspirale zum Gärtnern für jedermann anlegen. Bereits in Kürze sollen dazu ein Verein gegründet und erste Bodenbearbeitungsmaßnahmen durchgeführt werden, so die beiden Sprecher Catherine Bogs und Christopher Riller. Die Fläche stelle der Bauverein Bayreuth kostenlos zur Verfügung, nun gelte es nur noch genug Menschen für die Idee zu begeistern. Wie meistens bei neuen Dingen verlief der Start erst einmal schleppend. Obwohl über 2000 Einladungen an Anwohner verteilt wurden, seien nur 27 Personen zu einer ersten Infoveranstaltung erschienen.

Bild: Er gilt als Vater des Projektes „Essbare Stadt“: Lutz Kosack, der in Bayreuth seine wissenschaftliche Ausbildung begonnen hatte und der heute in Andernach in der Stadtverwaltung tätig ist.

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24.02.2015

Kraft aus der Region: Ländliche Regionen profitieren von der Energiewende/ BN: Oberfranken ist Vorzeigeregion für regenerative Energien – Kritik an Flächenfraß und Ortsumfahrungen

Bayreuth. Die Rettung der Energiewende, das war der Schwerpunkt in der Arbeit des Bund Naturschutz während des zurückliegenden Jahres. Bei einer Bilanz am Dienstag in Bayreuth bedauerte der Landesbeauftragte Richard Mergner (Bild links), dass die Energiewende mittlerweile von der Debatte um die Stromleitungen überlagert wird.

Weil auch beim BN noch nicht ganz klar ist, ob die neuen Stromtrassen überhaupt gebraucht werden, begrüßte Mergner das Moratorium von Ministerpräsident Horst Seehofer, „auch wenn es aus anderen Gründen zustande gekommen ist“. Trotzdem ist auch beim BN von „unnötigen Stromautobahnen“ die Rede. Viele Kreisverbände hätten sich deshalb intensiv am Widerstand gegen die geplante Gleichstromleitung durch den Regierungsbezirk beteiligt. Ein Thema, das den BN auch 2015 intensiv fordern wird glaubt Mergner. Zumindest genauso wichtig sei es aber, auf regionale Energiekonzepte und auf Energiesparen zu setzen.

Im Moment überwiege deshalb auch die Frustration, weil die große Koalition weiterhin auf zentrale Großkraftwerke setzt, anstatt auf die „Kraft aus der Region“. Kritik übte Mergner auch an der 10H-Abstandsregelung, die für massive Verunsicherung bei allen Beteiligten gesorgt habe. „Wir appellieren deshalb an die Kommunen, neue Windkraftstandorte auszuweisen“, so Mergner. Noch sei die Energiewende lange nicht vollzogen, noch immer seien neun Atomkraftwerke am Netz. Soll heißen: Weitere Windkraftanlagen werden dringen notwendig sein, auch wenn Oberfranken gemessen an der Zahl der Anlagen bereits bayernweit nach Unterfranken an zweiter Stelle steht.

Vielleicht weltweit, zumindest aber europaweit an erster Stelle steht Oberfranken dagegen als Vorzeigeregion für regenerative Energien. „Es gibt keine Region, in der es so viele Bioenergiedörfer gibt, wie im Frankenwald“, sagte der für Oberfranken zuständige BN-Regionalreferent Tom Konopka (Bild rechts). Bioenergiedörfer, wie Gundlitz, Gössersdorf oder Effelter zeigten, dass ländliche Regionen die Gewinner der Energiewende sein können.

Reinhard Birkner, Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Bayreuth, ist sich trotzdem sicher, dass die Lichter in Bayern nicht ausgehen werden, auch wenn die Stromtrasse nicht kommt. Seinen Worten zufolge nütze die Trasse lediglich der Versicherungswirtschaft als sichere Geldanlage sowie dem Siemens-Konzern, der dringend eine derartige Referenzleitung im eigenen Land braucht. Birkner: „Ist die Trasse nötig? Wer will sie? Wer zahlt sie? Da sind einfach noch zu viele Fragen offen.“

Als echten Rückschlag bezeichneten Mergner und Konopka, dass sich auch 2014 der Flächenverbrauch in Oberfranken ungebremst fortgesetzt hat. „Und dass, obwohl Oberfranken an Einwohnern verliert“, so Konopka. Landesbeauftragter Mergner machte dabei als Brennpunkt in Oberfranken die Gemeinde Himmelkron im Landkreis Kulmbach aus. Mergner sprach wörtlich von einem „gewaltigen Verhau in der Talaue“, und kritisierte, dass jetzt auch noch ein XXL-Möbelhaus und ein weiteres Schnellrestaurant dort angesiedelt werden sollen. Der BN appellierte deshalb an Heimatminister Markus Söder, keine Ausnahmen in der Regional- und Landesplanung zuzulassen. „Sonst wird der Heimatminister schnell zum Heimatzerstörungsminister“, so Mergner.

Zum Flächenverbrauch gehören auch die zahlreichen geplanten Ortsumfahrungen in Oberfranken. Im Brennpunkt steht dabei die Ortsumfahrung von Kauerndorf und Untersteinach an der Bundesstraße B289. Vor dem Hintergrund geschätzter Baukosten in Höhe von 180 Millionen Euro sprach Mergner von „Luftschlossplanungen“, von denen man sich endlich verabschieden sollte. Der BN habe stattdessen schon seit Jahren eine günstige Alternative zur bestehenden Bahnstrecke vorgeschlagen. Kurzfristige Verbesserungen könnten auch verschiedene Maßnahmen an der bestehenden Straße, etwa eine Verengung in der Talsenke von Untersteinach, bringen. Mergner glaubt nicht, dass die Umfahrung tatsächlich noch einmal Wirklichkeit werden könnte. Sie wird wohl so lange nach hinten rutschen, bis eine kostengünstige Lösung realisiert wird.

Als Riesenerfolg feiert der Bund Naturschutz die Ausweisung von 775 Hektar alter Buchenwälder im Steigerwald als geschützter Landschaftsbestandteil durch den früheren Bamberger Landrat und oberfränkischen Bezirkstagspräsidenten Günther Denzler. Ihm sei es zu verdanken, dass sich die Nationalparkgegner im Steigerwald nicht durchsetzen werden. Ob die Staatsregierung mit ihrem Versuch Erfolg hat, die Schutzgebietsausweisung durch eine „Lex Steigerwald“ zurückzudrehen, werde sich zeigen. „Wir werden notfalls vor Gericht ziehen, um das zu verhindern, so Mergner

Der Bund Naturschutz hat in Oberfranken neun Kreis- und rund 200 Ortsgruppen mit zusammen knapp 17000 Mitgliedern.

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05.09.2014

„Karpfen statt Käpt´n Iglo“ / Warmer Winter, kalter Sommer: Karpfenernte fällt heuer schlechter aus - Karpfensaison 2014 im Landkreis Wunsiedel eröffnet

Thierstein. Die Karpfenernte 2014 fällt etwas schlechter aus als in den zurückliegenden Jahren. „Vom Wachstum her ist es tatsächlich etwas weniger“, sagt Alfred Rippl (59) aus dem Nachbarort Thiersheim. Rippl ist Teichwirt im Nebenerwerb und bewirtschaftet nahe der Autobahn A93 im Landkreis Wunsiedel rund eineinhalb Hektar Wasserfläche verteilt auf neun kleine Teiche.

Für Alfred Rippl ist der Rückgang allerdings eine normale Schwankung, gerade hier im Fichtelgebirge, wo die Teiche teilweise noch im April Eis tragen. Rippls Behauptung wird aber auch von vielen anderen Experten bestätigt: Vor allem der warme Winter und das trockene Frühjahr hätten den Teichwirten die Arbeit erschwert, heißt es aus dem Landwirtschaftsministerium.

Rund 1000 Tonnen Karpfen werden in Oberfranken im Durchschnitt pro Jahr produziert und auch konsumiert, so Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler. In diesem Jahr seien waren der trockene Frühsommer und im Anschluss der relativ kalte Sommer eine Herausforderung für jeden Teichwirt gewesen. Denzler zufolge rechneten die oberfränkischen Teichwirte aufgrund der ungünstigen Bedingungen mit einem Rückgang von rund 20 Prozent, also nur mit 800 Tonnen bei der diesjährigen Karpfenernte. Denzler: „Wir werden sehen, wie die Zahlen am Ende der Saison dann aussehen.“

Die Karpfenteichwirtschaft gilt in Oberfranken als Sonderkultur der Landwirtschaft. Die meisten der fast 1000 Teichwirte wirtschaften wie Alfred Rippl im Zu- oder Nebenerwerb. Anfang September, wenn die Monate mit dem Buchstaben „r“ wieder im Kalender auftauchen, veranstaltet die Teichgenossenschaft Oberfranken immer zusammen mit dem Bezirk und anderen Partnern die Eröffnung der Karpfensaison. „Wir möchten damit auf die große Bedeutung der oberfränkischen Karpfenteichwirtschaft hinweisen und den bayerischen Karpfen noch ein Stück weit mehr nach vorne bringen“, sagt der Vorsitzende Dr. Peter Thoma aus Wunsiedel.  

Bewusst hatten sich die verantwortlichen dazu heuer eine Teichanlage im Landkreis Wunsiedel ausgesucht. Hier im Wunsiedler Becken habe die Karpfenzucht eine jahrhundertealte Tradition, maßgeblich geprägt seit dem frühen Mittelalter durch die nahe liegende Zisterzienserabtei in Waldsassen, so der Vorsitzende: „Die naturräumlichen Gegebenheiten sind für die Karpfenproduktion einfach hervorragend.“

Einen klaren Vorteil hat der geringfügige Rückgang bei der Karpfenernte: die Qualität ist noch besser als in den Vorjahren, denn schwierige Witterungsbedingungen haben für ein langsames Wachstum der Fische gesorgt, das Fleisch ist deshalb fest und schmackhaft und kann vor allem vielfältig verwendet werden, etwa als klassischer „Karpfen blau“, als bequemes, weil praktisch grätenfreies gebackenes Karpfenfilet oder mal anders als gebratener Karpfen mit Paprikastreifen. Auch die verschiedensten Salatvariationen vom gebeiztem Karpfen sind möglich.

Die Genussregion Oberfranken wäre ohne den Karpfen undenkbar, sagte Hans Peter Friedrich, Hofer Bundestagsabgeordnete und Ex-Bundeslandwirtschaftsminister, der die Karpfensaison in seinem Stimmkreis eröffnete. Ein klares Bekenntnis zur regionalen Erzeugung legte Landtagsvizepräsident Peter Meyer ab: ganz im Gegensatz zum heimischen Karpfen wisse beim Pangasius aus Fernost niemand so genau, wo er herkommt und womit er gefüttert wurde. Karpfen aus Oberfranken hätten außerdem die deutlich bessere Ökobilanz, so Regierungsvizepräsidentin Petra Platzgummer-Martin.

Der stellvertretende Wunsiedler Landrat Gerald Schade rief dazu auf, weiter am Image des Karpfens zu arbeiten. „Bei der Forelle klappt es, beim Karpfen noch nicht“, sagte er und mit Blick auf eine junge Zielgruppe meinte er: „Unser Ziel sollte es sein, dass der Karpfen Käpt´n Iglo besiegt.“ Damit die Teichwirte auch weiterhin ökonomisch wirtschaften können, sei aber auch Augenmaß beim Naturschutz gefragt: „Unser Ziel ist es, die Gewässer für den Menschen zu schützen“, so Benno Strehler vom Wasserwirtschaftsamt in Hof.

In Oberfranken hat die Teichwirtschaft vor allem auch eine große wasserwirtschaftliche Bedeutung. Die Teiche werden im Frühjahr gefüllt und in der Regel im Herbst wieder abgelassen. So können sie als kleinräumige Wasserspeicher in der Fläche wirken und damit ganz bedeutend zur Grundwasserneubildung beitragen.

Bilder:
1. Sie eröffneten die Karpfensaison in Oberfranken (von links): Thomas Speyerl vom Bezirk, Präsident Günther Denzler, Landtagsvizepräsident Peter Meyer, der stellvertretende Wunsiedler Landrat Gerald Schade, Regierungsvizepräsidentin Petra Platzgummer-Martin, die Bezirksräte Eberhard Siller und Henry Schramm, der VBB-Vizepräsident Günter Gabsteiger, Ex-Landwirtschaftsminister  Hans-Peter Friedrich und der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Peter Thoma.
2. Mit dem Abfischen der Teiche von Alfred Rippl in Thierstein wurde die Karpfensaison 2014/2015 eröffnet.
3. Teichwirtschaft live erleben, das konnten zahlreiche Interessierte bei der Eröffnung der Karpfensaison in Thierstein im Fichtelgebirge.

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16.07.2014

Teichwirtschaft seit über sechs Jahrhunderten: Mit dem Schlossweiher in Aufseß tragen 16 Teiche in Oberfranken das Prädikat „Kulturgut Teich“

Aufseß. Teiche sind nicht nur Landschaftsbestandteile, sondern auch wertvolle Kulturgüter. Das stellt die Teichgenossenschaft Oberfranken zusammen mit dem Bezirk seit 16 Jahren eindrucksvoll unter Beweis. Mit dem Schlossweiher in Aufseß (Landkreis Bayreuth), der eigentlich „Ecken-Weiher“ heißt, erhielt diesmal ein Gewässer in der Fränkischen Schweiz das seltene Prädikat „Kulturgut Teich“. Besitzer ist Eckart von und zu Aufseß, Pächter und Bewirtschafter ist der Bezirk Oberfranken, das Areal gehört zur Lehranstalt für Fischerei.

Die Geschichte des Schloßweihers lässt sich bis in das Jahr 1385 zurückverfolgen. Deshalb, und weil der Teich seitdem ein fester Bestandteil des Landschaftsbildes ist und viel zum Erhalt der Artenvielfalt beiträgt, werden Wanderer und Spaziergänger künftig mit einer großen Informationstafel auf die reichhaltige Geschichte des Gewässers und seiner Umgebung aufmerksam gemacht.

Neben der prägenden Bedeutung für die Landschaft, der Bewirtschaftung und der belegten Historie müsse ein ausgezeichneter Teich auch eine besondere ökologische Bedeutung haben, so Dr. Peter Thoma, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken aus Wunsiedel. Viele Teiche hätten einen hohen kulturellen Wert, sagte der oberfränkische Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler bei der Enthüllung der neuen Informationstafel. Bereits um 1400 hätten die Bamberger Bischöfe eigene „Seemeister“ beschäftigt. Sie hatten die Aufgabe, sich um die Gewässer in der Region zu kümmern. Dies zeige eindrucksvoll auf, dass Fisch schon im Mittelalter ein begehrtes und geschätztes Lebensmittel gewesen sei.

Der Schlossweiher in Aufseß, der eigentlich „Ecken-Weiher“ heißt, von den Einheimischen „Unterer Weiher“ genannt wird und bei den Beschäftigten der Lehranstalt „Großer Weiher“ heißt, ist seit seiner ersten urkundlichen Erwähnung  1385 im Besitz der Familie von und zu Aufseß und wird seitdem beinahe ununterbrochen bewirtschaftet. Eine einzige Zäsur gab es in den Nachkriegsjahren, als der Teich mehr und mehr verlandete und die bestehenden Bruthäuser verfallen waren. Erst Ende der 1960er Jahre nahm Eckart von und zu Aufseß die Fischerei wieder auf.

Der Weiher habe damals wie ein Feld mit vielen nassen Stellen ausgesehen, erinnerte sich Eckart von und zu Aufseß. Er selbst habe die Fischerei wieder aufleben lassen, die Bewirtschaftung übernommen und große Pläne gehabt. Allerdings hab er schnell einsehen müssen, dass er kein Fachmann ist, und so sei das Angebot des Bezirks Oberfranken im Jahr 1980 gerade recht gekommen, auf dem Gelände eine Lehranstalt für Fischerei zu errichten. „Somit ist die gesamte Teichanlage ein echtes Juwel geblieben“, freute sich Eckart von und zu Aufseß.

Heute gilt der Schloßweiher als sommerwarmer Karpfenteich, in dem auch Schleien, Rotaugen, Rotfedern und die selten gewordenen Karauschen zu Hause sind. Drumherum haben viele Amphibien einen wertvollen Lebensraum gefunden. Eingebettet ist der Weiher in die Lehranstalt für Fischerei, die sich als weit über die Grenzen Oberfrankens hinaus bedeutende Aus- und Weiterbildungsstätte für Fischer und Teichwirte versteht, die sich mit ihrem Kurs- und Informationsangebot aber auch an eine breite Öffentlichkeit wendet. Die Lehranstalt dient zudem als kompetentes Zentrum in allen Fragen der Fischzucht und des Fischartenschutzes.

Bilder: Der oberfränkische Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler (rechts), Besitzer Eckart von und zu Aufseß (Mitte) und der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Dr. Peter Thoma haben am Ufer des Schloßweihers („Ecken-Weihers“) in Aufseß eine Informationstafel enthüllt, die das Gewässer künftig als Kulturgut ausweist.

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29.06.2014

Insel der Ruhe in lärmender Gesellschaft / Frankenwald- und regionaler Waldbesitzertag in Schwarzenbach am Wald

Schwarzenbach am Wald, Lks. Hof. „Wir brauchen die Technik ganz dringend“, widersprach Josef Spann, Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, den beiden Geistlichen Pfarrer Jens Güntzel und Pastoralreferent Herbert Punzelt aus Schwarzenbach am Wald. Beide hatten in ihrer ökumenischen Andacht zu Beginn des Waldbesitzertages Kritik am vermeintlich übermäßigen Technikeinsatz in den Wäldern geübt.

Der Wald sei zwar eine wichtige Konstante in einer sich rasant verändernden Gesellschaft. Doch ähnlich wie in der Landwirtschaft könne man auch in der Forstwirtschaft heute nicht mehr mit der Technik aus vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten arbeiten. Im Gegenteil: „Moderne Technik vereinfacht die Tätigkeit der Waldarbeiter und sorgt für deren Sicherheit“, sagt Spann.

Es ist schon ist es eine kleine Tradition, wenn das Holzforum Schwarzenbach am Wald zusammen mit der Stadt, den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Münchberg und Kulmbach, der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) sowie dem Cluster Forst und Holz in Bayern zum mittlerweile 4. Frankenwaldtag und zugleich zum 4. Regionalen Waldbesitzertag aufgerufen hat.

Der Tag in Bayerns waldreichster Gegend ist den rund 700000 Waldbesitzer in Bayern gewidmet, die ihr eigenes Stück Wald bewirtschaften und damit einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft und zur Stärkung des ländlichen Raumes leisten. Klimawandel, neue Forsttechniken und gesamtwirtschaftliche Entwicklungen heißen die Herausforderungen, bei denen der Waldbesitzer Orientierung und fachliche Unterstützung braucht. All das war diesmal auch wieder in Schwarzenbach am Wald zu finden.

Hier gab es ein großes „Waldforum“, einen Ausstellungsbereich mit Messecharakter und einen „Waldparcours“. Viele der angekündigten Vorführungen mussten diesmal allerdings dem schlechten Wetter geopfert werden. Ein Schwerpunkt war die Warnung vor den erheblichen Unfallrisiken, die der Wald bietet. Moderne Holzernteverfahren und sichere Arbeitsweisen können diese Gefährdungen minimieren, wie ein Spannungssimulator, ein Fixlängenkatapult und ein Helmtester eindrucksvoll veranschaulichten. Bloß gut, dass dabei nur eine Melone und kein echter Kopf zu Schaden kam. Jeder der die Vorführung live gesehen hat, wird künftig bei den Forstarbeitern im Wald nicht mehr leichtsinnig auf den Helm verzichten. Die Vorführungen der Sozialversicherung SVLFG fanden auf jeden Fall immer ihr interessiertes Publikum.

Nirgends anders sei Ökologie, Ertrag und Erholung auf einer einzigen Fläche möglich“, so Waldbesitzerpräsident Josef Spann. Wer könnte sich rühmen, dabei auch noch so kostbare Nebenprodukte wie Sauerstoff und Trinkwasser zu haben. Deshalb benötige die Forstwirtschaft auch mehr Verständnis gerade aus den Reihen der Stadtbevölkerung, denn sie könne auf über 300 Jahre Nachhaltigkeit verweisen.

Vom Wald als „Insel der Ruhe in einer lärmenden Gesellschaft“ sprach der Schirmherr, Ex-Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich, der aus der Nachbarstadt Naila kommt. Waldbesitzer sollen ihre Verantwortung auch weiterhin individuell wahrnehmen können, sagte der ehemalige Minister und weiter: „Wer Eigentum hat und es verantwortlich nutzt, der verdient auch, dass er vom Staat unterstützt wird und dass ihm andere nicht hineinreden.“ Und noch ein Argument für den Wald hatte Friedrich parat: „Wer heute ein Stück Wald aufforstet, der weiß, dass er selbst davon nicht mehr profitieren wird, sondern vielmehr seine Kinder und Enkel.“ Wald bedeute deshalb auch Verantwortung weit über die eigene Generation hinaus.

Der Frankenwald- und Waldbesitzertag erfuhr durch die Anwesenheit gleich dreier „Königinnen“ eine ganz besondere Aufwertung. Neben der Bayerischen Waldkönigin Isabella Wimmer, was auch die neue Bayerische Bierkönigin Tina-Christin Rüger und die Hochfrankenkönigin Katharina Fuchs anwesend. Ebenso zu den prominenten Gästen gehörte Hans Carl von Carlowitz, dargestellt von dem Schauspieler Peter Kampschulte vom Theater Hof. Der sächsische Bergrat Carlowitz verfasste vor über 300 Jahren das erste geschlossene Werk über die Forstwirtschaft und gilt als wesentlicher Schöpfer des forstlichen Nachhaltigkeitsbegriffs.

Bilder:

1. Ohne schweres Gerät geht es im Forst kaum noch. Wofür die Technik gut ist, konnten die Besucher beim Waldtag in Schwarzenbach sehen.

2. Über alles Wissenswerte rund um denn Wald informierte die Bayerische Forstverwaltung an einem aufwändig gestaltetem Messestand.

3. Spannende Vorführungen über die Sicherheit bei Waldarbeiten gab es am Stand der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG).

4. Die Bayerischen Waldkönigin Isabella Wimmer, Peter Kampschulte als Hans Carl von Carlowitz, Hochfrankenkönigin Katharina Fuchs, der frühere Landwirtschaftsminister Hans Peter Friedrich, die neue Bayerische Bierkönigin Tina-Christin Rüger, Josef Spann, der Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes und Bürgermeister Dieter Frank (von links).

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02.05.2014

Fränkische Forellen statt Fisch aus Fernost / Karpfen und Saiblinge als Alternative zu Bratwürsten und Steaks: Teichgenossenschaft eröffnete oberfränkische Fischgrillsaison

Coburg. King Prawns aus Malaysia und Pangasius aus Thailand: das muss nicht sein, meinen die 2000 oberfränkischen Teichwirte, von denen rund 900 in der Teichgenossenschaft organisiert sind. Sie setzen stattdessen auf heimische Forellen, Karpfen, Saiblinge, Hechte, Waller oder Zander. In den kommenden Monaten soll der Fisch aus heimischen Gewässern vor allem auch auf den Grill, denn, so der oberfränkische Bezirkstagspräsident Günther Denzler: „Feinschmecker wissen es schon lange, dass sich nicht nur Bratwürste und Steaks, sondern auch Fisch aus heimischen Gewässern als hervorragendes Grillgut eignen.

Fisch als Grillgut erleben, das ist auch die Absicht der Teichgenossenschaft Oberfranken, die seit einigen Jahren zusammen mit dem Bezirk und seiner Fischereifachberatung sowie dem Hotel- und Gaststättenverband werbewirksam die Fischgrillsaison eröffnet. Fisch aus Fernost werde häufig chemisch aufbereitet, damit er frisch wirkt. Doch damit nicht genug: Fisch aus Fernost bedeute meist auch das Heranwachsen unter industriellen Bedingungen, den Schutz vor Krankheitserregern mit Antibiotika und einen extrem langen Transportweg. Bei heimischen Fischen sei dies alles nicht notwendig, denn sie kommen vom Teichwirt von nebenan, so Peter Thoma, Vorsitzender der Teichgenossenschaft.

Diese leistungsfähigen Fischbetriebe sind es, die hervorragende Delikatessen erzeugen, so Bezirkstagspräsident Günter Denzler. Einer davon, der seinen Betrieb sogar im Vollerwerb erwirtschaftet, ist Kurt Werner Human, Chef der Fischzucht Lautertal nördlich von Coburg. Von seinem Betrieb stammten die Forellen und Karpfen, aus denen Günther Bräutigam und sein Team vom Restaurant Rosengarten in Coburg die Grillteller mit Sahnemeerrettich und verschiedenen Beilagen zur Eröffnung der Fischgrillsaison zubereitet hat.

Immer mehr Menschen möchten bewusster leben und essen, da sei die Bedeutung des heimischen Fisches gar nicht hoch genug einzuschätzen, so Denzler. Fisch sei verdaulich, eiweißreich und fettarm. Nicht zuletzt werde durch den Verzehr von heimischen Fischspezialitäten auch die regionale Teichwirtschaft gestärkt und ein nicht zu unterschätzender Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt in den Gewässern geleistet.

„Aus der Region, für die Region“, so funktioniert Nachhaltigkeit, meinte der örtliche Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach. Die Teichwirte würden stets aufs Neue beweisen, dass das Gute so nah liegt, und dass das Ferne nicht unbedingt das Bessere sein muss. Teichwirtschaft habe auch immer mit Lebensqualität zu tun, so Landtagsabgeordneter Jürgen W. Heike. Er warnte vor Auswirkungen eines rigorosen Naturschutzstreifens entlang des „Grünen Bandes“ an der ehemaligen Zonengrenze, der die Teichwirte besonders treffen würde. „Naturschutz ja, aber bitte mit Augenmaß und Ziel“, so Heike.

Bild: Fisch als Grillgut wiederentdecken, dafür warben (von links) Thomas Speyerl von der Fachberatung für Fischerei des Bezirks, Kurt Werner Humann, Günther Bräutigam, Helmut Wedekind von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Peter Thoma aus Wunsiedel, Friedrich Schmauser vom Bezirksfischereiverband, der Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach, Bezirkstagspräsident Günther Denzler und der Landtagsabgeordnete Jürgen W. Heike.

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19.11.2013

Besser zu trocken als zu kalt
Bayerische Bäume zum Weihnachtsfest: Preise bleiben auf Vorjahresniveau

Oberalbach, Lks. Erlangen-Höchstadt. Vier Millionen Christbäume werden pro Jahr in Bayern benötigt, doch nur die Hälfte stammt auch aus dem Freistaat. Da ist noch einiges an Überzeugungsarbeit notwendig, um die Verbraucher auf die heimischen Bäume hinzuweisen. Ein Teil dieser Überzeugungsarbeit ist die alljährliche werbewirksame Eröffnung der bayerischen Christbaumsaison, diesmal mitten in den riesigen Christbaumkulturen des Betriebs Rippel-Beßler im mittelfränkischen Oberalbach bei Wachenroth.

Obwohl Landwirtschaftsminister Helmut Brunner eigentlich nichts anderes macht, als eine knapp zwei Meter hohe Tanne umzusägen, was keine 20 Sekunden dauert, kommen Medienvertreter in Scharen, um von dem Ereignis zu berichten. Eine gute Gelegenheit, die Werbetrommel für die bayerischen Bäume zu rühren, meint auch die frischgekürte Deutsche Weihnachtsbaumkönigin Katharina Püning, die extra aus Everswinkel im Sauerland angereist war.

Thomas Emslander, Vorsitzender des Vereins der Bayerischen Christbaumanbauer aus Ergolding, lobt die spezielle Nadelhaltbarkeit heimischer Bäume, die während einer Mondphase gefällt werden. Bäume, die erst kurz vor dem Fest geschnitten werden, müssten nicht zwangsläufig auch am längsten halten, so Emslander. Er sprach von einem guten Jahr für die Christbaumanbauer, vor allem, weil es keine Spätfröste gegeben habe. Spätfröste seien das Schlimmste für Christbäume, Trockenheit sei dagegen kein großes Problem, das halte der Baum meist besser aus als der Mensch.

Ihm gehe es vor allem darum, ein regionales Produkt in den Vordergrund zu stellen, sagte Minister Brunner. Produkte aus der Region stünden für kurze Transportwege („wir kutschieren die Bäume nicht durch halb Europa“), aber auch für eine lokale Wertschöpfung, die im Falle des Weihnachtsbaums bis hin zur Kompostierung oder thermischen Verwertung nach dem Fest reicht. „Wirtschaft und Umwelt profitieren gleichermaßen, das ist beim Christbaum nicht anders als bei Milch, Käse oder Fleisch.“

Brunner zufolge entscheiden sich fast drei Viertel aller Verbraucher in Bayern für eine Nordmanntanne, gefolgt von der Blaufichte. Aber auch Exoten, wie etwa die Korktanne seien auf dem Vormarsch. Nicht ganz so der Renner sei dagegen die heimische Tanne. Gute Nachrichten für den Verbraucher hatte der Minister auch im Gepäck: so sollen die Endpreise stabil bei 18 bis 22 Euro pro Meter bleiben.

Am Rande der Christbaumsaisoneröffnung verriet der Minister auch, dass er privat bereits den Trend zum Zweitbaum aufgegriffen habe. Ein Baum soll ab dem Heiligen Abend im Wohnzimmer stehen, ein zweiter wird rechtzeitig zum ersten Advent im Freien an der Eingangstür seinen Platz finden.

Der Betrieb Rippel und Beßler betreibt eine Weihnachtsbaumkultur, die fast 200 Hektar groß ist. In der Saison beschäftigt der Betrieb 35 Mitarbeiter, während des Jahres gibt es sieben feste Vollzeit und zwei Teilzeitarbeitskräfte.

Bilder:
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Landwirtschaftsminister Helmut Brunner und die deutsche Weihnachtsbaumkönigin Katharina Püning aus Everswinkel
- Banderole „Bayerischer Christbaum“

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Der Vorsitzende des Vereins Bayerischer Christbaumanbauer Thomas Emslander, Landwirtschaftsminister Helmut Brunner und Landrat Eberhard Irlinger (von links).

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27.09.2013

Landesgartenschau Bayreuth 2016: „Imagegewinn für die gesamte Region“ / Erster Spatenstich für grünes Großprojekt in Oberer Mainaue

Bayreuth. „Hier soll erlebbar werden, wie sich der wichtigste Wasserlauf Frankens aus seinen Ursprüngen heraus entwickelt.“ Roland Albert, Präsident des bayerischen Gärtnereiverbandes und zugleich Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Gartenschauen in Bayern nennt eines der Ziele der Landesgartenschau Bayreuth 2016. Mit dem ersten Spatenstich durch Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe und den bayerischen Umweltminister Marcel Huber auf dem Gelände des künftigen Auensees wird das Projekt auch endlich sichtbar in der Stadt, die so lange um die Gartenschau gekämpft hat.

Drei Mal hatte sich die Stadt beworben, zuletzt 2009. Damals bekam Bayreuth den Zuschlag unter anderem für das Konzept, die Innenstadt mit den Stadtteilen St. Georgen und Hammerstatt, und diese wiederum mit dem markgräflichen Park der Eremitage zu verbinden. „Die Landesgartenschau wird vieles verändern“, sagte Oberbürgermeisterin Brigitte Merk. Sie verspricht sich vor allem einen Attraktivitätssprung für die Stadt, einen Imagegewinn für die gesamte Region, aber auch einen Schub für Wirtschaft und Tourismus.

Auf dem 45 Hektar großen Areal, das grob eingeordnet zwischen dem Flusslauf des Roten Mains, der Friedrich-Ebert-Straße, der Äußeren Badstraße und der Bundesautobahn A9 liegt, soll ein großer Naherholungspark entstehen. Das Konzept sieht für das derzeit noch landwirtschaftlich genutzte Gelände vor allem ein naturnahes Pflanz- und Vegetationskonzept vor. Zu den Planungen gehören unter anderem die ökologische Umgestaltung des Roten Mains, ein barrierefreier Rundweg und jede Menge neue Spielplätze für Kinder. Auch der zwei Hektar große Auensee östlich des Mains mit Kiesstränden und großem Uferrundweg war von Anfang an Kernstück der Planungen. Gleichzeitig wird durch den Umbau und die Renaturierung des Mains eine ökologische, naturnahe Aue hergestellt.

Mit der Landesgartenschau könne sich Bayreuth auf einen wahren Publikumsmagneten freuen, sagte Umweltminister Marcel Huber. Seit der ersten Landesgartenschau in Bayern im Jahr 1980 seien bereits über 20 Millionen Menschen gezählt worden. Mit Landesgartenschauen lasse sich vielen bewegen, meinte Huber und sprach von zusammen fast 400 Hektar neu geschaffenen Grünflächen während der zurückliegenden 30 Jahre

Die Vegetation könne sich auf den Flächen auf natürliche Weise entwickeln, artenreiche Wiesen können entstehen, so der Minister Eine intakte Natur in der Stadt sei für die Lebensqualität der Bürger ebenso wichtig wie für die biologische Vielfalt. Funktionierende Ökosysteme in der Stadt nannte der Minister den Schlüssel für eine hohe Lebensqualität. Huber: „Die Stadt der Zukunft setzt auf die Natur.“ In Zeiten des Klimawandels seien grüne Flächen wertvoller denn je. Entlang des Roten Mains sei außerdem auch ein Auenlehrpfad mit vielfältigen Informationen zu Natur und Landschaft vorgesehen

Die große Bedeutung der Bayreuther Landesgartenschau im Jahr 2016 für die Ferienregionen Fichtelgebirge und Fränkische Schweiz sprach Bayreuths Landrat Hermann Hübner beim Spatenstich an. Die gesamte Region werde von dem grünen Großprojekt profitieren. Dabei stünden nicht nur Ausflügler und Urlauber im Focus der Gartenschauplaner, sondern vor allem auch die Einheimischen, die das innerstädtische Naherholungsgebiet in der oberen Mainaue eine große Steigerung ihrer Lebensqualität werden soll.

Die Kosten für die Landesgartenschau bezifferte Umweltminister Marcel Huber auf rund 9,5 Millionen Euro, mit 3,6 Millionen Euro werde sich sein Ministerium an den Kosten beteiligen. Eröffnet werden soll die nach Bamberg, Hof, Kronach und Marktredwitz fünfte Landesgartenschau in Oberfranken am 22. April 2016.

Bilder:
- Mit einem symbolischen Spatenstich haben Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, der bayerische Umweltminister Marcel Huber (3. und 4 von rechts) sowie Planer, Bauverantwortliche und Mandatsträger die Arbeiten zur Landesgartenschau 2016 in Bayreuth offiziell gestartet.

- Dieses Gelände auf dem ein zwei Hektar großer See entstehen soll wird in rund zweieinhalb Jahren das Herzstück der Landesgartenschau Bayreuth 2016 sein.

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02.09.2013

Teichwirtschaft mit Technik und Tradition /
Bayerische Karpfensaison in Oberfranken eröffnet

Thüngfeld. Teichwirt Johannes Weiner ist zufrieden. Seine Helfer holen gerade echte Prachtexemplare aus den neuen Teichen in Thüngfeld bei Schlüsselfeld im Landkreis Bamberg. Drei Pfund dürfte so ein Karpfen haben. Kein Wunder, obwohl das Wetter in diesem Jahr absolut zweigeteilt, zuerst kühl und regnerisch, dann sonnig und heiß, war, dauert es doch drei Jahre, bis der Karpfen heranwächst.

Die neuen Teiche der Familie Weiner wurden in diesem Jahr zur offiziellen bayerischen Karpfensaison auserkoren. Weil Landwirtschaftsminister Helmut Brunner kurzfristig krankheitsbedingt absagen musste, nahm Gesundheitsstaatssekretärin Melanie Huml die ersten Exemplare in Augenschein. „Karpfen ist schließlich auch gesund“, sagte die Politikerin. Aber nicht nur das, der Karpfen sei auch das beste Beispiel für ein absolut regionales Produkt, das noch dazu in sämtlichen Variationen immer hervorragend schmeckt. Ein besonders dickes Lob hatte Huml für Teichwirt Johann Weiner parat. Sein Einsatz zeige eindrucksvoll auf, dass sich die Teichwirtschaft nicht nur eine große Tradition hat, sondern dass sie sich auch zeitgemäß unter Einsatz neuester Technik weiterentwickelt und somit eine gute Zukunft haben wird.

Die Anlagen der Familie Weiner mit insgesamt 17 kleinen Teichen auf einer Fläche von sechs Hektar gelten deshalb als außergewöhnlich, weil sie nicht wie sonst üblich schon seit Jahrhunderten bestehen, sondern erst 2003 von Marita und Karl-Heinz Weiner angelegt wurden. Sohn Johannes hat in jüngster Vergangenheit fünf weitere Teiche hinzugefügt. Außergewöhnlich ist die Anlage aber auch deshalb, weil neben Karpfen, Welse und Schleien dank des ausreichenden Zulaufwassers auch Bachforellen und Bachsaiblinge herangezogen werden.

Trotz der ausgesprochen gespaltenen Wetterlage erwartete Franz Geldhauser, der im Landwirtschaftsministerium für die Fischerei zuständig ist, heuer eine leicht überdurchschnittliche Ernte von bayernweit etwa 5500 bis 6000 Tonnen. Oberfranken, Mittelfranken und auch die Oberpfalz gehörten zu den bedeutendsten Erzeugergebieten für bayerische und deutsche Karpfen, sagte Geldhauser. Die hier erzeugte Menge entspreche gut der Hälfte der gesamten deutschen Jahresproduktion. Geldhauser bezifferte die Zahl der bayerischen Teiche auf etwa 30000 Hektar. Das seien rund ein Siebtel der gesamten Wasserfläche im Freistaat.

Der Ministeriumssprecher begrüßte ausdrücklich, dass die fränkischen Regierungsbezirke nach acht Jahren intensiven Ringens endlich die Freigabe der EU-Kommission für die geschützte geographische Angabe „Frankenkarpfen“ erhalten haben. „Es hat sich gelohnt: nun darf sich kein fremder Karpfen mehr als wachechter Franke bezeichnen“, so Geldhauser.

Das sei auch richtig so, denn in Oberfranken würde der Karpfen im Gegensatz zu vielen östlichen Nachbarländern noch dezentral erzeugt, sagte Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Meistens sogar im Nebenerwerb, denn oberfrankenweit gebe es lediglich eine geringe Zahl von Vollerwerbsbetrieben. Denzler machte sich dabei auch für den Bau neuer Teiche stark. „Teichwirte sind keine Gegner des Naturschutzes“, sagte er. Im Gegenteil, Teiche seien Rückhaltebecken für lange Trockenperioden, auch wenn ein Teichbau zunächst einen Eingriff in die Natur darstellt.

Bild: Sie haben die bayerische Karpfensaison in Oberfranken eröffnet (von links): Der Landtagsabgeordnete Heinrich Rudroff, der oberfränkische BBV-Bezirkspräsident Hermann Greiff, Teichwirt Johannes Weiner, der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Dr. Peter Thoma, Staatssekretärin Melanie Huml, der Landtagsabgeordneten Eduard Nöth und Thomas Hacker sowie Bezirkstagspräsident Günther Denzler.

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23.08.2013

Mit der Becherpflanze gegen Vermaisung und Schwarzwild / Jagdverband startete mit dem Landwirt Bernd Dietel ein Pilotprojekt zum Anbau von Energiepflanzen

Münchberg, Lks. Hof. Es könnte für manchen Landwirt die Entwarnung sein: Bei einem Pilotprojekt zum Anbau der Becherpflanze (Silphium perfoliatum) in Münchberg fanden die Initiatoren heraus, dass die Energiepflanze das Schwarzwild nicht so sehr anlockt wie Mais. Sollte sich doch ein Wildschwein in das Becherpflanzenfeld verirren, dann seien längst nicht die Schäden zu beklagen, wie in einem Maisfeld. Landwirt Bernd Dietel aus Gottersdorf bei Münchberg stellte bei einem Ortstermin des oberfränkischen Bezirksverbandes für Gartenbau und Landespflege aber auch klar, dass die Erträge bei der Becherpflanze niedriger ausfallen als beim Mais. „Das lässt sich momentan noch nicht kompensieren“, so seine Einschätzung.

Das Pilotprojekt auf dem rund 1,2 Hektar großen Feld nahe Münchberg unweit der Bundesautobahn A9 im Landkreis Hof war auf ganz kuriose Art und Weise zustande gekommen. Nicht etwa Landwirt Bernd Dietel war der Initiator, sondern der Bayerische Jagdverband in Person seines Bezirksvorsitzenden Professor Hartmut Wunderatsch. Anlass dafür sei die Vermaisung der Landschaft gewesen, wobei er schnell korrigiert, dass er den Mais keinesfalls verdammen möchte. Aber trotzdem sei die Jägerschaft an Alternativen interessiert.

So sei man auf die Familie Dietel gekommen, die ganz in der Nähe eine Biogasanlage betreibt und sich dem Vorhaben aufgeschlossen zeigte. Fast 48000 Pflanzen im Wert von 6300 Euro seien bestellt und mit Hilfe alter Pflanzmaschinen in den Boden eingebracht worden. „Zunächst sah das alles recht kümmerlich aus“, erinnert sich Wunderatsch. Doch dazu müsse man wissen, dass die Pflanze im ersten Jahr keinen Ertrag einbringt. Schon im zweiten Jahr hätten sich die Pflanzen prächtig entwickelt, mittlerweile, im dritten Jahr stehe man kurz vor der Ernte. „Wir gehen davon aus, dass wir noch viele Jahre unsere Freunde daran haben werden.“

Als absolut charakteristisch für die Becherpflanze bezeichnete Wunderatsch neben der schönen dekorativen gelben Blüte die extrem festen Blätter, die sich anfühlen wie Sandpapier. Das könnte auch der Grund dafür sein, dass Schwarzwild eher einen Bogen um das Feld macht. Das glaubt Landwirt Dietel nicht so ganz. Allerdings musste auch er einräumen, dass die Schäden der Wildschweine bei weitem nicht so groß waren, wie in einem benachbarten Maisfeld.

Der Ertrag liege allerdings deutlich unter dem vom Mais, so Dietel. Er war im ersten Jahr auf neun Tonnen Trockenmasse gekommen. Beim Mais seien es auf einer gleichgroßen Fläche in der Nachbarschaft zuletzt 16 Tonnen gewesen. Allerdings sei im vergangenen Jahr auch „absolut sparsam“ gedüngt worden, außerdem sei noch niemandem  so recht klar, wann eigentlich der richtige Erntezeitpunkt ist. Für das laufende Jahr geht der Bewirtschafter von rund zwölf Tonnen Trockenmasse aus.

Die Bezirksvorsitzende des Vereins für Gartenbau und Landespflege, die Bayreuther Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer bezeichnete Landwirt Bernd Dietel als absoluten Trendsetter. Sie bedauerte, dass die Masse der Bauern noch eher skeptisch sei, was aufgrund der höheren Arbeitsintensität und der hohen Kosten für die Pflanzen verständlich sei.

Die Wissenschaft beschäftige sich erst seit dem Jahr 2005 intensiv mit der Becherpflanze, mit Mais dagegen schon seit weit über 50 Jahren, gab Ferdinand Scheithauer von der Erfurter Samen- und Pflanzenzucht GmbH Chrestensen zu bedenken. Die Landwirte sollten schon deshalb die Erwartungshaltung an die neue Energiepflanze nicht zu hoch ansetzen: Die Silphium hat auch ihre Grenzen, sie ist keine eierlegende Wollmilchsau“, so Scheithauer.

Ein weiteres Pilotprojekt zur Becherpflanze führt seit Jahren Dr. Pedro Gerstberger, Botaniker vom Lehrstuhl für Pflanzenökologie an der Universität Bayreuth, zusammen mit den Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks Oberfranken durch. Damit soll erforscht werden, welche Wildpflanzen-Dauerkultur für die Biogasproduktion geeignet ist und welche Pflanzen dabei besonders als Biogassubstrat in Frage kommen. Auch bei Gerstberger steht die Becherpflanze im Mittelpunkt. Hier sei nur einmal eine Aussaat erforderlich, danach ergäbe sich mindestens eine 15-jährige Standzeit. Die Becherpflanze sei zudem weniger frostempfindlich, mache keinen Zwischenfruchtanbau erforderlich, Krankheiten oder Schädlinge seien bislang nicht bekannt und der Boden werde wenig verdichtet, da er nur zwei Mal pro Jahr befahren werden muss, bei der Düngung und bei der Ernte. Freilich gibt es auch Nachteile gegenüber dem Mais: So sei der Einsatz von Herbiziden zur Saatbeet-Vorbereitung notwendig und Erträge seien erst ab dem zweiten bis dritten Jahr zu erwarten, da die Bestände erst dann ausreichend dicht sind, so Gerstberger.

Bilder:
Auf einem Feld ganz in der Nähe von Münchberg hat der Jagdverband zusammen mit dem Landwirt Bernd Dietel ein Pilotprojekt zum Anbau der Becherpflanze gestartet. Eine Delegation des Bezirksverbandes für Gartenbau und Landespflege sowie der Imkerschaft informierte sich jetzt vor Ort über die Vorteile der neuen Staudenpflanze.

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13.08.2013

Vom Teich auf den Teller: Fischtag statt „Veggie-Day“/ Schutzgebiet europäischen Rangs:  Mit dem Nassanger Weiher trägt der 15. Teich in Oberfranken das seltene Prädikat „Kulturgut Teich“

Lichtenfels. Teiche sind nicht nur Landschaftsbestandteile, sondern auch wertvolle Kulturgüter. Das stellt die Teichgenossenschaft Oberfranken zusammen mit dem Bezirk seit 15 Jahren eindrucksvoll unter Beweis. Mit dem Nassanger Weiher bei Trieb erhielt diesmal ein Teich in der Nähe von Lichtenfels das seltene Prädikat „Kulturgut Teich“.

Die Geschichte des Nassanger Weihers lässt sich bis in das Jahr 1530 zurückverfolgen. Deshalb, und weil der Teich seitdem ein fester Bestandteil des Landschaftsbildes ist und viel zum Erhalt der Artenvielfalt beiträgt, werden Wanderer und Spaziergänger künftig mit einer großen Informationstafel auf die reichhaltige Geschichte des Gewässers und seiner Umgebung aufmerksam gemacht. Bewirtschaftet wird der Nassanger Weiher seit vielen Jahren vom Fischwirtschaftsmeister Alexander Krappmann vom Fischzuchtbetrieb Seehof.

Der Nassanger Weiher liegt unweit des einstigen Gutshofes Nassanger, einem markanten kreisrunden Bauwerk, das einst zum Kloster Langheim gehörte Nach der Auflösung des Klosters 1803 sollten die damals insgesamt sechs Weiher trocken gelegt und als Ackerland ausgewiesen werden. 56 Zentner Karpfen, sechs Zentner Hechte und über zwei Zentner Schleien sollen damals abgefischt worden sein. Einzig der heutige Nassanger Weiher blieb erhalten

Neben der prägenden Bedeutung für die Landschaft, der Bewirtschaftung und der belegten Historie müsse ein ausgezeichneter Teich auch eine besondere ökologische Bedeutung haben, sagte Dr. Peter Thoma, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken aus Wunsiedel. Genau das sei auch erfüllt, denn die Landschaft zwischen Trieb und Hochstadt sei ein Schutzgebiet europäischen Ranges, so der Bewirtschafter Alexander Krappmann.

Der oberfränkische Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler nutzte bei der Enthüllung der neuen Informationstafel die Gelegenheit, um Werbung für Süßwasserfische aus Oberfranken zu machen. An die Verbraucher appellierte Denzler, nicht länger Fischfilet aus Südostasien zu kaufen, wenn doch die köstlichsten Süßwasserfische direkt vor der Haustüre produziert würden. „Das Wettschwimmen zwischen dem thailändischen Pangasius und der oberfränkischen Forelle gewinnt auf jeden Fall die Forelle“, sagte Denzler. Die Fischproduktion im Nassanger Weiher sei das beste Beispiel für kurze Wege vom Teich auf den Teller.

Die Landtagsabgeordnete Ulrike Gote von den Grünen aus Bayreuth verteidigte augenzwinkernd nicht nur den heftig diskutierten Vorschlag der Grünen, einen „Veggie-Day“ einzuführen, nach den Worten der Abgeordneten sollte künftig auch ein Fischtag mit Produkten aus regionaler Erzeugung eingeführt werden. Davon würde nicht nur die Gesundheit der Menschen profitieren, sondern auch die Region durch den Erhalt einer vielfältigen ökologisch wertvollen Teichlandschaft. Landtagsvizepräsident Peter Meyer nannte die oberfränkische Fischproduktion das beste Beispiel für nachhaltiges Wirtschaften und für die Produktion hochwertigster Ernährung.

Bild: Der oberfränkische Bezirkstagspräsident Der. Günther Denzler (links) und der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Dr. Peter Thoma haben am Ufer des Nassanger Weihers eine Informationstafel enthüllt, die das Gewässer künftig als Kulturgut ausweist.

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30.07.2013

Blatt und Blüte aus Aluminium / Bundesweit einmaliges Projekt:
Bioenergieregion macht Energiewende mit Kunstwerken sichtbar

Wirbenz. Mit der Kunstinstallation „Photosymbiose“ der beiden bildenden Künstler Maria Vill und David Mannstein aus Berlin hat die Bioenergieregion Bayreuth ihr drittes und vorerst letztes Kunstwerk enthüllt. Standort ist der kleine Ort Wirbenz (Landkreis Bayreuth) ganz im Osten Oberfrankens.

Der Standort grenzt direkt an eine Biogasanlage, in Sichtweite befinden sich zwei Windräder, eine riesige Freiflächen-Photovoltaikanlage und die markante vulkanische Erhebung des Rauhen Kulms als Symbol für die Erdgewalt, deren Energie sich der Mensch klimafreundlich zu Nutze machen möchte. Die „Photosymbiose“ ist ein überdimensionales Spitzwegerichblatt mit dazugehöriger Blüte aus Aluminium. In den Blütenstängel wurde dabei eine solarbetriebene LED-Laufschrift eingearbeitet, in der ununterbrochen lyrische Texte ablaufen. Die Photovoltaikelemente befinden sich auf der Oberfläche des Blattes.

 „So wird die Energiewende sichtbar“, sagt Bernd Rothammel, Regionalmanager der Bioenergieregion Bayreuth, der sich das bundesweit einmalige Projekt „energy in art“ ausgedacht hatte. Ein erstes Kunstwerk mit dem Namen „Indikator“ wurde bereits im vergangenen Herbst auf dem Areal der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth in Betrieb genommen, ihm folgte der „Holzmantel“ des Berliner Künstlers Maik Scheermann am Waldhaus in Mehlmeisel.

„Nirgendwo sonst gibt es diese einmalige Kombination aus konkreten Initiativen zum Ausbau der erneuerbaren Energien und anspruchsvollen Kunstprojekten“, sagte der Bayreuther Landrat Hermann Hübner bei der Einweihung. Aktuell würden im Landkreis Bayreuth bereits rund 25 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien erzeugt. Mit fünf Prozentpunkten über dem oberfränkischen Durchschnitt habe der Landkreis dabei kräftig „aufs Gas gedrückt“, so Hübner.

In der Gemeinde Speichersdorf, zu der Wirbenz gehört, seien es bereits 88 Prozent aus erneuerbaren Energien sagte Bürgermeister Manfred Porsch. Ziel sei es auf über 100 Prozent zu kommen. Gleich nebenan, im ebenfalls zu Speichersdorf gehörenden Guttenthau sei außerdem bereits vor Jahren das erste Bioenergiedorf in Oberfranken begründet worden.

Sinn und Zweck des Projektes „energy in art“ ist es, die Energiewende und das Thema Bioenergie nicht nur sichtbar zu machen, sondern auch neu zu interpretieren. Damit soll die öffentliche Diskussion angeregt und der Fokus auf konkrete Forschungs- und Modellvorhaben der Bioenergieregion Bayreuth gelenkt werden. Die Bioenergieregion wird seit 2009 als eine von 21 Modellregionen in Deutschland mit Mitteln des Bundeslandwirtschaftsministeriums gefördert. Zu ihr gehören die Stadt und der Landkreis Bayreuth sowie Teile des Landkreises Forchheim.

Bilder: Die Installation „Photosymbiose“ der beiden bildenden Künstler Maria Vill und David Mannstein aus Berlin soll in Wirbenz die Energiewende sichtbar machen.

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24.05.2013

Flurbereinigung und Windkraft: Der ganze Ort profitiert von den Windrädern Bürgerwindpark Creußen ging bereits vor rund zehn Jahren ans Netz und gilt noch immer als Vorbild

Neuhof. Drei Erfolgsfaktoren sind es nach den Worten von Anton Hepple, dem Leiter des Amtes für Ländliche Entwicklung Oberfranken in Bamberg, mit denen die Akzeptanz von Windrädern erreicht wird: die Einwohner müssen in den Prozess von Anfang an eingebunden werden, ein ausreichender Abstand der Anlagen zur Wohnbebauung muss gegeben sein und die Ortschaft darf nicht von Windrädern umzingelt werden.

„Wenn es gelingt, die Bürgerschaft und insbesondere die Grundstückseigentümer frühzeitig von einem gemeinsamen Vorgehen bei der Planung und Umsetzung eines Windparks zu überzeugen, kann eine Win-Win-Situation für alle erreicht werden“, sagt Hepple. In Neuhof bei Creußen ist es gelungen. Nicht irgendwie, sondern so mustergültig, so dass Neuhof heute oft als Positivbeispiel hergenommen wird. Nicht nur, dass die Bürger Anteile an „ihrem Bürgerwindpark“ zeichnen konnten, der ganze Ort profitiert praktisch indirekt von den Windrädern vor der Haustür.

Zwei Besonderheiten haben die Ortschaft mit ihren rund 130 Einwohnern und die Realisierung des dortigen Windparks zu bieten: die drei Räder mit ihren jeweils über 100 Meter hohen Naben und einem Rotordurchmesser von 82 Metern gingen bereits vor knapp zehn Jahren ans Netz, also lange vor Fukushima und damit vor einem Boom, der heute vielerorts für Unbehagen sorgt. Die zweite Besonderheit ist es, dass die Realisierung mitten in ein offenes Flurbereinigungsverfahren „geplatzt“ war.

Seit 1990 lief ein kombiniertes Verfahren der ländlichen Entwicklung, also Flurbereinigung und Dorferneuerung. „Das Verfahren Neuhof umfasste eine Fläche von 377 Hektar mit 131 Besitzständen“, so der Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft Robert Büdel vom Amt für Ländliche Entwicklung in Bamberg. Der Plan über die gemeinschaftlichen und öffentlichen Anlagen sei bereits genehmigt und ein Teil des landwirtschaftlichen Wegenetzes bereits ausgebaut gewesen. Zeitgleich hatte die Teilnehmergemeinschaft bereits erste Dorferneuerungsmaßnahmen umgesetzt.

In diese Situation kam ein Anruf der Firma SoWiTec beim Vorsitzenden der Teilnehmergemeinschaft. Der namhafte Windkraft-Projektentwickler und Betreiber aus Baden-Württemberg wollte in Neuhof einen Windpark realisieren und dazu Nutzungsverträge mit den Grundeigentümern abschließen und Entschädigungen auszahlen. „Da ist das Thema hochgekocht, und wir wussten, dass wie reagieren mussten“, erinnert sich Robert Büdel. Er und sein Vorstand fürchteten nun um die Weiterführung der Flurneuordnung. Wohl nicht zu Unrecht bestand die Sorge, dass die Grundeigentümer nun an kleinen Einlageflächen festhalten würden und die im Interesse der Landwirtschaft stehende Flächenzusammenlegung behindern wird. Weiteres Problem war, dass die neue Situation bei der durchgeführten Wertermittlung natürlich nicht berücksichtigt war. „Wir befürchteten, dass sich insgesamt in der Ortschaft ein Spannungsfeld Pro und Contra Windkraft aufbaut“, so Robert Büdel.

In einem beispielhaften Gemeinschaftswerk konnten das Amt für Ländliche Entwicklung, die Stadt Creußen und die Betreiber von SoWiTec  genau das verhindern. Nach einem halben Jahr des Nachdenkens, des Abwägens und des Planens in vielen langen Sitzungen hatten sich die Beteiligten auf das folgende „Flächenmodell“ geeinigt: der Stadt wurde die unmittelbare Standortfläche im Flurneuordnungsverfahren zugeteilt, SoWiTec gewährte den Alteigentümern im sogenannten Windfeld Mindestentgelte in Form jährlicher Zahlungen oder kapitalisierter Einmalzahlungen. Die neuen Eigentümer der direkten Beeinträchtigungsflächen im Abstand von 75 Meter um das Windrad herum erhalten eine flächenanteilige Ausgleichszahlung. Eine verbleibende Differenz zwischen der Ausschüttung an die Grundstückseigentümer und dem vereinbarten Gesamtnutzungsentgelt (vier Prozent der Nettostromerlöse)  fließt jährlich zurück an die Ortsgemeinschaft. Das sind immerhin zwischen 12.000 und 15.000 Euro pro Jahr.

Viele Dinge konnten auf diese Art und Weise schon realisiert werden, sagt Vorstandsmitglied Christian Böhner, im Hauptberuf Mitarbeiter der Trocknung im nahen Prebitz und im Nebenberuf eine Art „Hausmeister“ des Windparks. Ein Holzspalter wurde beispielsweise angeschafft, zwei neue Tore für den Fußballplatz, der Jugendraum über dem Gemeinschaftshaus wurde ausgebaut, die Feuerwehr hat profitiert, und so weiter. Größter Einzelposten war die Asphaltierung des Fuß- und Fahrradweges nach Creußen.

Der Bürgerwindpark erzeugt heute im Schnitt zehn Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr, eine Menge, mit der rechnerisch etwa 4000 Haushalte versorgt werden können. Dank dieser regenerativen Form der Stromerzeugung werde pro Jahr fast 6000 Tonnen Kohlendioxid eingespart.

Bild: Robert Büdel, der Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft, Vorstandsmitglied Christian Böhner und Anton Hepple, Leiter des Amts für ländliche Entwicklung (von links).

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20.05.2013

Energieskulptur soll Vögeln als Nistplatz dienen / Maik Scheermann interpretiert Energiewende mit spektakulärer Holz-Stahl-Plastik am Waldhaus Mehlmeisel

Mehlmeisel. Mit dem „Holzmantel“ des bildenden Künstlers Maik Scheermann aus Berlin hat die Bioenergieregion Bayreuth ihr zweites Kunstwerk enthüllt. Standort ist das Umfeld des Waldhauses in Mehlmeisel (Landkreis Bayreuth). Der „Holzmantel“ ist eine überdimensionale Kugel aus hunderten von Ästen verschiedener Größe. Auf den ersten Blick sieht das Werk so aus, als hätte irgendjemand Holz gesammelt, es zusammengerollt und vor dem Waldhaus liegen lassen.

„So wird die Energiewende sichtbar“, sagte Rudolf Landmann vom Fachzentrum Diversifizierung und Strukturentwicklung am Landwirtschaftsamt in Münchberg. Genau das sei auch eines der Ziele des Projektes „energy in art“, das sich Bernd Rothammel, der Regionalmanager der Bioenergieregion Bayreuth ausgedacht hatte. Ein erstes Kunstwerk mit dem Namen „Indikator“ wurde bereits im vergangenen Herbst auf dem Areal der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth in Betrieb genommen, die Installation eines weiteren Werkes mit dem Titel „Photosymbiose“ soll im Juli im östlichen Bayreuther Landkreis enthüllt werden.

Schöpfer des „Holzmantels“ am Waldhaus von Mehlmeisel ist der Berliner Maik Scheermann. Der international gefragte Künstler, dessen Vorliebe es ist, Kunstwerke in die Natur zu integrieren, will mit dem „Holzmantel“ auf die forst- und energiewirtschaftliche Nutzung, als auch auf die kulturhistorische und ökonomische Bedeutung von Holz hinweisen. „Die Plastik steht für die Zyklen der Naturnutzung im Kreislauf aus Bewegung und scheinbarer Ruhe“, so Scheermann.

Winfried Pfahler von den Bayerischen Staatsforsten, auf deren Grund und Boden das Kunstwerk aufgestellt wurde, formuliert das anders: Holz sei ein Rohstoff, der ständig nachwächst und den man bestens nutzen kann. „Was will man mehr“, so Pfahler. Von einer „Landskulptur“ sprach Beatrice Trost vom Kunstmuseum in Bayreuth. Zu Maik Scheermanns gehört nach den Worten der Kunsthistorikerin das Vergängliche. Die Skulptur werde zu jeder Jahreszeit anders aussehen, sich mit jedem Jahr verändern, altern, ausbleichen und Verwittern. Vielleicht erfülle sich sogar der Wunsch des Künstlers und Vögel entdecken seine Skulptur als Nistplatz. Maik Scheermann selbst gibt seinem Werk eine „Lebensdauer“ von 15 Jahren.

In Mehlmeisel werde die Energieholznutzung seit Jahrhunderten praktiziert, deshalb sei seine Gemeinde auch der richtige Standort für das Kunstwerk, so Bürgermeister Günter Pöllmann. Zur Konzeption des Waldhauses als Waldinformationszentrum habe es von Beginn an gehört, nicht nur zu sammeln und auszustellen, sondern auch zum Lernen, Umdenken und Verändern beizutragen. In diesem Sinne sei das Waldhaus auch der ideale Ort für das innovative Energiekunstprojet „energy in art“.

Sinn und Zweck des Projektes „energy in art“ ist es, die Energiewende und das Thema Bioenergie nicht nur sichtbar zu machen, sondern auch neu zu interpretieren. Damit soll die öffentliche Diskussion angeregt und der Fokus auf konkrete Forschungs- und Modellvorhaben der Bioenergieregion Bayreuth gelenkt werden. Die Bioenergieregion wird seit 2009 als eine von 21 Modellregionen in Deutschland mit Mitteln des Bundeslandwirtschaftsministeriums gefördert. Zu ihr gehören die Stadt und der Landkreis Bayreuth sowie Teile des Landkreises Forchheim.

Die Skulptur „Holzmantel“ hat einen Durchmesser von viereinhalb Metern, die Betonfundamente, in denen drei Stahlstützen verankert wurden reichen fast einen Meter tief in den Boden. Darauf baute Maik Scheermann eine Stahlkonstruktion, in die 800 Kilogramm Stahlrohr verbaut wurden. Etwa 500 Fichtenstämme, das sind etwa vier Tonnen Holz befestigte der Künstler daraufhin an dem Stahlgerüst. Alle Holzstämme seien passend gesägt worden, um dem Ziel der Kugel nahe zu kommen, so Maik Scheermann.

Bilder:
- Der Berliner Künstler Maik Scheermann hat die Energieskulptur „Holzmantel“ von dem Waldhaus in Mehlmeisel errichtet.

- Pfarrerin Christine Schlör und Diakon Franz Lautenbacher segneten das neue Kunstwerk „Holzmantel“ am Waldhaus in Mehlmeisel.

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08.05.2013

Statt Bratwurst und Steaks: Mehr Fische auf fränkische Tische / Oberfränkische Teichwirtschaft eröffnete Fischgrillsaison in der Fränkischen Schweiz

Muggendorf, Lks. Forchheim. Sobald es draußen wärmer ist, werden der Grill entstaubt, die Gartenstühle aufgebaut, die Salate zubereitet, Familie und Freunde eingeladen. Beim Grillen sind die deutschen Weltmeister. Wenn es aber um das Grillgut geht, dann hört der Einfallsreichtum schnell auf. Steaks. Bratwürste, allenfalls noch Gemüse. „Warum nicht auch heimischen Süßwasserfisch“, hat sich die Teichgenossenschaft Oberfranken schon vor Jahren gedacht. Seitdem wird die Fischgrillsaison Anfang Mai eröffnet und der Absatz werbewirksam angekurbelt.

Die Teichgenossenschaft Oberfranken, das sind fast 1000 Mitglieder aus allen Landkreisen des Regierungsbezirk. In der Regel handelt es sich dabei um Landwirte, die ihre Teiche im Nebenerwerb bewirtschaften. Einer, der ganz wenigen in Oberfranken, die ihre Teiche im Haupterwerb bewirtschaften ist Karl-Peter Schwegel von der Forellenzucht Aufseßtal. Schwegel, seit 35 Jahren Vollerwerbsteichwirt , hat diesmal zur Eröffnung der Fischgrillsaison sämtliche Fische frisch geschlachtet und an das Muggendorfer Hotel Goldner Stern geliefert, wo sie sofort verarbeitet wurden.

Ob Bachforellen, Regenbogenforellen oder Lachsforellen, Karpfen und Saibling: sämtliche Fische stammen aus dem Herzen der Fränkischen Schweiz. Nicht etwa aus Vietnam, wie der Pangasius, der dort unter industriellen Bedingungen heranwächst, mit Antibiotika vor Krankheitserregern geschützt wird und einen extrem langen Transportweg zurücklegt, bis er auf dem Teller landet. „Jeder Teich in Oberfranken ist ein Biotop“, sagte Schwegel und warb für die Neuanlage von Teichen, was allerdings von manchen Behörden angeblich aus Naturschutzgründen kritisch gesehen wird.

Für die Eröffnung der Fischgrillsaison hatte Inhaber Andreas Bugl vom Hotel Goldner Stern unter anderem Filets vom Saibling im Bananenblatt mit Kochbanane, Minze und Chilli, Regenbogenforellen im Ganzen mit Knoblauch, Petersilie und Paprika, Lachsforellen mit Rosmarin sowie Sommerkarpfen auf den Grill gelegt. Andreas Bugl kennt sich mit Fischen aus, denn in seinem Hotel finden nicht nur regelmäßig die für die Fränkische Schweiz typischen Fliegenfischkurse statt, sondern einmal im Jahr auch ein internationales Fliegenfischertreffen.

Vor dem Hintergrund der immer wieder für Schlagzeilen sorgenden Lebensmittelskandale könne man den Fisch aus Oberfranken nur empfehlen, sagte Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Fisch sei verdaulich, eiweißreich und fettarm und die Wertschöpfung bleibe in der Region. Die Strategie müsse lauten: „Schützen durch Nützen“, so die Landtagsabgeordnete Ulrike Gote. Teiche hätten eine große Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz und die Teichwirtschaft sei eine echte Veredelungswirtschaft, die zu Recht mit Geldern aus dem Kulturlandschaftsprogramm gefördert wird. „Teiche sind wichtig für das Klima und den Wasserhaushalt“, sagte der Landtagsabgeordnete Thorsten Glauber. Karpfen, Forellen und andere heimische Fische bezeichnete Regierungspräsident Wilhelm Wenning als wichtige Bestandteile der Genussregion Oberfranken.

Bild: Fisch als Grillgut wiederentdecken, dafür warben (von links) MdL Thorsten Glauber, Robert Klupp von der Fischereifachberatung, MdL Ulrike Gote, Regierungspräsident Wilhelm Wenning, Bezirkstagspräsident Günther Denzler und der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Peter Thoma aus Wunsiedel.

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09.04.2013

BN-Chef Weiger: „2015 fängt die Diskussion von vorne an“
Tagung in Bad Alexandersbad: Positive Zwischenbilanz zur Energiewende

Bad Alexandersbad. Die Energiewende ist noch keineswegs endgültig gesichert. Diese Befürchtung hat Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes Naturschutz in Bayern und in Deutschland bei einer Fachtagung des Evangelischen Bildungszentrums Bad Alexandersbad geäußert. Er gab zu bedenken, dass bundesweit noch immer neun Atomkraftwerke am Netz sind. Mit der geplanten Stilllegung des nächsten Meilers im unterfränkischen Grafenrheinfeld im Jahr 2015 würden die Diskussionen um die Energiewende wieder von neuem beginnen, sagte Weiger.

Weiger räumte aber auch ein, dass die Energiewende bislang besser verlaufe, als sich das selbst Fachleute ausgerechnet hatten. Weit über eine Million Menschen setzten sich bislang mit ihrem privaten Geld etwa in Form von Beteiligungen an Bürgerwindparks für die Energiewende ein. „Damit ist die größte Bürgerinitiative entstanden, die wir je hatten“, so der Referent.

Gerade in Bayern sei dieser Einsatz notwendig, denn gleich in mehrerer Hinsicht nehme der Freistaat eine Sonderstellung ein. Mit einem Anteil von 60 Prozent (im Jahr 2010) sei Bayern das Atomstromland Nummer 1. Mit gleichzeitig 23 Prozent habe Bayern zwar auch einen überdurchschnittlichen Anteil an erneuerbaren Energien, doch komme ein großer Teil davon aus der Wasserkraft mit fatalen Folgen für die Gewässerökologie. Spitzenreiter sei Bayern außerdem bei der Photovoltaiknutzung, Schlusslicht dagegen im Bereich der Windenergie, wobei im Landkreis Hof mit über 80 die meisten Windkraftanlagen stehen.

Das bestätigte auch Thomas Engel, Bereichsleiter für Wirtschaft und Landesentwicklung bei der Regierung von Oberfranken. Seinen Worten zufolge seien im Regierungsbezirk aktuell 125 Anlagen am Netz, 45 weitere seien bereits genehmigt. Freilich seien die Windräder in Oberfranken nicht gänzlich unumstritten. Engel sprach von einem überaus hohen Bürgerinteresse in Stadt- oder Gemeinderatssitzungen immer dann, wenn das Thema Windkraft auf der Tagesordnung stehe. „Sobald sich ein Windkraft-Vorranggebiet in der eigenen Gemeinde befindet, wächst die Kritik daran, beziehungsweise werden entsprechende Projekte von der Bürgerschaft abgelehnt“, sagte Engel.

Diese Beobachtung teilte auch die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz Beate Jessel. Die Akzeptanz von Photovoltaik, Windkraft und Biomasse sei einer Umfrage ihres Hauses zufolge überaus hoch, ganz im Gegensatz zur Holznutzung übrigens. Die Feststellung einer außerordentlich hohen Akzeptanz gelte aber nur, solange die Energiewende abstrakt bleibt. „Vor der eigenen Haustür sieht das dann ganz anders aus“, bestätigte Jessel. Die Präsidentin gab auch zu bedenken, dass  der Ausbau erneuerbarer Energien auf lange Zeit noch sicht- und erlebbar bleiben wird. Als Aufgabe der Politik bezeichnete sie es, einen Ausgleich zwischen den verschiedensten Interessen herbeizuführen. Allen Naturschützern gab sie mit auf den Weg, sich dabei mit konkreten Vorschlägen aktiv einzubringen. „Der Naturschutz muss sagen, was geht, und nicht, was nicht geht.“

Mit der Energiewende gerate auch der ländliche Raum wieder stärker in den Focus, sagte Joachim Twisselmann vom Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum Bad Alexandersbad. Die Energiewende verwandle vertraute Kulturlandschaften in rasantem Tempo. Auch in der Region bringe das Thema die Gemüter manchmal zum Kochen. Sollten erneuerbare Energiequellen tatsächlich den gigantischen Energiehunger unseres Landes decken, dann bedeute dies eine Veränderung unseres Landes, die noch gar nicht absehbar ist.

Bild: Die Energiewende verändert die Kulturlandschaft (von links): Joachim Twisselmann vom Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum Bad Alexandersbad, Ursula Eberhard vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege, Präsidentin Beate Jessel vom Bundesamt für Naturschutz und Bund-Naturschutz-Vorsitzender Hubert Weiger.

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05.04.2013

Bienen gehören zu Bayern / Brunner in Büchenbach: Imker, Bauern und Teichwirte arbeiten für den Natur- und Landschaftsschutz

Büchenbach, Mehr Verständnis für die Belange der Bienen haben Imker aus der Region beim Besuch von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner in Büchenbach bei Pegnitz gefordert. „Wir Imker wollen nicht den nächsten Lebensmittelskandal“, sagte Michael Zeilinger aus Oberreichenbach in Mittelfranken. Schon mit kleinen Maßnahmen, wie der Verschiebung der Spritzmittelausbringung in die Abendstunden könnten Erfolge zum Wohle der Bienen erreicht werden. Zusammen mit der Bezirksvorsitzenden des Verbandes für Gartenbau und Landespflege, der Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel-Fischer, hatte der Minister in Büchenbach die Bioimkerei und den Lehrbienenstand von Maria und Anton Herzing sowie die Teichanlagen von Margot und Karl-Heinz Herzing besucht.

Brunner brach dabei eine Lanze für die Imker: „Bienen werden noch oft unterschätzt“, sagte er. Nur mit flächendeckenden Bienenvölkern sei eine dauerhafte Bestäubung gewährleistet, deshalb gehörten Bienen untrennbar zu Bayern. Allerdings stellte Brunner auch fest, dass das Verständnis für Bienen und die Belange der Imker in der Gesellschaft deutlich zugenommen habe. Im Rahmen von Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen von Landwirten werde mittlerweile regelmäßig auf die Bienenverträglichkeit verschiedener Maßnahmen hingewiesen. Auch das gehöre zur guten fachlichen Kompetenz von Landwirten, die von der Bevölkerung vorausgesetzt werde.

Bauern und Imker forderte Brunner auf, bei strittigen Fragen tragbare Kompromisse zu finden. Die Verwendung von bienenschädlichen Beizmitteln gehe beispielsweise bereits seit Jahren zurück. Bestens bewährt habe sich mittlerweile auch das Projekt „Imker auf Probe“ der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Das Projekt soll insbesondere jungen Leuten ohne große Verbindlichkeiten einen ersten Einblick in die theoretischen und praktischen Grundlagen der Imkerei ermöglichen. Die betreuenden Imkervereine erhalten dafür einen finanziellen Zuschuss. Brunner zufolge gibt es bayernweit rund 29000 Imker.

Zwei, die sich seit Jahren um die Nachwuchsgewinnung der Imker kümmern sind Maria und Anton Herzing, die in Büchenbach bei Pegnitz einen Lehrbienenstand und eine Bio-Imkerei betreiben. Das Ehepaar war 1998 zur Imkerei gekommen, hatte ein entsprechendes Grundstück am Ortsrand gekauft, eine Streuobstwiese angepflanzt, und sich mittlerweile zu leidenschaftlichen Imkern entwickelt. Anton Herzing ist Vorsitzender des Creußener Imkervereins und betreibt eine rege Jugendarbeit für Schulklassen und Kindergärten. Seit Juni ist Herzing einer von bayernweit 200 biozertifizierten Imkern mit derzeit 42 Bienenvölkern.

Fast in Sichtweite des Lehrbienenstandes betreibt Herzings Bruder Karl-Heinz im Nebenerwerb seine Anlage mit 24 Teichen, in denen er hauptsächlich Regenbogen- und Bachforellen sowie Saiblinge züchtet, aufzieht und als Satzfisch in einem Umkreis von 150 Kilometern vermarktet. Als einer der ersten Teichwirte wurde Herzing bereits 1998 zertifiziert, mit großem Aufwand hat er seitdem sämtliche Teichanlagen selbst gebaut und immer wieder modernisiert. Besorgt zeigte sich Herzing, dass der Kormoran wegen des langen Winters wieder zunimmt. Die Teichwirte forderten deshalb, die artenschutzrechtliche Ausnahmeverordnung auszusetzen, damit der Kormoran länger geschossen werden darf.

Am Rande des Ministerbesuchs  appellierten die Bezirksvorsitzende Brendel-Fischer und Stellvertreter Günter Reif aus Kulmbach an den Minister, im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft – Unser Dorf soll schöner werden“ ehrenamtliches Engagement künftig stärker zu gewichten. Gerade vor dem Hintergrund einer extrem kurzen Antragsfrist im laufenden Jahr sollte bürgerschaftliches Engagement stärker in den Vordergrund gestellt werden. Für den Wettbewerb auf Landkreisebene müssen die Unterlagen bereits bis Ende Juni eingereicht werden, noch vor der Sommerpause werden sie Kommissionen ihre Entscheidungen treffen. Im kommenden Jahr fallen die Entscheidungen auf Bezirksebene, 2015 sollen die Landessieger gekürt werden. Erst 2016 werden dann die bayerischen Golddörfer am Bundeswettbewerb teilnehmen, ehe der Wettbewerb wieder von vorne startet. Brendel-Fischer nannte es dabei besonders bemerkenswert, dass von den zuletzt bayernweit 345 beteiligten Dörfern, 144 aus Oberfranken und nur zehn aus Oberbayern kamen. „Der Wettbewerb motiviert die Menschen durch Eigenverantwortlichkeit und schärft das Bewusstsein für die Werte im eigenen Dorf“, sagte die Abgeordnete. Damit leiste der Wettbewerb einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des gesamten ländlichen Raums.

Bild oben: Am Lehrbienenstand von Anton Herzing betrachteten Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, die zuständige staatlich Fachberaterin Barbara Bartsch vom Amt für Landwirtschaft und die Landtagsabgeordnete und Bezirksvorsitzende  des Verbandes für Gartenbau und Landespflege Gudrun Brendel-Fischer (von links) ein überwinterndes Bienenvolk.

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21.03.2013

Was Bioenergie mit Kunst zu tun hat
Großskulpturen sollen Energiewende sichtbar machen

Bayreuth. „Uns war schon klar, dass wir etwas ganz Besonderes bieten müssen“, sagt Bernd Rothammel, Regionalmanager der Bioenergieregion Bayreuth. Mit dem Projekt „energy-in-art“ sei es gelungen, zwei Welten, die auf den ersten Blick so rein gar nichts miteinander zu haben, zusammenzubringen: alternative Energieerzeugung und Kunst. Knapp vier Jahre nach ihrem Start ist die Bioenergieregion Bayreuth auf dem besten Weg. Mit dem „Indikator“ steht die erste Großskulptur, zwei weitere Kunstwerke sollen in den kommenden Monaten enthüllt werden und viele andere Projekte sind bereits auf den Weg gebracht.

Sinn und Zweck des Projektes „energy-in-art“ ist es, die Energiewende und das Thema Bioenergie nicht nur sichtbar zu machen, sondern auch neu zu interpretieren. Damit soll die öffentliche Diskussion angeregt und der Fokus auf konkrete Forschungs- und Modellvorhaben der Bioenergieregion Bayreuth gelenkt werden. Die Bioenergieregion wird seit 2009 als eine von 21 Modellregionen in Deutschland mit Mitteln des Bundeslandwirtschaftsministeriums gefördert. Zu ihr gehören die Stadt und der Landkreis Bayreuth sowie Teile des Landkreises Forchheim.

„Wir wollen vor allem die Bürger in unsere Projekte einbinden“, sagt Rothammel, wohl wissend, dass nicht jeder mit einer Kunstperformance auch wirklich etwas anfangen kann. Der Regionalmanager gesteht aber auch offen, dass er zunächst viel mehr kritische Stimmen erwartet hätte. Liegt es vielleicht daran, dass gar keine echte Provokation dabei war? Wenn die geschaffenen Kunstwerke kaum Kontroversen hervorrufen, dann könnte es aber auch daran liegen, dass in die entsprechende Jury auch immer die Grundstückseigentümer miteingebunden waren.

Der Bezirk Oberfranken beispielsweise, Träger der Landwirtschaftlichen Lehranstalten. Dort, auf einer Rinderweide am südlichen Bayreuther Stadtrand, in Sichtweite von zahlreichen Hochhäusern wurde der „Indikator“ des Künstlers Hannes Neubauer errichtet. Mit einer durchschnittlichen Höhe von acht Metern stelle er nicht nur eine Landmarke dar, sondern nehme auch eine Vermittlerrolle ein, indem es den Standort als Schnittstelle zwischen städtischen und ländlichen Raum begreifbar macht, so der Künstler. Durch eine rotierende Bewegung folgt die Installation der Sonne und vollzieht zugleich eine Wende, die symbolisch für die Energiewende steht. Der notwendige solarbetriebene Mechanismus ist nach dem gleichen Prinzip ausgeführt, wie bei automatisch nachgeführten Solaranlagen. Der aus Pegnitz im Landkreis Bayreuth stammende Künstler Hannes Neubauer ist unter anderem Träger der Auszeichnung „Kultur-und-Kreativ-Pilot Deutschland“ und des Bundespreises 2012 für hervorragende innovatorische Leistungen für das Handwerk. Ein Werk von ihm steht sogar in Kolumbien („Coffee-Bean“).

Überhaupt sind es die internationalen Einladungen und Kontakte, die den Machern der Bioenergieregion zeigen, dass sie auf dem richtigen Weg sind. In Brüssel habe man sich schon präsentiert, aus Korea kommt in diesen Tagen eine 40-köpfige Delegation, denen Bernd Rothammel das Projekt einen ganzen Nachmittag näher bringen will.

Bereits im Mai soll in Mehlmeisel (Landkreis Bayreuth) der „Holzmantel“ des Berliner Künstlers Maik Scheermann als weiteres wegweisendes Werk enthüllt werden. Vor dem dortigen Umweltbildungszentrum, dem Waldhaus, wird eine riesige Kugel aus stilisierten Ästen auf forstwirtschaftliche Bedeutung des Fichtelgebirges hinweisen. Im Juli wird dann in Wirbenz, ganz im Osten des Landkreises und des Regierungsbezirks die „Photosymbiose“ von David Mannstein und Maria Vill enthüllt. Dabei handelt es sich um eine neun Meter hohe Aluiminiumskulptur, die ein überdimensionales Spitzwegerichblatt darstellt und auf der poetische Texte zu den Themen Sonne und Natur ablaufen sollen.

Tatsächlich loben die Mandatsträger in der Region das Projekt „energy-in-art“ ausnahmslos. Bayreuths Zweiter Bürgermeister Thomas Ebersberger nennt den „Indikator“ ein außergewöhnliches Werk, das Ästhetik und innovative Technik verbinde und künstlerisch sowohl die Stadt-Land-Partnerschaft als auch die Energiewende thematisiere. Das gesamte Projekt mache die Bioenergieregion Bayreuth einmalig, so Landrat Hermann Hübner. Die Sicht der Künstler sollte für den Betrachter Anlass sein, unvoreingenommen und inspiriert nach neuen Lösungen für aktuelle Problemstellungen zu suchen. Stolz, dass ihre Gemeinden als Standorte für weitere Kunstwerke ausgewählt wurden, sind auch die Bürgermeister Günter Pöllmann (Mehlmeisel) und Manfred Porsch (Speichersdorf/Wirbenz). Während die Holznutzung in Mehlmeisel eine jahrhundertelange Tradition habe, nehme Speichersdorf mit Windrädern der allerersten Generation in Sachen regenerativer Energien eine gewisse Vorreiterrolle ein.

Neben den Skulpturen bietet die Bioenergieregion verschiedene Workshops an, in denen es um erneuerbare Energien und deren umweltverträglichen Ausbau geht. Angesprochen sollen sich dabei alle fühlen, die sich für die Zukunft unseres Planeten interessieren. Daneben gibt es ein Lyrik-Projekt, einen Fotowettbewerb und verschiedene Aktionen für Kinder und Jugendliche, die alle auf der Internetseite www.energy-in-art.de zu finden sind.

Die Bioenergieregion Bayreuth hat einen Drei-Jahres-Etat von rund 250000 Euro, Fördermittel kommen vom Bayerischen und vom Bundeslandwirtschaftsministerium, dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER),  der Oberfrankenstiftung, der Bayerischen Sparkassenstiftung, der Stadt und dem Landkreises Bayreuth sowie der E.ON Bayern AG.

Bilder:
- Hannes Neubauer hat die Skulptur „Indikator“ geschaffen, die auf dem Gelände der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth zu sehen ist.
- Kunst und Energieerzeugung auf einen Nenner gebracht: Bernd Rothammel, Regionalmanager der Bioenergieregion Bayreuth.
 

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05.02.2013

Keine fischfreien Gewässer entlang des Grünen Bandes
Fast 1000 Teichwirte produzieren in Oberfranken heimischen Fisch

Himmelkron, Lks. Kulmbach. Das „Grüne Band“ bereitet Fischern und Teichwirten Kopfzerbrechen. Ursprünglich als harmloser Streifen für den Naturschutz entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze gedacht, sollen nun Korridore in einer Entfernung von bis zu 25 Kilometern einbezogen werden. Viele Teichwirte könnten davon betroffen sein, warnte Otto Norbert Grußka, Geschäftsführer der Teichgenossenschaft Oberfranken.

„Diese bislang von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtete Naturschutzgroßprojekt könnte für uns Teichwirte erhebliche Probleme aufwerfen“, sagte Grußka bei der Jahresversammlung der Teichgenossenschaft Oberfranken, einem Zusammenschluss von fast 1000 Teichwirten aus dem Regierungsbezirk. Nach den Worten Grußkas sehen die bislang bekannten Pläne vor, Flächen der Natur zuzuführen und dabei weitestgehend auf menschliche Nutzung zu verzichten. Für die Teichwirte würde dies unter anderem eine Reduzierung des Fischbestandes bis hin zu fischfreien Gewässern, eine Anhebung der Verlandungszone um rund ein Drittel sowie jeglicher Verzicht auf Düngung oder Kalkung bedeuten. „Damit würden wir auf die Nutzung unserer Teiche und somit auf unser Eigentum  verzichten“, sagte der Geschäftsführer. Ausgleichszahlungen seien zwar vorgesehen, doch hätten sie eine Laufzeit von 20 Jahren, außerdem müssten bestimmte Unterhaltsmaßnahmen wie das Mähen von Wiesen auch weiterhin erfolgen.

Auch künftig ein Thema ist der Kormoran, auch wenn die jetzigen Bejagungsmöglichkeiten einen deutlichen Fortschritt darstellen. Noch besser wäre allerdings eine Bestandsregulierung, also bereits eine Eingriffsmöglichkeit in die Nester der brütenden Vögel, so Thoma. „Auch wenn es einige noch immer nicht glauben wollen, der Kormoran ist längst nicht das possierliche Vögelchen, als das er von ideologisch geprägten Vogelschützern dargestellt wird.“ Die nächsten Feinde der oberfränkischen Fischerei seien allerdings schon im Anmarsch, so Gudrun Brendel-Fischer, Landtagsabgeordnete und Mitglied des Landwirtschaftsausschusses. Vor allem beim Biber und beim Fischotter sollten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, damit keine entsprechenden Populationen entstehen.

Schwer getroffen hat die oberfränkischen Teichwirte auch der Wegfall der pauschalen Förderung aus dem Europäischen Fischereifonds (EFF) im vergangenen Spätherbst. Vorsitzender Thoma sprach von einem Erdrutsch, Förderfachmann Peter Leitel bedauerte den Wegfall, zumal die Ausgestaltung des neuen EU-Fischereiförderprogramms für den Förderzeitraum 2014 bis 2020 noch völlig offen sei. Leitel betonte aber auch, dass die bisherige Förderung von Einzelmaßnahmen nach Nachweis auch künftig erhalten bleiben soll. Umso ärgerlich nannte es Franz Geldhauser vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium, dass sämtliche bereits bewilligten Pauschalsätze aus den Jahren 2007 bis 2012 zurückbezahlt werden müssen. Sicher ist es nach den Worten Geldhausers, dass die Förderung nach dem Einzelnachweis auch künftig unter anderem für Maßnahmen der Direktvermarktung, Absatzförderung, für Umweltleistungen oder Marktstudien gelten soll.

Aller Unwägbarkeiten zum Trotz steige der Absatz von Fisch derzeit wieder konstant an, so der Vorsitzende. Als Gründe dafür nannte er unter anderem die zahlreichen Marketingbemühungen wie zum Beispiel die werbewirksame Eröffnung der Fischgrillsaison, der Karpfensaison oder die Beteiligung der Teichwirtschaft bei Kochwettbewerben. „Steter Tropfen höhlt den Stein“, sagte Thoma. Mit den Fischmarketingaktionen sei die Teichgenossenschaft auf dem richtigen Weg. Vor allem hätten viele Verbraucher mittlerweile gelernt, den heimischen Karpfen dem vietnamesischen Pangasiusfilet vorzuziehen, so der oberfränkische Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Auf diesem Weg leisteten die Teichwirte auch einen unverzichtbaren Beitrag für eine attraktive heimische Gastronomie.

Seinen letzten Auftritt hatte bei der Jahresversammlung der leitende Direktor der Fischereifachberatung des Bezirks Oberfranken Robert Klupp. Nach fast 40 Jahren in Diensten des Bezirks wird Klupp seinen Ruhestand im September antreten. Er gehörte 1975 zu den Gründervätern der Teichgenossenschaft. „Robert Klupp hat die Fischerei in Oberfranken entscheidend geprägt“, sagte der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Peter Thoma. Klupp selbst rief die Teichwirte dazu auf, den Menschen immer wieder zu verdeutlichen, dass die Teichwirte einen unschätzbaren Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft leisten und dabei wertvollste Lebensmittel erzeugen.

Bild: Noch im laufenden Jahr steht ein Wechsel in der Fischereifachberatung des Bezirks Oberfranken an (von links): Der neue Leiter Thomas Speyerl, der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Peter Thoma und der bisherige Fischereifachberater Robert Klupp.

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13.11.2012

Ein Denkmal für die Sonnenenergie / Bioenergieregion Bayreuth enthüllte erste von drei geplanten Großskulpturen zur Energiewende

Bayreuth. Mit einer spektakulären Performance der Belfaster Künstlerin Sarah Mac Keever hat die Bioenergieregion Bayreuth die erste von drei geplanten Großskulpturen auf dem Gelände der landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks Oberfranken in Bayreuth enthüllt. Die „Vertical-Dance-Künstlerin“ nahm die acht Meter hohe Skulptur „Indikator“ des Pegnitzers Hannes Neubauer tanzend und kletternd in Beschlag, zeigte wagemutige Figuren zu klassischen Klängen und entfernte ganz nebenbei auch noch die Tücher die das Kunstwerk zuvor eingehüllt hatten.

Sinn und Zweck des Projektes „Energy-in-art“ ist es, die Energiewende und das Thema Bioenergie nicht nur sichtbar zu machen, sondern auch neu zu interpretieren. Damit soll die öffentliche Diskussion angeregt und der Fokus auf konkrete Forschungs- und Modellvorhaben der Bioenergieregion Bayreuth gelenkt werden. Die Bioenergieregion wird seit 2009 als eine von 21 Modellregionen in Deutschland mit Mitteln des Bundeslandwirtschaftsministeriums gefördert. Zu ihr gehören die Stadt und der Landkreis Bayreuth sowie Teile des Landkreises Forchheim.

Der Standort der neuen Großskulptur „Indikator“ liegt am südlichen Bayreuther Stadtrand auf einer Rinderweide der Landwirtschaftlichen Lehranstalten. In Sichtweite städtischer Hochhäuser soll hier die Stadt-Land-Partnerschaft bei der Erzeugung und Nutzung erneuerbarer Energien erlebbar werden. Mit einer durchschnittlichen Höhe von acht Metern stelle der Indikator nicht nur eine Landmarke dar, sondern nehme auch eine Vermittlerrolle ein, indem es den Standort als Schnittstelle zwischen städtischen und ländlichen Raum begreifbar macht, so der Künstler Hannes Neubauer. Durch eine rotierende Bewegung folgt die Installation der Sonne und vollzieht zugleich eine Wende, die symbolisch für die Energiewende steht. Der notwendige solarbetriebene Mechanismus ist nach dem gleichen Prinzip ausgeführt, wie bei automatisch nachgeführten Solaranlagen.

Der aus Pegnitz stammende und mehrfach ausgezeichnete Künstler Hannes Neubauer macht derzeit seinen Master of Fine Arts an der Bauhaus-Universität Weimar. Er erhielt unter anderem die Auszeichnung „Kultur-und-Kreativ-Pilot Deutschland 2011/2012“ und den Bundespreis 2012 für hervorragende innovatorische Leistungen für das Handwerk, verliehen vom Bundeswirtschaftsministerium. Werke von ihm sind sowohl in Kolumbien („Coffee-Bean“) zu finden, wie auch in der Region, wo die Plastik  „Hand-Werk“ die Geseeser Marienkirche ziert.

Die Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks nähmen in der Region eine Leuchtturmfunktion ein, sagte Bezirkstagspräsident Günther Denzler bei der Enthüllung. Damit seien die Lehranstalten auch der ideale Standort für das neue Kunstwerk. Bayreuths Zweiter Bürgermeister Thomas Ebersberger sprach von einem außergewöhnlichen Werk, das Ästhetik und innovative Technik verbinde und künstlerisch sowohl die Stadt-Land-Partnerschaft als auch die Energiewende thematisiere.

Das Dachprojekt „Energy-in-art“ mache die Bioenergieregion Bayreuth einmalig, so Landrat Hermann Hübner. Die Sicht der Künstler sollte für den Betrachter Anlass sein, unvoreingenommen und inspiriert nach neuen Lösungen für aktuelle Problemstellungen zu suchen. Kunstexpertin Susanne Thesing vom Förderverein Skulpturenmeile in Bayreuth erinnerte an die Vorgeschichte der Skulptur. Mehr als 60 bildende Künstler hätten sich an einem  entsprechenden Wettbewerb mit über 90 Beiträgen für die drei geplanten Kunstwerke beteiligt. Der „Indikator“ von Hannes Neubauer setze der Sonnenenergie ein eindrucksvolles Denkmal.

Bilder:
- Hannes Neubauer hat die Skulptur „Indikator“ geschaffen, die künftig auf dem Gelände der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth zu sehen ist.
- Mit einer spektakulären Performance ist das erste von drei geplanten Energy-in-art“-Kunstwerken der Bioenergieregion Bayreuth enthüllt worden.

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23.09.2012

Weichen für den Wald stellen
Rund 10000 Besucher beim Oberpfälzer Waldtag in Amberg

Amberg. Die Anziehungskraft der Themen Wald und Holz ist ungebrochen: An die 10000 Besucher lockte der „Waldtag Oberpfalz“ am Sonntag nach Amberg, wo das dortige Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten eine Großveranstaltung mit fast 80 Ausstellern, zahlreichen Vorführungen und der richtigen Mischung aus Information und Unterhaltung auf die Beine gestellt hatte.

„Der Wald ist mehr als eine Ansammlung von Bäumen, der Wald ist Ökosystem, Lebens- und Erholungsraum, Wasseraufbereiter und –speicher, Sauerstoffproduzent und Rohstofflieferant und vieles mehr“, sagte Behördenleiter Willibald Götz. Alle diese Funktionen den Menschen klar zu machen, das sei das erklärte Ziel des Waldtages.

Information sei aber auch deshalb so wichtig, weil die Forstwirtschaft aktuell vor großen Herausforderungen steht, so Landwirtschaftsminister Helmut Brunner. Schon in knapp 20 Jahren sollen zwei Drittel der privaten Waldbesitzer sogenannte „urbane Waldbesitzer“ sein, denen es am Verständnis und am Wissen um den Wald fehlt. Sie mit den forstlichen Zusammenschlüssen zusammenzubringen und für Waldpflege- und Nutzungsverträge zu gewinnen, das sei eines seiner erklärten politischen Ziele, so Brunner. Die Forstbetriebsgemeinschaften und Waldbesitzervereinigungen würden dafür schon heute mit rund drei Millionen Euro pro Jahr unterstützt.

Als zweite große Herausforderung bezeichnete Brunner den Klimawandel, der den Wald am stärksten trifft. Als wirksames Gegenmittel sieht der Minister den Umbau der gefährdeten Nadelwälder in stabile Mischwälder. „Vorsorgen ist besser und billiger als heilen“, so Brunner. Wer in 100 Jahren klimatolerante Mischwälder haben möchte, müsse jetzt die Weichen dafür stellen. Auch das kostet freilich Geld: Neben den regulären Haushaltsmitteln werde die Staatsregierung deshalb weitere sieben Millionen Euro für Waldumbaumaßnahmen und Klimaforschung bereitstellen.

Sorgen bereiten dem Minister schließlich auch die „überzogenen Forderungen des Naturschutzes“ nach Flächenstilllegungen. Die nachhaltige und zukunftsfähige Forstwirtschaft Bayerns gerate dadurch in Gefahr, sagte Brunner. Es sei ein Irrglaube, dass nur stillgelegte Wälder einen Wert für die Natur haben. Schließlich seien die naturnahen Waldbestände, auf die der Naturschutz ein Auge wirft, nicht trotz, sondern wegen der Bewirtschaftung in einem derart guten Zustand.

Zentraler Programmpunkt des Waldtages war die Erstaufführung eines Waldfilmes, den Studenten der Medientechnik an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Amberg/Weiden unter ihrem Betreuer Stefan Breunig erstellt hatten. Unterhaltsam und in teilweise spektakulären (Luft-)Bildern zeigt der etwa zwölf Minuten lange Streifen die Aufgaben des Amtes für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten Amberg. Der Film zeigt ganz konkret, wie Förster Hans Eiber einen Waldbesitzer berät, was ein Harvester ist, wie ein Motorsägenkurs abläuft und wie Förster Werner Lang Drittklässlern Waldwissen vermittelt. Daneben erfährt der Betrachter beispielsweise, dass im Landkreis Amberg zwei Drittel des Waldes über 13000 privaten Waldbesitzern gehören und dass im gesamten Landkreis pro Jahr etwa 100000 bis 120000 Festmeter Holz eingeschlagen werden.

Behördenleiter Götz sah den Oberpfälzer Waldtag in Amberg am richtigen Ort. Der Landkreis Amberg/Sulzbach zähle zu den waldreichsten in Bayern, sagte er. Nach den Worten von Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer gehört die Stadt Amberg außerdem zu den größten kommunalen Waldbesitzern Bayerns. Ein absoluter Glückstreffer war dabei auch die Wahl der Standorte für den Waldtag im Innenhof und auf den Parkplätzen der Hochschule sowie in der Parkanlage Maxallee vor dem ehemaligen Bayerischen Forstamt. Hier war Platz für das großzügige Waldforum und den Marktplatz, für die vielen Vorführungen mit forstlichen Großmaschinen und nicht zuletzt auch für ein Festzelt und eine riesige Bühne, auf der beispielsweise Zimmererleute Zunftlieder sangen oder Jagdhornbläser Signale vortrugen.

Bilder:
- Die bayerische Waldprinzessin Eva Ritter und Landwirtschaftsminister Helmut Brunner erfuhren von Birgit Eichinger und deren Vater, dem Bogenbauer Günther Kurz (von links) aus Hohenburg/Voggenhof, was man aus Holz alles machen kann.
- Informationen zu den Themen Wald und Holz gab es von den fast 80 Ausstellern im Waldforum.
- Vorführungen von forstwirtschaftlichem Großgerät lockten Forstprofis und Neugierige gleichermaßen.
- Kunstvolle Skulpturen aus Holz fertigten Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforsten live vor den Augen der staunenden Besucher an.

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14.09.2012

Artgerecht, naturverträglich und ökologisch korrekt: Hervorragendes Karpfenjahr / Teichwirte eröffneten oberfränkische Karpfensaison - Regierungsbezirk ist drittstärkster Karpfenproduzent in Bayern

Stiebarlimbach. Gute Nachricht für alle Oberfränkischen Feinschmecker: Ab sofort gibt es in allen Monaten mit dem Buchstaben „r“ im Namen wieder fangfrischen Karpfen aus heimischen Teichen. „Das Karpfenjahr war hervorragend“, sagte der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken, Dr. Peter Thoma aus Thiersheim, bei der oberfränkischen Karpfensaisoneröffnung in Stiebarlimbach bei Hallerndorf im Landkreis Forchheim.  Bedingt durch das Wetter seien die Karpfen in bester Qualität herangewachsen. Nach Mittelfranken und der Oberpfalz gilt der Regierungsbezirk Oberfranken als drittstärkster Karpfenproduzent in Bayern.

Bevor der Fisch allerdings als Karpfen blau, gebacken mit Salzkartoffeln, zerlassener Butter und Meerrettich oder als Karpfenlocken auf den Tisch kommt, muss er aus dem Teich. Diesmal hatte Johann Weiß seine Weiher in dem kleinen Ort Stiebarlimbach im oberfränkischen Teil des Aischgrundes und damit ganz im Westen des Regierungsbezirks abgefischt und sich dabei Unterstützung von Regierungspräsident Wilhelm Wenning, Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler sowie von den Landtagsabgeordneten Eberhard Nöth und Thorsten Glauber geholt. Der „Fischbauernhof" Weiß gilt dabei nach den Worten aller Beteiligter als echter Vorzeigebetrieb in Oberfranken, der mit seinen kleinen Teichen einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leistet.

„Heimischer Karpfen ist ein reines Naturprodukt, das seit Jahrhunderten nahezu unverändert erzeugt wird“, so der oberfränkische Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler. Bevor die Teiche abgefischt werden, müssten die Karpfen drei Jahre lang heranwachsen. Während dieser Zeit ernährten sie sich ausschließlich von Plankton und anderen Kleinlebewesen. Zugefüttert werden müsse lediglich Getreide, das in Oberfranken meist aus eigener Erzeugung der Teichwirte stammt. „Damit ist der Karpfen ein artgerechtes und naturverträgliches Erzeugnis“, sagte Denzler. Doch damit nicht genug: Rechnerisch stünden stehe jedem oberfränkischen Karpfen rund 20000 Liter Wasser als Lebensraum zur Verfügung. „Das sind paradiesische Zustände“, so der Präsident. Schließlich werde der Karpfen auch älter, als jedes andere landwirtschaftliche Nutztier.

Oberfranken biete auch eine Vielzahl an Gasthöfen, die den Karpfen in allen Variationen zubereiten. Diese enge Verbindung von Teichwirtschaft und Gastronomie garantiere dem Verbraucher ein gesundes, frisches Lebensmittel unmittelbar aus der Region, so Regierungspräsident Wilhelm Wenning . Aufgrund dieser geringen Transportwege könne der Karpfen auch auf eine hervorragende Ökobilanz verweisen, sogar die Stiftung Warentest habe regional erzeugte Karpfen im Gegensatz zum Pangasiusfilet aus Fernost mittlerweile als „ökologisch korrekt“ eingestuft.

Teichwirt zu sein, heißt heimatverbunden zu sein und die Liebe zur Natur jeden Tag aufs Neue unter Beweis zu stellen, so der Landtagsabgeordnete Eduard Nöth. Die Politik habe deshalb in den zurückliegenden Jahren nicht ohne Erfolg immer wieder große Anstrengungen unternommen, um die Teichwirtschaft zu unterstützen und sie vor Bürokratie zu entlasten.

Bilder:
- Heimischer Karpfen ist ein reines Naturprodukt: Der oberfränkische Regierungspräsident Wilhelm Wenning, der Bürgermeister von Buttenheim Johann Kalb, MdL Thorsten Glauber, der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif, Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler, Teichwirt Johann Weiß, TEGOF-Vorsitzender Dr. Peter Thoma und MdL Eduard Nöth bei der oberfränkischen Karpfensaisoneröffnung.
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Höhepunkt im Jahreslauf der Teichwirte: Die Eröffnung der Karpfensaison beginnt traditionell mit dem Abfischen eines Teiches, wie diesmal in Stiebarlimbach im Landkreis Forchheim.

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22.08.2012

Pflanzen für die Energiegewinnung der Zukunft / Lehrstuhl Pflanzenökologie der Universität Bayreuth will Einführung der Becherpflanze als Alternative zum Mais forcieren

Bayreuth. Es muss nicht immer zwangsläufig Mais sein. Auch eine ganze Reihe anderer Pflanzen ist zur Biogasproduktion geeignet. Vielleicht sogar besser als Mais, so Dr. Pedro Gerstberger, Botaniker vom Lehrstuhl für Pflanzenökologie an der Universität Bayreuth. Der Wissenschaftler führt seit einigen Jahren zusammen mit den Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks Oberfranken in Bayreuth ein Pilotprojekt durch, mit dem erforscht werden soll, welche Wildpflanzen-Dauerkultur für die Biogasproduktion geeignet ist und welche Pflanzen dabei besonders als Biogassubstrat in Frage kommen. Bei einer Vorstellung des Forschungsprojekts mit Anne Weydenhammer von der Bioenergieregion Bayreuth, dem Parlamentarischen Finanzstaatssekretär und Bayreuther Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk und dem Verwalter der Lehranstalten Martin Höpfel führte Gerstberger eine ganze Reihe solcher Pflanzen auf, die vornehmlich aus Nordamerika stammen. Die Becherpflanze (Silphium perfoliatum) stellte er dabei ganz besonders heraus.

Hier sei nur einmal eine Aussaat erforderlich, danach ergäbe sich mindestens eine 15-jährige Standzeit. Die Becherpflanze sei zudem weniger frostempfindlich, mache keinen Zwischenfruchtanbau erforderlich, Krankheiten oder Schädlinge seien bislang nicht bekannt und der Boden werde nur wenig verdichtet, da er nur zwei Mal pro Jahr befahren werden muss, bei der Düngung und bei der Ernte. Freilich gibt es auch Nachteile gegenüber dem Mais: So sei der Einsatz von Herbiziden zur Saatbeet-Vorbereitung notwendig und Erträge seien erst ab dem zweiten bis dritten Jahr zu erwarten, da die Bestände erst dann ausreichend dicht sind.

Kritiker behaupten, bei der „Vermaisung“ der Landschaft sei man mittlerweile zu weit gegangen. Dabei biete der Mais als Bioenergiepflanze bei weitem nicht nur Vorteile. Nach den Worten von Gerstberger nähmen Schädlinge, wie der Maiszünsler oder der Maiswurzelbohrer zu. Damit einher gehe ein wachsender Einsatz von Pestiziden. Mais verringere zudem den Humusanteil im Boden und könne erst relativ spät ausgesät werden. Schließlich nähmen auch die Schäden durch Wildschweinpopulationen zu und die Maisblüten seien als Nektarquelle für Insekten nicht nutzbar, so beklagen es die Imker.

„Diesem Thema gehört die Zukunft“, sagte Staatssekretär Koschyk. Er bezeichnete das Projekt der Bioenergieregion als absolut vorbildlich, weil es über kommunale Grenzen hinaus angelegt sei. Die Becherpflanze könne aufgrund ihrer hervorragenden Ökobilanz eine echte Alternative zum Mais sein, zumal damit auch das Überleben der Bienen in der Region gesichert sei. Nun müsse eine erhöhte Akzeptanz bei den Landwirten erreicht werden, was beispielsweise durch veränderte europäische Förderbedingungen begünstigt werden könne. „Wir müssen Anreize setzen, um die Einführung von Saatgut für die Becherpflanze zu erleichtern“, so Koschyk. Auch das Bundeslandwirtschaftsministerium könne dazu beitragen, die Forschung, den Transfer und die Markteinführung der Becherpflanze zu begünstigen.

Die Becherpflanze ist freilich nicht die einzige Bioenergiepflanze, die den Mais ablösen könnte. Versuchsflächen in und um Bayreuth gebe es bereits auch für den Gelben Kronbart, die Riesen-Scheinaster, den Wasserdost, die Fächermalve oder die einheimische Sumpf-Gänsedistel. „Die Becherpflanze scheint aber die Beste zu sein“, so Gerstbergers Zwischenstand seiner bisherigen Untersuchungen. Alle genannten Sorten würden von Insekten bestäubt, so dass sie auch Imker interessant sind. Interessant für die Landwirte dürfte dabei sein, dass der jährliche Hektarertrag bei der Nutzung als Energiepflanze deutlich über dem vom Mais liegt. Gerstberger sprach dabei von über 500 Euro im Vergleich zum Mais, allerdings mittel- und langfristig gerechnet. Bis es soweit ist, müssten die Landwirte erst einmal investieren. Gerstberger rechnete mit etwa 3600 Euro pro Hektar.

Bild: Der Botaniker Dr. Pedro Gerstberger (rechts) von der Universität Bayreuth erläutert dem Parlamentarischen Staatssekretär Hartmut Koschyk die Vorzüge der Becherpflanze, die auf dem Gelände der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth bereits angebaut wird.

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08.08.2012

Fast alles selbst gezogen / Renate und Werner Hübsch bewirtschaften einen 1000 Quadratmeter großen Garten an der Europäischen Wasserscheide

Fischbach. Das Wasser spielt eine große Rolle in Fischbach, einem kleinen Ort mit 87 Einwohnern nahe Weidenberg im oberfränkischen Landkreis Bayreuth. In Sichtweite verläuft die Europäische Wasserscheide, alles was südöstlich davon entspringt fließt über die Donau ins Schwarze Meer, alles, was nordwestlich entspringt über den Rhein in die Nordsee. In Fischbach sind auch Renate und Werner Hübsch zuhause. Ihren landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbe-trieb haben sie gerade an eine der Töchter übergeben, Werner Hübsch (65) ist seit 2008 im Ruhestand, da bleibt viel Zeit für den rund 1000 Quadratmeter großen Garten rund um das Wohnhaus und die ehemaligen Stallgebäude.

„Wasser ist das A und O“, sagt Werner Hübsch, der fast 35 Jahre lang in einen Großhandel für Landmaschinenersatzteile im nahen Bayreuth tätig war. Noch muss er das Wasser aus einem alten Becken der früheren Wasserversorgung umständlich in den Garten fahren. Die Pläne für einen 5000 bis 6000 Liter fassenden Wassertank, in dem künftig das Regenwasser gespeichert werden soll, hat er aber bereits fertig. Der Tank wird auch nötig sein, denn gegossen werden muss praktisch immer. „Früher hat es mehr geregnet“, so Renate Hübsch, aber der Klimawandel mache sich eben auch in dem kleinen Ort am Fuße des Fichtelgebirges bemerkbar.

Allerdings hat die Lage auch ihre Vorteile: Fischbach und damit auch der Garten der Familie Hübsch sind bisher von größeren Unwettern verschont geblieben. So können die Blüten auf der bunten Blumenwiese, die den Besucher schon bei der Anfahrt begrüßen, ungestört leuchten. Vor allem die Kornblumen ragen heraus, auch der Mohn und im Hintergrund der Sonnenhut. „Fast alles ist selbst gezogen, zugekauft wird ganz wenig“, sagt Renate Hübsch, die schon als Kind jeden Ableger gezogen hat.

So etwa ab Anfang der 1980er Jahre habe man begonnen, den Garten systematisch zu gestalten. Rasenflächen, Nutzgarten, Ziergarten, alles ist bestens aufgegliedert und geht für den Betrachter doch stimmig ineinander über. So richtig loslegen kann die Familie freilich immer erst im Mai, denn Fischbach liegt auf fast 500 Meter über dem Meeresspiegel. Vorher spielt sich die Arbeit hauptsächlich in dem kleinen Gewächshaus ab, in dem jetzt im Spätsommer nur noch einige Gurken und Tomaten zu finden sind.

Überhaupt spielt das Thema Nutzgarten eine große Rolle. Zehn Kilogramm Johannisbeeren und zwei Kilogramm Heidelbeeren habe man heuer geerntet, sagt Renate Hübsch, die daraus hauptsächlich Marmelade kocht. Daneben gibt es Himbeersträucher, einen Pfirsichbaum, jede Menge Kräuter, vor allem Rosmarin und Thymian, und sogar einen kleinen Gartenteich, in dem die Frösche quaken.

Kein Wunder, dass ein derartiger Garten auch jede Menge Tiere anlockt. Insekten sowieso, Schwalben, Schwarzamseln, Eidechsen und Igel, aber auch ungebetene Gäste, wie eine Wühlmaus, die den Hübschs im vergangenen Jahr das Leben schwer gemacht hat. Seitdem Werner Hübsch einen Solarpiepser installiert hat, ist aber auch damit Schluss. Das Gerät ist so ziemlich das einzige, was aus dem Baumarkt stammt. Dekorationskitsch sucht man vergebens. Das alte Wagenrad hat früher lange Jahre gute Dienste getan und die Sitzgruppe muss einfach sein, schließlich war der Garten bereits Schauplatz von Betriebsfesten, Familienfeiern und sogar schon von einer kleinen Landmaschinenausstellung.

Stolz ist Werner Hübsch auf die kleinen Stützmauern, die nicht nur den Höheunterschied ausgleichen, sondern auch ein wesentliches Element der Gartengestaltung darstellen. Verkleidet sind die Betonmauern mit exakt 543 gesammelten Steinen aus der Region, die Renate und Werner Hübsch in mühsamer Puzzlearbeit zusammengesetzt haben. „Das war schon viel Arbeit“, sagt Werner Hübsch nicht ohne Stolz. Was die Arbeit angeht, so gibt es freilich immer etwas zu tun. Allein die Hecke um Garten und Haus herum hat eine Länge von 90 Metern. An einem Nachmittag ist der Schnitt nicht zu machen.

Unterstützt wird das sympathische Ehepaar von den vier Kindern und den sechs Enkeln, von denen drei in der Nachbarschaft leben. 25 Hektar Ackerland werden im Nebenerwerb noch von der Familie bewirtschaftet, hauptsächlich Getreide und Mais. Die 18 Milchkühe sind seit Mai Geschichte. Schon seit 2001 aufgegeben hat die Familie die Schweinemast mit zuletzt 120 Mastplätzen.

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10.07.2012

Kein Phantom: Der Wolf ist im Fichtelgebirge angekommen
Der Förster Ronald Ledermüller sieht keine Gefahr für den Menschen

Bayreuth. Wolf, Wildkatze, Luchs: „Wir müssen damit rechnen, dass diese Tiere im Fichtelgebirge auftauchen“, sagt Ronald Ledermüller (Bild), Förster und seit 2008 Gebietsbetreuer für den Naturpark Fichtelgebirge. Während der Wolf und die Wildkatze in jüngerer Vergangenheit nachgewiesen werden konnten, gebe es keinen anerkannten Nachweis für den Luchs, doch gerade sein Vorkommen hält Ledermüller für am Wahrscheinlichsten.

Drei Strategien stellte der studierte Forstwirt bei einer Veranstaltung des Freundeskreises Lindenhof, dem Umweltschutz-Informationszentrum des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), in Bayreuth vor: Akzeptanz steigern, Sorgen ernst nehmen und im Fall des Falles bei Schäfern und Landwirten für Schadensausgleich sorgen. Die Sache mit der Akzeptanz ist allerdings gar nicht so einfach, vor allem beim Wolf, das weiß auch Ledermüller. „Der Wolf weckt am meisten Emotionen“, sagt er und ist sich doch sicher, dass wir am wenigsten über ihn wissen.

„Wir haben die Erfahrung, mit diesen Tieren zu leben so gut wie verlernt“, so Ledermüller, dem am 29. Dezember des vergangenen Jahres zwei gerissene Hirschkälber am Schneeberg gemeldet wurden. Alles deutete auf einen Wolf hin. Die Auswertung gut drei Wochen später hatte Gewissheit gebracht. Am 20. Januar war ganz in der Nähe ein Wolf in eine Fotofalle getappt. Eine Auswertung des Bildes hatte eindeutig ergeben: der Wolf ist da. Eine Genanalyse der Spuren an den gerissenen Rotwildkälbern sorgte sogar noch für noch mehr Aufschluss. Die Experten fanden heraus, dass es sich um einen Wolf aus der Lausitz gehandelt haben muss.

„Können Wölfe für den Menschen gefährlich werden?“, mit dieser Frage werde er seitdem am meisten konfrontiert und Ledermüller antwortet zunächst mit einem klaren Ja. Nämlich dann, wenn der Wolf tollwütig ist, wenn seine Jungen angegriffen werden oder wenn er es gewohnt ist, bei Menschen Futter zu bekommen, aus Mülltonnen etwa. Diese drei Gründe würden allerdings auch auf andere Wildtiere zutreffen. Die Gefahr relativiere sich außerdem schnell bei einem Blick auf wissenschaftlich belegte Zahlen. Ganze fünf Tote seien innerhalb Europas durch Wolfsangriffe während der zurückliegenden 50 Jahre belegt. Dieser Zahl stünden beispielsweise 39 tödliche Hundeattacken binnen zehn Jahren in Deutschland gegenüber. Für Ledermüller ist deshalb klar: „Ein normal wildlebender Wolf stellt keine Gefahr für den Menschen dar.

Wohl aber für Nutztierhalter: Schafhalter müssten von ihren Tieren leben, deshalb könne der Wolf schnell zum Problem werden. Lässt man die Tiere unbeaufsichtigt könnte ein elektrischer Zaun Abhilfe schaffen. Notfalls seien auch wehende Bänder erwiesenermaßen relativ sichere Maßnahmen gegen einen Wolfsangriff. Sollte der Wolf dennoch den Zaun überschreiten, springe der Bayerische Naturschutzfond mit einer Entschädigung von 85 Prozent ein.

Noch weit vor dem Wolf wurde die Existenz der harmlosen Wildkatze im Fichtelgebirge durch ein überfahrenes Tier, das Ledermüller an der B 303 gefunden hatte, nachgewiesen. „Damit hatten wir am wenigsten gerechnet“, räumt er ein, da Wildkatzen eher Laubwälder und Gegenden bevorzugen, in denen die geschlossene Schneedecke eher die Ausnahme ist. „Das war schon eine kleine Sensation, da die Wildkatze eine bedrohte und wirklich seltene Tierart ist.“ Allein im zurückliegenden Jahr habe es dann vier weitere Nachweise für die Wildkatze gegeben, einmal bei Selb und gleich drei Mal in der Nähe von Pechbrunn.

Noch nicht sicher nachgewiesen ist dagegen der Luchs, wenngleich es in den zurückliegenden Jahrzehnten immer wieder Hinweise darauf gegeben habe. Luchse seien in den östlich angrenzenden Naturräumen nie ganz ausgerottet gewesen. „Vielleicht waren sie auch nie ganz ausgestorben“, so der Referent, dennoch werde der letzte offiziell erlegte Luchs in Bayern auf das Jahr 1846 datiert. „Das Charakteristische dieser Tiere ist es, dass sie so heimlich leben, dass keiner etwas davon merkt“, so Ledermüller, der die Suche nach dem Luchs mit der Jagd nach einem Phantom vergleicht. Allein für das Jahr 2009 verzeichnet er mehrere Sichtungen für den Bereich Fleckl, Warmensteinach, Bischofsgrün und Parkplatz Seehaus.

Für die Zukunft wünscht sich Ledermüller, dass sowohl Wildkatze und Luchs als auch der Wolf als positive Werbeträger für das Fichtelgebirge genutzt werden. Die Vorkommen zeigten die herausragende Stellung des Fichtelgebirges für die Artenvielfalt. Grund für diese Tatsache sei die Lage des Fichtelgebirges als Knotengebirge im Zentrum innerhalb der mitteleuropäischen Gebirgslandschaft. „Alle Tiere, die sich ausbreiten, kommen über kurz oder lang bei uns durch.“  Nicht zuletzt habe das Auftauchen dieser Tiere auch etwas mit dem Klimawandel zu tun, denn viele ausgestorben geglaubte Tiere wanderten wieder dorthin, wo es kühler ist, also gen Norden.

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29.06.2012

Fischerei seit einem halben Jahrtausend / Teichgenossenschaft Oberfranken zeichnete Markgrafenteiche in Selb als überregional bedeutsames Kulturgut aus

Selb, Lks. Wunsiedel. Mit dem Prädikat „Kulturgut“ sind die „Markgrafenteiche“ in Selb ausgezeichnet worden. Die Anlage könne auf eine über 500 Jahre alte Geschichte zurückblicken, begründete Dr. Peter Thoma, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken, die Auszeichnung.

Eine Besonderheit und gleichzeitig die Voraussetzung für die Verleihung des Prädikats sei es dabei, dass die „Markgrafenteiche“ noch immer bewirtschaftet werden. Zum Bestand gehören Karpfen, Rotfedern, Moderlieschen, Zander und Hechte. Mit der Auszeichnung einher geht nicht nur die Übergabe einer Urkunde an den Fischereiverein Selb, sondern auch die Aufstellung einer umfangreichen Informationstafel direkt am Ufer der Teichanlage. Sie soll Spaziergänger und Wanderer künftig über die wechselvolle Geschichte der Gewässer aufklären.

Zusammen mit dem Bezirk Oberfranken und deren Fachberatung für Fischerei nimmt die Teichgenossenschaft seit 1998 die Auszeichnung vor. Als wichtige Kriterien nannte Dr. Thoma unter anderem  die landschaftsprägende Bedeutung der Teiche, ihre besondere ökologische Gewichtung sowie den historischen Nachweis über eine seit Jahrhunderten andauernde Bewirtschaftung. Genau das sei in Selb der Fall, auch wenn von der ursprünglich zehn Teiche umfassenden Anlage nur mehr drei vorhanden sind. Die Zusammenarbeit aller Bewahrer der Teichwirtschaft habe es auch bei diesem Kulturgut möglich gemacht, die Teiche in ihrer von alters her überbrachten Nutzungsform der Nachwelt zu erhalten, sagte der Vorsitzende. Die Zahl der teichwirtschaftlichen Betriebe im gesamten Regierungsbezirk bezifferte er auf knapp 2200.

Die Entstehung der „Markgrafenteiche“ geht nachweislich bis in das 15. Jahrhundert zurück. Bereits zwischen 1412 und 1414 fiel das Gebiet um Selb, und damit auch die Teichflächen, der späteren Markgrafschaft Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth zu. Kurios mutet die Tatsache an, dass Markgraf Christian Ernst mit den Erträgen aus den Gütern in Selb und damit auch aus den Markgrafenteichen dazu benutzte, um das von ihm gestiftete Gymnasium Christian Ernestinum in Bayreuth zu finanzieren. Der spätere Markgraf Friedrich, Gemahl der berühmten Markgräfin Wilhelmine,  finanzierte wiederum mit den Einkünften aus den Selber Kammergütern die Gründung der Universität Erlangen.

Nach dem 30-Jährigen-Krieg gehörten die Teiche zweitweise der Stadt Eger, bis sie ein wohlhabender Gastronom zurückkaufte und der Stadt Selb zum Geschenk machte. Spätere Besitzer waren ab Mitte des 19. Jahrhunderts in der Regel Privatleute. Heute werden die „Markgrafenteiche“ vom Fischereiverein Selb bewirtschaftet, der sich nicht nur um den Fischbestand kümmert, sondern auch zum Großteil Besitzer der Anlage ist.

Landrat Karl Döhler bezeichnete die Markgrafenteiche nicht nur als größte Teiche im Landkreis Wunsiedel, sondern auch als echte Schmuckstücke und als Musterbeispiel für den Einklang von Ökologie und Ökonomie. Der Oberbürgermeister von Selb Wolfgang Kreil erinnerte daran, dass die Markgrafenteiche direkt an die historische Verbindungstrasse von Selb nach Eger angrenzen. Was heute ein verträumter Waldweg ist, sei früher eine bedeutende Verbindung gewesen, die während des 30-Jährigen Krieges an die 60000 Soldaten durchzogen.

 

Bilder:
1.
Landrat Karl Döhler (links) und der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Peter Thoma enthüllten eine Informationstafel am Uferstreifen der Markgrafenteiche bei Selb. Die Tafel weist die Teichanlage als historisches Kulturgut aus.
2. Der Oberbürgermeister von Selb Wolfgang Kreil, Peter Thoma von der Teichgenossenschaft Oberfranken, Landrat Karl Döhler und der stellvertretende Vorsitzende des Fischereivereins Selb Karl Höllering (von links) vor der neuen Informationstafel: Die Tafel weist die Markgrafenteiche als historisches Kulturgut aus.
3.
Hier wird seit 500 Jahren eine aktive Teichwirtschaft betrieben: Die Markgrafenteiche bei Selb im Landkreis Wunsiedel.

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22.06.2012

Grünlandnutzung weiter möglich:
Krumbach soll künftig nicht mehr über seine Ufer treten /
Brunner stellte beispielhafte Hochwasserschutzmaßnahme im Landkreis Amberg-Sulzbach vor

Moos, Landkreis Amberg-Sulzbach. Von einem „besonders gelungenem Projekt einer Stadt-Land-Partnerschaft“, von „vier Kommunen, die erfolgreich an einem Strang ziehen“, und von einem „Paradebeispiel für eine gelungene interkommunale Zusammenarbeit“ war die Rede bei der Vorstellung der Hochwasserschutzmaßnahme Krumbach im oberpfälzischen Landkreis Amberg-Sulzbach. Beim „Krumbach-Projekt“ sei beispielhaft eine Lösung verwirklicht worden, die gleichzeitig der Gewässerentwicklung und dem Hochwasserschutz dient, und die nicht zu Lasten der Landwirte geht, sagte Landwirtschaftsminister Helmut Brunner bei einem Ortstermin.

Ziel des Projektes war der Hochwasserschutz für die drei Landkreisgemeinden Freudenberg, Hirschau und Kümmersbruck im Landkreis Amberg-Sulzbach sowie für die kreisfreie Stadt Amberg. Immer wieder war der durch alle vier Kommunen verlaufende, 15 Kilometer lange und später in die Vils mündende Krumbach bei Starkregen über die Ufer getreten und hatte immense Schäden angerichtet. „Wir wollten derartige Vorkommnisse für die Zukunft vermeiden und einen effektiven Hochwasserschutz erreichen“, so der Amberger Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer. Obwohl das Projekt erst im Herbst dieses abgeschlossen sein wird, stehe jetzt schon fest, dass es erfolgreich sein wird.

Unter Federführung des Amtes für ländliche Entwicklung der Oberpfalz wurden dazu in den zurückliegenden Jahren über 100 Einzelgespräche mit den beteiligten 37 Grundstückseigentümern geführt, bis entsprechende Flächen für die Renaturierung des Gewässers und die Ausweisung eines Uferschutzstreifens zur Verfügung standen. Nach den Worten von Landwirtschaftsminister Brunner wurden gut sechs Hektar Fläche erworben, der Rest, also rund 60 Hektar, könnten im Eigentum der Landwirte verbleiben und als Grünland genutzt werden.

Auf einem rund 1,6 Kilometer langen und 30 Meter breiten Streifen kann der Krumbach zwischen der Ortschaft Moos und der Stadt Amberg künftig sogar wieder frei mäandrieren. Durch mehrere Bodenwellen wird das Wasser zurückgehalten, beziehungsweise der Abfluss verzögert. Die Bodenwellen fügen sich dabei nicht nur harmonisch in die Landschaft ein, sie können auch mit landwirtschaftlichen Maschinen befahren und bewirtschaftet werden. Insgesamt könne mit dieser Maßnahme das beachtliche Volumen von bis zu 180000 Kubikmeter Wasser zurückgehalten werden, sagte Brunner.

Laut dem Minister fallen für die privaten Grundstückseigentümer weder Kosten an, noch haben sie einen Landabzug zu tragen. Die rund eine Million Euro Investitionskosten für die Hochwasserschutzmaßnahme werde von der bayerischen Verwaltung für ländliche Entwicklung mit nahezu 90 Prozent gefördert.

Besonders positiv sei es für die Landwirte gewesen, dass neben dem Gewässerumbau auch eine Flurneuordnung einherging, sagte der 1. Bürgermeister von Kümmersbruck, Richard Gaßner. Grundstückseigentümer und Pächter hätten dadurch den Vorteil, größere und besser nutzbare landwirtschaftliche Grundstücke zur Verfügung zu haben.

Gaßner versprach sich außerdem weitreichende Auswirkungen durch die Maßnahmen auf die folgenden Gewässer Vils, Naab und Donau. „Extreme Niederschläge müssen dort gebändigt werden, wo sie entstehen“, sagte er. Nicht dort, wo die Schäden auftreten, sondern wo sie entstehen, sollten sie bekämpft werden, pflichtete der Minister bei. Brunner: „Das Problem muss künftig wie im Landkreis Amberg-Sulzbach an der Wurzel gepackt werden.“

Bilder:
- Vor den Toren der Stadt Amberg entsteht derzeit ein bayernweites Vorzeigeprojekt in Sachen Hochwasserschutz.
- Stellten Handlungskonzepte für den Hochwasserschutz vor (von links): der 1. Bürgermeister von Kümmersbruck Richard Gaßner, Landwirtschaftsminister Helmut Brunner und Ambergs Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer.

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22.05.2012

Maria und Hans-Jürgen Lips betreiben den einzigen Bioland-Bauernhof in Bamberg und führen Besucher über die Landesgartenschau

Bamberg. Wie kommt die Ziegenmilch in die Flasche? Wie kommt der Honig ins Glas? Das sind nur zwei von vielen Fragen, auf die Maria und Hans-Jürgen Lips immer die passenden Antworten parat haben. Derzeit geben sie ihr Wissen auf der Landesgartenschau in Bamberg an Ausflügler, Schulklassen und Landfrauen weiter.

„Das Thema Nachhaltigkeit ist uns ganz wichtig“, sagen beide mit Blick über das sogenannte ERBA-Gelände. Früher sei hier eine riesige Industriebrache gewesen, mit der Landesgartenschau ist ein Paradies entstanden, nicht nur aber vor allem auch für Kinder. Immer dienstags heißt es auf der Landesgartenschau „Schule im Grünen“, und so führt das Ehepaar Lips auch heute wieder eine Schulklasse, die zehnte Klasse des Bamberger E.T.A.-Hoffmann-Gymnasiums durch die blühenden Gartenlandschaften am Stadtrand der Weltkulturerbestadt.

Maria und Hans-Jürgen Lips bewirtschaften seit 1982 in Wildensorg bei Bamberg, direkt unterhalb der nahe gelegenen Altenburg, einen Erlebnisbauernhof mit Schafen und Ziegen. Es ist ein klassischer Nebenerwerbsbetrieb mit Grünland, Kleegras, Gemüsebau, Streuobstwiesen und Direktvermarktung in einem kleinen Hofladen mit selbstgemachten Spezialitäten.  „Wir sind zur Zeit der einzige Bioland-Bauernhof in Bamberg“, sagt Lips. Auf den rund 14 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche baut das Ehepaar Gemüse und Obst nach den strengen Richtlinien des Bioland-Anbauverbandes an. 

Eigentlich ist Hans-Jürgen Lips gelernter Bankkaufmann, wenn auch mit landwirtschaftlichem Hintergrund. 1983 hatte er seinen seinen Beruf an den Nagel gehängt und begonnen, sich mit der Landwirtschaft zu beschäftigen. Als ländlicher Gästeführer, beziehungsweise als Erlebnisbäuerin wurden beide gefragt, ob sie ihr Wissen nicht hin und wieder den Besuchern der Landesgartenschau  nahe bringen wollten und so kam der Kontakt zu den Veranstaltern zustande.

Zuhause, bei ihren Führungen auf dem Hof lernen Kinder und Erwachsene die Schaf- und Ziegenhaltung kennen, gemeinsames Melken, Filtrieren der Milch und die Herstellung von Ziegenbutter gehören genauso dazu wie anschließende Kostproben von Ziegenmilch und Ziegenkäse. In einem weiteren Erlebnisangebot beschäftigen sich Maria und Hans-Jürgen Lips mit der Imkerei. „Willst Du Gottes Wunder sehen musst Du zu den Bienen gehen“, lautet eines der Lieblingszitate von Hans-Jürgen Lips, der den Besuchern auf seine ganz eigene humorvolle Art dabei erläutert, wo und wie die Biene den Nektar sammelt, ihn zum Bienenstock bringt und wie daraus Honig wird. Interessierte haben die Möglichkeit, die Frühjahrsblüte, die Befruchtung durch die Bienen und das Entstehen der Früchte kennen zu lernen. „Wir erklären die Entwicklung vom Ei bis zur fertigen Biene und bieten unseren fertig geschleuderten Honig zum Probieren an“, so Lips.

In weiteren Themenführungen geht es um Schafswolle und ihre Verwendung, um den früheren Weinanbau in und um Bamberg oder um das Landschaftsschutzgebiet „Altenburg“ in Bamberg. Daneben bietet das Ehepaar Kräuterführung am Südhang der Altenburg und durch den Wildensorger Kräutergarten an, klären über Getreidesorten auf oder veranstalten zusammen mit einem engagierten Helferteam bis zu 100 Kindergeburtstage pro Jahr auf ihrem Hof.

„Zuhause auf dem Betrieb als auch hier auf der Landesgartenschau möchten wir allen Interessierten nahe bringen, was es bedeutet, natürliche Ressourcen zu schützen und die Artenvielfalt unserer Kulturlandschaft zu erhalten“, sagt Maria Lips. Die Erzeugung gesunder Lebensmittel gehöre genauso dazu, wie ganz praktische Tipps zum Umweltschutz mit dem Einkaufskorb. Obwohl die Familie Lips in ihrem Hofladen ein breites Angebot von selbstgemachten Spezialitäten wie Landwurst, Schinken, Kuchen und Gebäck anbietet und außerdem einen festen Kundenstamm hat, merken auch sie mittlerweile, dass die Konkurrenz härter wird. „Es gibt einfach zu viele Biosupermärkte in Bamberg“, klagt Maria Lips und ist skeptisch, ob sich diese Entwicklung wieder umkehren lassen wird.

Auf der Landesgartenschau haben sie ihren eigenen Betrieb Anfang Mai drei Tage auf der Ausstellungsfläche des Landwirtschaftsministeriums präsentiert. Gleich neben den Kleingärten, über die sich das Ehepaar am meisten freut. Die Kleingärten gab es schon immer, sie wurden früher von den Beschäftigten der ERBA bewirtschaftet und zur Erholung genutzt. Im Zuge der Bauarbeiten für die Gartenschau hätten sie eigentlich weichen sollen. Erst nach entsprechendem Protest der Kleingärtner sagten ihnen die Verantwortlichen ein Bleiberecht zu, mittlerweile wurden die Gärten sogar aufgewertet und gelten als wertvoller Bestandteil der Gartenschau. „Auch das ist Nachhaltigkeit im besten Sinne“, so Hans-Jürgen Lips.

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28.04.2012

Fauna und Flora der Region erlebbar machen / Erstes Infozentrum für den Naturpark Fränkische Schweiz / Veldensteiner Forst eröffnet

Muggendorf. Der Naturpark Fränkische Schweiz/Veldensteiner Forst ist mit einer Fläche von 2300 Quadratkilometern einer der größten Naturparks in Deutschland und nach dem Altmühltal der zweitgrößte in Bayern. Er umfasst das gesamte Nördliche Frankenjura und reicht vom Obermaintal bei Lichtenfels im Norden bis zum Pegnitztal bei Hersbruck im Süden. Seit dem Wochenende hat der Naturpark sein erstes eigenes Informationszentrum. Es ist im alten Bahnhof von Muggendorf (Landkreis Forchheim) in der Fränkischen Schweiz beheimatet und informiert in mehreren Ausstellungsräumen auf insgesamt 175 Quadratmetern über alles, was die Region zu bieten hat, von Flora und Fauna über die Geschichte und Geologie der Region bis hin zur Dampfbahn, die noch immer den ehemaligen Bahnhof anfährt.

An derartigen Informationsmöglichkeiten habe es in der Fränkischen Schweiz bislang gefehlt, sagte Regierungsvizepräsidentin Petra Platzgummer-Martin bei der Einweihung. Nun aber sei das neue Zentrum strategisch hervorragend gelegen, unmittelbar an der Bundesstraße B470, an der Museumsbahnstrecke Ebermannstadt – Behringersmühle sowie am Flusslauf der Wiesent, die in den Sommermonaten von unzähligen Kajakfahrern genutzt wird.

Alles, was der Naturpark zu bieten hat, werde künftig in Muggendorf hervorragend präsentiert, sagte Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk. Was den Reiz, die Besonderheit und Einmaligkeit der Fränkischen Schweiz ausmacht, werde in dem neuen Infozentrum erlebbar und erfahrbar. Nach den Worten von Bürgermeister Helmut Taut wurde das Muggendorfer Bahnhofsgebäude in den 1920er Jahren errichtet. 1922 startete der reguläre Zugverkehr nach Forchheim und Gößweinstein. Bereits 1976 startete von Muggendorf aus der letzte planmäßige Personenzug. Seit 1980 verkehren auf einem Teil der Strecke jeweils an den Wochenenden zwischen Mai und Oktober historische Dampflokomotiven und Dieseltriebwagen des Vereins Dampfbahn Fränkische Schweiz. Die Strecke gilt als älteste Museumsbahn Frankens.

Das neue Informationszentrum hat rund 300000 Euro gekostet, 75 Prozent davon stammen aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung, der Rest entfällt auf Landesmittel und Gelder der Gemeinde, die außerdem das alte Bahnhofsgebäude eingebracht hatte. Der Bau wurde in den zurückliegenden beiden Jahren umfassend saniert und zu mehreren Ausstellungsräumen umfunktioniert. Das Erlanger Planungsbüro Impuls-Design hatte die umfangreiche Schau eingerichtet, zu der unter anderem eine große Modelleisenbahnanlage mit der Darstellung von Muggendorf, eine nachgestellte Szene der Erkundung einer für die Gegend typischen Höhle, sowie zahlreiche Informationstafeln und Installationen gehören.

Der Naturpark Fränkische Schweiz ist Heimat für rund 250000 Menschen in 70 Gemeinden, acht Landkreisen und drei Regierungsbezirken (Oberfranken, Mittelfranken und die Oberpfalz). Als Kernland gilt die traditionelle Ausflugs- und Urlaubsregion Fränkische Schweiz und der Veldensteiner Forst, als eines der größten geschlossenen Waldgebiete Bayerns. Gegründet wurde der Naturpark bereits 1968. Im Jahr 1995 wurde er in seinen heutigen Grenzen festgeschrieben.

Bilder:
- Direkt an der ehemaligen Eisenbahnstrecke im ehemaligen Bahnhof von Muggendorf liegt das neue Informationszentrum Naturpark Fränkische Schweiz/Veldensteiner Forst.

- Zahlreiche Installationen und Schautafeln machen die beliebte Ausflugs- und Urlaubsregion der Fränkischen Schweiz erlebbar.

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31.03.2012

Teichwirte ziehen Bilanz: Beste Fischernte seit Jahren / Umweltminister Huber sagt fränkischen Teichwirten weitere Unterstützung gegen Kormoran zu

Haid. Das Aischgründer Modellprojekt der sogenannten Kormoranvergrämung  zeigt Erfolg: „Durch die räumliche wie auch zeitliche Ausweitung von Kormoranabschüssen konnten wir im zurückliegenden Herbst die beste Ernte seit vielen Jahren einfahren“, sagte Teichwirt Fritz Nagel, der im unteren Aischgrund bei Haid im Landkreis Forchheim rund 60 Hektar Teichfläche bewirtschaftet. Nun fordern die Teichwirte eine Ausweitung des Modellprojekts durch eine ganzjährige Jagdzeit für den Kormoran sowie eine Ausdehnung der Jagd auch auf die bisherigen Schutzgebiete ohne bürokratische Erschwernisse.

Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen hatten die Teichgenossenschaften Oberfranken und Aischgrund den bayerischen Umweltminister Marcel Huber zu einem Frühjahrsabfischen in den oberfränkischen Teil des Aischgrundes eingeladen. Auch dabei bestätigte sich der Erfolg des Modellprojekts. Die Fischernte des Haider Weihers habe gezeigt, dass das Kormoranmanagement gelingt, sagte Huber. „Wir mussten lange suchen, bis wir einen vom Kormoran verletzten Fisch gefunden haben“, so Huber, der signalisierte, das Modellprojekt ab 2013 bayernweit umzusetzen.

Huber gab vor zahlreichen Teichwirten aus Ober- und Mittelfranken zu bedenken, dass der Verlust der Artenvielfalt ein wichtiges Thema sei und die Forderungen seitens der Naturschutzverbände durchaus ihre Berechtigung haben. Auf der anderen Seite seien auch die Bedürfnisse der Teichwirtschaft nicht von der Hand zu weisen. Es könne nicht angehen, dass einzelne Betriebe die immensen Schäden durch den Kormoran einfach so hinnehmen müssten.

Walter Jacob von der Teichgenossenschaft Aischgrund etwa bezifferte die Schäden an seinen Fischen auf 70 Prozent, erst mit Einführung der Kormoranvergrämung im zurückliegenden Jahr hätten sie sich auf 30 Prozent reduziert. Das sei sehr zu begrüßen, denn die Teichwirte wollten weder von Zuschüssen noch von Almosen des Staates leben, sondern vom Verkauf ihrer regionalen Produkte. Kommen die Teichwirte allerdings in Existenznöte, dann werde sich langfristig niemand mehr finden, der die fränkische Teichlandschaft mit ihrer Jahrhunderte alten Tradition bewirtschaftet. Schon jetzt sei die Altersstruktur der Teichwirte relativ hoch. Ohne langfristige Planungssicherheit werde die Teichwirtschaft  von jüngeren Nachfolgern nicht forstgesetzt werden.

Dies sei auch im Sinne der Bevölkerung, so Karl-Peter Schwegel aus Wüstenstein, stellvertretender Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken. Der Verbraucher frage gezielt nach heimischem Fisch und nach Produkten aus der Region nach. Die Teichwirte kämen diesem Bedürfnis in hervorragender Art und Weise nach. Wenn die Teichwirtschaft allerdings aufrechterhalten werden soll, müssten auch die fischfressenden Vögel an den Gewässern kurzgehalten werden.

Ungemach droht den Teichwirten allerdings nicht nur von Seiten des Kormorans, sondern auch von Biber und vom Fischotter. „Was wir beim Kormoran durchgemacht haben, kommt jetzt beim Biber“, sagte Walter Jakob. Er kritisierte vor allem dass die Problematik seitens der Kreisverwaltungsbehörden völlig unterschiedlich gehandhabt werde.

Bild: Bei einem Frühjahrsabfischen im Aischgrund legte Umweltminister Marcel Huber selbst Hand an und überzeugte sich von der hervorragenden Ernte, die der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Dr. Peter Thoma (links) im Wesentlichen auf das Modellprojekt der Kormoranvergrämung zurückführte. (Bild unten mit MdL Eduard Nöth aus Forchheim)

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09.09.2011

Fischgenuss mit Jahrhunderter alter Tradition
Teichgenossenschaft eröffnete oberfränkische Karpfensaison

Lautertal – Blau, gebacken, paniert und geräuchert, als Filet oder als Sülze: In den kommenden Monaten mit dem Buchstaben „R“ im Namen werden zahlreiche Gaststätten in Oberfranken wieder den Karpfen als typisch fränkisches Produkt auf ihren Speisekarten anbieten. Eröffnet wurde die Karpfensaison am Wochenende von der Teichgenossenschaft Oberfranken traditionell mit dem Abfischen eines Karpfenteichs, diesmal in Lautertal im Coburger Land. Dort feierte der Betrieb Forellen- und Fischzucht Lautertal von Werner Humann sein 50-jähriges Bestehen mit einem großen Hoffest.

Die ersten Karpfen der Saison fischte der Parlamentarische Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk aus dem Teich auf der großflächigen Anlage im Lautertal, wo die Karpfenproduktion bereits auf eine fast zwei Jahrhunderte alte Tradition zurückblicken kann. Vor genau 50 Jahren wurden die Fischteiche an der jetzigen Stelle errichtet, seit 1979 betreibt die Familie Humann die Anlage und hat sie seitdem mehrfach vergrößert und umfassend modernisiert. Vermarktet werden die Fische über den Groß- und Einzelhandel, über die Gastronomie, aber auch in eigenen Imbiss- und Verkaufswägen. Die weit über die Region hinaus bekannte Fisch- und Forellenzucht Humann gilt in ganz Oberfranken als einziger Fischbetrieb, der seit 2009 auch eine EU-Zulassung besitzt.

Karpfen sind eines der gesündesten Lebensmittel überhaupt, sagte Staatssekretär Koschyk, der als Vorgänger des jetzigen Vorsitzenden Dr. Peter Thoma bis 2007 selbst an der Spitze der Teichgenossenschaft Oberfranken stand. Dieser Zusammenschluss umfasst rund 1000 Teichwirte aus allen Teilen des Regierungsbezirks, in der Regel Landwirte im Nebenerwerb. Die Erzeuge von Karpfen in Oberfranken erfolge artgerecht und naturverträglich und könne jederzeit komplett nachvollzogen werden, so Koschyk.

Fischzuchtbetriebe, die über moderne Vermarktungseinrichtungen verfügen und den Karpfen frisch geschlachtet anbieten, gebe es in jedem oberfränkischen Landkreis. Damit seien nicht nur absolute Frische und beste Qualität, sondern auch kurze Wege vom Erzeuger zum Verbraucher garantiert. Die Karpfenteiche in der Region seien aber noch viel mehr als reine Produktionsstätten. Sie würden zur Grundwasserneubildung beitragen, minderten den Hochwasserabfluss, wirkten der zunehmenden Landversiegelung entgegen und speicherten das Wasser in der Fläche.

Deshalb sei der Karpfen in Oberfranken auch ein kulinarisches Kulturgut, sagte Bezirksrat Wolfgang Hoderlein in Vertretung von Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Seinen Worten zufolge werden im Regierungsbezirk jährlich rund 700 Tonnen Karpfen aus 2500 Teichen aufgezogen und verspeist. Neben ihrer Funktion als Wasserspeicher seien diese Teiche auch ein wichtiger Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. „Die Teichwirtschaft ist damit ökologisch und extrem oberfränkisch“, so Hoderlein.

Nach Aussage von Fachleuten können die Verbraucher heuer trotz der Witterungsschwankungen mit besonders guten Qualitäten beim Karpfen rechnen. Vor allem die kühlen Temperaturen im Juli und Anfang August hätten für ein langsames Wachstum der Fische gesorgt, das Fleisch sei deshalb fest und schmackhaft. Bayern gilt als Deutschlands größtes Karpfen-Erzeugerland: Hier wird auf einer Gesamtteichfläche von rund 20000 Hektar mehr als die Hälfte der gesamten deutschen Karpfenmenge produziert. Schwerpunkte sind Ober- und Mittelfranken sowie die Oberpfalz mit jeweils einem Drittel der bayerischen Erntemenge.

Bild: Der Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken, Dr. Peter Thoma aus Wunsiedel, der Coburger Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach und Staatssekretär Hartmut Koschyk (von links) fischten zur Eröffnung der Karpfensaison 2011/2012 die ersten Fische aus den Teichen von Werner Humann im Lautertal bei Coburg.

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03.09.2011

Sanfter Tourismus am Eldorado-Felsen
Neuer zentraler Anlaufpunkt für Klettersportler in der Fränkischen Schweiz

Obertrubach  - 1000 Felsen, 12000 Routen und 180 Kilometer Kletterstrecke: Die Fränkische Schweiz und ihre benachbarten Regionen sind wichtige Anziehungspunkte für Sportkletterer aus dem In- und Ausland. Mit dem neuen Kletter-Info-Zentrum in Obertrubach (Landkreis Forchheim) haben alle aktiven Kletterer, aber auch Interessierte und deren Familien einen neuen Anlaufpunkt.

„Das Infozentrum ist die einzige touristische Infrastrukturmaßnahme, die aus Mitteln des zweiten Konjunkturpakets in ganz Oberfranken bewilligt wurde“, sagte Thomas Engel von der Regierung von Oberfranken bei der Einweihung am Wochenende. Bürgermeister Willi Müller nannte das Trubachtal den Mittelpunkt des Klettersports in der gesamten Fränkischen Schweiz. Das Kletterzentrum sei genau der richtige Weg, um den sanften Tourismus in der Fränkischen Schweiz zu etablieren, so der Parlamentarische Finanzstaatssekretär und Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Bayreuth/Forchheim Hartmut Koschyk. Der Politiker bezeichnete es als überaus wichtig für die Zukunft, verstärkt die Zielgruppe der Familien anzusprechen und auf „Tourismus im Einklang mit der Natur“ zu setzen. Grundsätzlich gehe es bei allen derartigen Projekten um einen vitalen ländlichen Raum, sagte Anton Hepple, Leiter des Amtes für ländliche Entwicklung in Oberfranken. Dazu gehöre die Steigerung der Wertschöpfung genauso, wie verbesserte und neue Angebote an Urlauber, Sportler und Naherholungssuchende.

Kletterexperte Sven König hatte für das Zentrum zusammen mit dem Büro Landimpuls aus Regenstauf sechs großformative Informationstafeln mit Texten und Bildern entworfen, die  den Betrachter mitnehmen auf die Touren vom Staffelberg im Landkreis Lichtenfels ganz im Norden  quer durch die Fränkische Schweiz bis nach Kastl im Lauterachtal im Süden. Ausführlich beschrieben werden dabei die Routen mit Informationen über die jeweiligen Felsen  und die verschiedensten Klettertechniken.

In erster Linie Kinder und Jugendliche sollen an dem Info-Punkt mit verschiedenen Probierstationen angesprochen werden. Dazu gibt es eine riesige, sechs Meter hohe Seilpyramide, eine sogenannte Boulderwand, also ein kleiner künstlicher Felsen, und einen Balancierlauf. Zum Infozentrum gehören außerdem ein kleiner Juragarten, der die typische Vegetation des Felsens aufzeigt, der ansprechend gestaltete Bachlauf der vorüberfließenden Trubach und der nahegelegene Kneipp-Pfad. Mehrere Ruhebänke laden  zur Rast ein, auf den großzügigen Wiesenflächen können Kinder nach Herzenslust herumtollen. Gleich nebenan thront der in Kletterkreisen bekannte „Eldorado“-Felsen, der selbst für versierte Könner wegen seiner starken Überhänge eine echte Herausforderung ist.

Das Kletter-Info-Zentrum Fränkische Schweiz geht auf eine Initiative des Wirtschaftsbandes A9/Fränkische Schweiz, eines Zusammenschlusses von 18 Kommunen der Landkreise Bayreuth und Forchheim entlang der Bundesautobahn A9, zurück. Drei Jahre lang wurde geplant und ein Jahr lang gebaut. Die Kosten für das Zentrum bezifferte Bürgermeister Müller auf 320000 Euro, rund die Hälfte stammt aus Fördertöpfen, darunter auch europäische Leader-Mittel. Die andere Hälfte stammt vom Landkreis, und der Gemeinde, sowie aus einem Zuschuss der Forchheimer Sparkasse.

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21.07.2011

Mit neuer Energie ins Netz – Wertschöpfung bis zu 50 Millionen Euro jährlich möglich / Ministerin Aigner startete kommunales Informationssystem für erneuerbare Energien

Bayreuth. 90 Prozent der Fläche im Landkreis Bayreuth werden land- und forstwirtschaftliche genutzt. „Damit ist die Bioenergieregion startklar“, sagte Landrat Hermann Hübner bei der Freischaltung des „Kommunalen Informationssystems Erneuerbare Energien“ im Bayreuther Landratsamt. Mit dem Sieg im entsprechenden bundesweiten Projektwettbewerb habe die Bioenergieregion vor zwei Jahren gewaltig an Fahrt aufgenommen, so Hübner weiter. Einen weiteren Schub erhält das ehrgeizige Projekt jetzt mit der offiziellen Online-Schaltung des Informationssystems durch Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner. Auf der Internet-Plattform www.kommunales-informationssystem.de sollen künftig alle Verantwortlichen für ähnliche Projekte ihre Erfahrungen austauschen und einbringen können, um die Energiewende noch schneller Wirklichkeit werden zu lassen.

„Genau das ist der richtige Weg“, sagte die Ministerin vor dem Hintergrund der schrecklichen Ereignisse in Fukushima. Aigner verteidigte nachdrücklich den Entschluss, den Atomausstieg zu forcieren. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir es schaffen, wenn nicht wir, wer dann?“, so die Ministerin. Dabei dürfe nicht nur den Ausstieg immer wieder hervorgehoben, vielmehr sollte auch der Einstieg in die erneuerbaren Energien deutlich gemacht werden. Notwendig sei dazu eine Steigerung der Effizienz der Erneuerbaren Energien, aber auch das Werben um Akzeptanz in der Bevölkerung und genau die soll durch die neue Plattform erreicht werden.

Die Bioenergieregion Bayreuth war 2009 im Wettbewerb des Bundeslandwirtschaftsministeriums als einer der Sieger hervorgegangen. Insgesamt sollen dabei bis zu 400000 Euro an Fördergeldern bis Mitte 2012 in Stadt und Landkreis Bayreuth sowie einige Gemeinden darüber hinaus entlang des Wirtschaftsbandes A9 fließen, um eine selbstständige Modellregion zu schaffen, deren Konzepte künftig auch auf andere Regionen übertragen werden können.

Langfristiges Ziel der Bioenergieregion ist es, die Abhängigkeit von Energieimporten zu verringern, die Wertschöpfung vor Ort zu erhöhen und den ländlichen Raum zu stärken. Dazu ist unter anderem vorgesehen, den Anteil regional erzeugter Bioenergie am Endenergieverbrauch der Privathaushalte in der Region von aktuell unter 20 auf über 50 Prozent zu erhöhen. Neben der Umweltbildung sollen dazu auch die Themen Information und Verbraucheraufklärung eine wichtige Rolle spielen. Mit neuen Materialien zum unterhaltsamen Lernen und entsprechenden didaktischen Konzepten könnten Schulen und Umweltbildungseinrichtungen den Zugang zu dem Thema erleichtern.

Die Projektverantwortlichen sehen in der verstärkten Förderung der Bioenergie ein riesiges Potenzial mit neuen Arbeitsplätzen und einer direkten Wertschöpfung von bis zu 50 Millionen Euro jährlich, allein durch den Verkauf der Biomasse. Indirekt soll das Potenzial beim Zehnfachen liegen, etwa durch den Bau neuer Anlagen oder die Errichtung entsprechender Nahwärmenetze.

Zur Bioenergieregion Bayreuth gehören neben der Stadt und dem Landkreis Bayreuth auch die interkommunale Arbeitsgemeinschaft „Integrierte ländliche Entwicklung Wirtschaftsband A9“ und damit auch einige Gemeinden aus dem Landkreis Forchheim. Insgesamt umfasst die Bioenergieregion eine Fläche von 1500 Quadratkilometern mit 200000 Einwohnern. Konzipiert wurde die letztlich erfolgreiche Bewerbung um den Preis der Bioenergieregionen vom 2008 gegründeten Regionalmanagement Stadt und Landkreis Bayreuth, an der beide Gebietskörperschaften paritätisch beteiligt sind. Neben Bayreuth wurden im Freistaat auch die Bioenergieregionen Achental und Oberland in Oberbayern und Straubing-Bogen in Niederbayern als Bundessieger ausgezeichnet.

Bilder:
- Die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer, Landrat Hermann Hübner, der Parlamentarische Staatssekretär Hartmut Koschyk und Bayreuths Oberbürgermeister Michael blicken über die Schulter von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner, die gerade das neue Kommunale Informationssystem für erneuerbare Energien freigeschaltet hatte.
- Zusammen mit den Bürgermeistern der Arbeitsgemeinschaft „Integrierte ländliche Entwicklung Wirtschaftsband A9 hat Bundesministerin Ilse Aigner das neue Informationsportal im Bayreuther Landratsamt vorgestellt.

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16.07.2011

Touristischer Anziehungspunkt und teichwirtschaftliches Juwel
Karpfen, Zandern und Hechte: Thurnauer Schlossweiher trägt ab sofort das Prädikat „Kulturgut Teich“

Thurnau – Der Schlossweiher von Thurnau ist offiziell zu einem überregional bedeutsamen Kulturgut erklärt worden. Der Weiher präge seit über 300 Jahren das gesamte Ensemble, er werde bis heute teichwirtschaftlich genutzt und trage maßgeblich zum Erhalt der Artenvielfalt bei, heißt es auf der Urkunde, die Landtagsvizepräsident Peter Meyer an Bürgermeister Dietmar Hofmann überreichte. Vergeben wird die Auszeichnung „Kulturgut Teich“ seit 1998 von der Teichgenossenschaft Oberfranken. Dokumentiert wird die Auszeichnung durch eine Informationstafel, die direkt am Ufer in unmittelbarer Nähe zum Schloss platziert wurde.

Neben einer traditionsreichen Geschichte komme es dabei vor allem auf die landschaftsprägende und ökologische Bedeutung an, erläuterte der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Dr. Peter Thoma. Die Auswahl treffe dabei eine Jury, die sich aus Vertretern der Teichgenossenschaft, des Bezirks Oberfranken und dessen Fachberatung für Fischerei besteht. Aufgrund seiner traditionsreichen Geschichte stelle der Schlossweiher innerhalb der oberfränkischen Teichlandschaft ein herausragendes Kulturgut dar, begründete Thoma die Entscheidung für Thurnau.

Die älteste bildliche Wiedergabe des Thurnauer Schlossweihers geht auf einen Stich aus dem Jahr 1710 zurück. Mitte des 19. Jahrhunderts sollte der Weiher trockengelegt und in landwirtschaftliches Areal umgewandelt werden. Der Chronik zufolge sei diesem Vorhaben aber kein durchschlagender Erfolg beschieden gewesen. Über 100 Jahre lang habe sich das Gelände als sumpfige Weiherwiese präsentiert. Erst 1975 beschloss der Markt die Umarbeitung des damals als „Brennesselloch“ bezeichneten Geländes in die Naherholungsanlage Schlossweiher umzuwandeln, die drei Jahre später in der heutigen Gestalt eröffnet wurde. Der Schlossweiher ist rund 1,4 Hektar groß und bis zu 1,80 Meter tief. Der Fischbesatz besteht unter anderem aus Karpfen, Rotfedern Moderlieschen, Zandern und Hechten. Eigentümer des Weihers ist die Familie des Freiherrn Hiller von Gaertringen, Pächter der Markt Thurnau.

Der Schlossweiher von Thurnau sei ein Paradebeispiel dafür, wie Ökologie und Ökonomie in Einklang gebracht werden können, sagte Landtagsvizepräsident Meyer. Er bezeichnete den Weiher vor dem Schloss als eines der beliebtesten Postkartenmotive Oberfrankens.  Um den Beweis anzutreten, dass der Thurnauer Schlossweiher die durchaus anspruchsvollen Kriterien eines Kulturguts erfülle, sei in den zurückliegenden Monaten einiges an Recherchearbeiten notwendig gewesen, so der Thurnauer Bürgermeister Dietmar Hofmann. Die kulturhistorische Bedeutung des Gewässers sei unbestritten und habe als Fischgewässer mit reichlichem Besatz eine herausragende Bedeutung.

„Teiche wie der in Thurnau prägen und bereichern das Landschaftsbild, sie verbessern das Kleinklima in ihrem Umfeld und sind wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen“, sagte Bezirkstagvizepräsident Eberhard Siller. Teiche speicherten aber auch das Wasser in der Fläche, eine Funktion, die vor dem Hintergrund des Klimawandels in Zukunft immer wichtiger werde. Der dauerhafte Erhalt eines solchen Gewässers und seine teichwirtschaftliche Nutzung gehörten unabdingbar zusammen“, so Matthias Zrenner, Geschäftsführer des Verbandes Bayerischer Berufsfischer (VBB). Die Auszeichnung soll deshalb auch herausstellen, wie wichtig die fischereiliche Nutzung der Gewässer ist.

Bild: Bezirksrat Klaus Förster, Bürgermeister Dietmar Hofmann, Landtagsvizepräsident Peter Meyer, Landrat Klaus Peter Söllner, Bezirkstagsvizepräsident Eberhard Siller und der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Dr. Peter Thoma (von links) haben die neue Informationstafel am Ufer des Thurnauer Schlossweiher enthüllt.

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15.12.2010

Monsterhecht und blaue Äschen

 Aufseß – Diesen rund 1,10 Meter langen Hecht haben Mitarbeiter der Lehranstalt für Fischerei in Aufseß im Zuge von Gewässererkundungen bei Elektroabfischungen im Main bei Breitengüßbach (Landkreis Bamberg) gefangen. Der rund 25 Pfund schwere und schätzungsweise zwölf bis 14 Jahre alte Fisch ist derzeit in einem Becken der Lehranstalt untergebracht und soll voraussichtlich zu Unterrichtszwecken präpariert werden, so der Leiter der Lehranstalt Ronny Seyfried (Bild). In der Einrichtung des Bezirks Oberfranken gibt es zurzeit neben Aalen, Zandern, Karpfen und Schleien auch seltenere Gewässerbewohner wie etwa Teichmuscheln und Krebse. Sie alle zeigten die immensen Artenvielfalt in den oberfränkischen Gewässern, sagt Fischereifachberater Robert Klupp. Diese Vielfalt dürfe nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Besonders zu schaffen macht den oberfränkischen Fischern und Teichwirten seit Jahren der Kormoran. Auch in Fließgewässern treibe dieser Raubvogel sein Unwesen, so Klupp. So würden besonders Äschen unter dem Kormoran leiden. In Aufseß hat man sich deshalb besonders dem Schutz der Äsche verschrieben, von denen derzeit einige ganz besondere Exemplare in der Lehranstalt zu besichtigen sind. Es handelt sich dabei um mutierte Äschen, die durch eine Laune der Natur blau gefärbt sind.

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26.10.2010

Keine Überlebenschance für die Fichte
Meteorologe Wolfgang Seiler befürchtet dramatische Auswirkungen des Klimawandels, sieht aber auch Chancen

Bayreuth – Tiefer gelegene Gebiete werden aufgrund des Klimawandels künftig den Wintertourismus aufgeben müssen. Davon ist der Meteorologe Wolfgang Seiler von der Universität Augsburg fest überzeugt. Bei den Bayreuther Dialogen, einer Veranstaltung des Studiengang Philosophy & Economics am Wochenende in Bayreuth, stellte der Professor aber auch klar, dass die selbst in den Alpenregionen kürzer werdende Saison nur eine der harmlosen Auswirkungen der globalen Klimaveränderung sein werden.

„Im Sommer werden auch bei uns die Spitzentemperaturen zunehmen“, so Seiler. Der langjährige Direktor des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung  in Karlsruhe sagt voraus, dass der Rekordsommer 2003 mit seinen vielen Hitzetoten in unseren Breiten zur Normalität wird. Als Folge ist mit einer starken Ausbreitung von Viren sowie mit einem Anstieg der Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu rechnen. Auch heftige Stürme und Tornados sollen dem Wissenschaftler zufolge in unserer Region kein Einzelereignis mehr bleiben. Keine Überlebenschance gibt Seiler dem Baum, der dem Fichtelgebirge seinen Namen gegeben hat: der Fichte. Während sich die Landwirtschaft mit neuen und anderen Pflanzen relativ schnell anpassen wird, stehe die Forstwirtschaft vor erheblichen Problemen. Mit dem Aussterben der Fichte sei in unseren Breiten jedenfalls fest zu rechnen.

Im Gegensatz zu den globalen Auswirkungen des Klimawandels seien dies alles noch moderate Folgen. Seiler spricht weltweit von erheblichen politischen Spannungen, von großen Wanderungsbewegungen bis hin zu Kriegen, die nach den Worten des Wissenschaftlers künftig nicht mehr um Öl, sondern um Wasser geführt werden. Die reichen Länder, also die Verursacher des Klimawandels würden am wenigsten betroffen sein. Härter werde es die armen Länder treffen, die Regionen also, die für den Klimawandel gar nichts können. „Wenn das Wasser knapp wird, steht auch die Nahrungssicherheit auf dem Spiel. Seiler geht davon aus, dass sich dann viele Menschen auf den Weg machen werden und sieht eine Wanderungsbewegung, die niemand mehr aufhalten könne. Eine andere Möglichkeit sei das Entstehen eines neuen Kolonialismus. Schon heute hätte sich China 200000 Hektar Land in Simbabwe gesichert, um die Nahrungsmittelsicherheit für die eigene Bevölkerung sicherstellen zu können.

Der Referent bezeichnete den Klimawandel als eine der größten Herausforderungen des Jahrhunderts. Eine Vielzahl von Indikatoren spreche dafür, dass der Klimawandel längst Realität ist. „Wir müssen etwas tun, um den Klimawandel einigermaßen in den Griff zu bekommen, oder zumindest, um Anpassungsstrategien zu entwickeln“, so Seiler. Leider fehle zum Umsteuern noch immer der politische Wille, auch der Leidensdruck sei einfach noch nicht gegeben. Viel erreichen könne man beispielsweise damit, dass zumindest ein Teil der Gewinne aus dem Betrieb der Kernkraftwerke in den Klimaschutz fließen würden. Die Laufzeitverlängerung für die deutschen Meiler sei positiv, wenn das erwirtschaftete Geld wieder dem Klima zu Gute käme, sagt Seiler und verweist darauf, dass ein einziges Kernkraftwerk pro Tage eine Million Euro Gewinn abwirft.

Nach den Worten des Meteorologen würde aber auch das gesamte Windaufkommen von Nord- und Ostsee ausreichen, um ganz Europa mit Energie zu versorgen. Überhaupt sieht Seiler eine große Chance in erneuerbaren Umwelttechniken. Als Chance aus dem Klimawandel könnten mit Hilfe dieses Sektors eine Vielzahl neuer Arbeitsplätze geschaffen werden, was wiederum zum Erhalt des sozialen Friedens beitragen würde. „Hier entsteht gerade ein Riesenmarkt“, so Seiler der eine vorausschauende Klimapolitik nicht nur als beste Wirtschaftspolitik, sondern auch als Basis für die nationale Sicherheit bezeichnet.

Bild: „Wir sind in eine Situation hineingeraten, aus der wir unbedingt heraus müssen“: Der Meteorologe Wolfgang Seiler von der Universität Augsburg sieht im Klimawandel auch eine Chance.

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01.10.2010

Emmer, Erdäpfel und Rebhuhn-Zoigl / Modellgemeinde Biodiversität: Im oberpfälzischen Tännesberg werden Umwelt- und Naturschutz groß geschrieben

Behörden, Bauernverband und Bund Naturschutz: „Das Besondere ist, dass alle zusammenarbeiten und an einem Strang ziehen.“ Hans-Peter Klünner, Zweiter Bürgermeister von Tännesberg, bezeichnet das vor gut einem Jahr gestartete Projekt „Bayerische Modellgemeinde Biodiversität Tännesberg“ als Erfolgsstory. Nirgendwo in Bayern laufen so viele Bayernnetz-Naturschutzprojekte wie in der kleinen Gemeinde in der Oberpfalz, in kaum einem anderen Ort sind die drei landesweit agierenden Naturschutzorganisationen (Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz und Stiftung Wildland) zusammen mit der Kommune und dem Naturpark daran beteiligt. Bundesweit ganz vorne ist Tännesberg bezogen auf die Einwohnerzahl von 1500 auch bei den Ausgaben für Umwelt und Naturschutz: 55000 Euro sind heuer dafür bereitgestellt worden, 85000 sollen es im kommenden Jahr sein.

Die biologische Vielfalt, der Reichtum an Arten und Lebensräumen, ist Grundlage der landschaftlichen Schönheit Bayerns. Die Vielfalt macht den Reiz der Landschaft aus, sie ist Voraussetzung für Erholung und Tourismus sowie Basis für gesunde Lebensmittel und sauberes Wasser. Trotz aller Bemühungen ist die biologische Vielfalt (Biodiversität) weltweit bedroht. Die Roten Listen der gefährdeten Arten werden immer länger, die Auswirkungen des Klimawandels sind noch gar nicht absehbar. Anlässlich der Naturschutzkonferenz der Vereinten Nationen 2008 in Deutschland hat die Bayerische Staatsregierung eine Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt beschlossen, mit deren Hilfe Arten- und Sortenvielfalt bewahrt, das landesweite Biotopnetz noch enger geknüpft und die Umweltbildung verstärkt werden soll.

Die idyllische Marktgemeinde Tännesberg (Landkreis Neustadt an der Waldnaab) im Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald hat in den zurückliegenden Jahren schon mehrere Naturschutzprojekte erfolgreich umgesetzt. So wurde dort nicht nur die Artenvielfalt wild lebender Tiere und Pflanzen gefördert, sondern auch auf alte Nutztierrassen wie der Rinderrasse Rotes Höhenvieh und alter Kultursorten wie der Weizenart Emmer großer Wert gelegt.

Um neue Quellen zu schließen und die Wasserqualität zu sichern sei bereits Anfang der neunziger Jahre das Projekt Kainzbachtal gestartet worden. Moore wurden dort wieder freigelegt, die Fichtenaufforstung nahm man aufgrund der Übersäuerung zurück, Streuobstwiesen säumen seitdem den Kainzbach. Das Tal bietet heute einer Vielzahl seltener Tiere und Pflanzen einen wichtigen Lebensraum. Sowohl das Ackerwildkraut Kornrade, die Vogelart Bekassine, der Schwarzstorch, die Kreuzotter, oder verschiedene Libellenarten: sie alle sind vom Aussterben bedroht, aber um Tännesberg herum wieder anzutreffen. Zur Beweidung der umliegenden Flächen, wurde kurz darauf das Rotvieh-Projekt ins Leben gerufen. Die ursprüngliche oberpfälzer Rinderart steht heute auf der Liste der bedrohten Rinderrassen, die ersten Tiere seien in Tschechien und in Sachsen angekauft worden, erinnert sich Klünner. Die Landwirte waren dem Projekt von Anfang an aufgeschlossen gegenübergestanden, mittlerweile gebe es vier Landwirte, die wieder Rotvieh halten, obwohl die Förderperiode für das Projekt längst ausgelaufen ist.

Noch ein Naturschutzprojekt fällt dem Zweiten Bürgermeister, der auch Jagdpächter ist, spontan ein: Das Rebhuhn-Projekt. Hier taten sich die Jäger besonders hervor, indem sie Hecken angepflanzt, alte Kartoffel- und  Getreidesorten wie Emmer, Einkorn oder Dinkel wieder belebt hatten und so einen idealen Lebensraum für das Rebhuhn schufen. Davon profitiert wiederum der Verbraucher. Was auf den „Rebhuhn-Äckern“ wächst, kann der Feinschmecker in der Bäckerei Spickenreither am Marktplatz als Rebhuhn-Loibl kaufen, das aus den Urgetreidesorten handwerklich eingebraute Rebhuhn-Zoigl gilt unter Bierkennern längst als Geheimtipp.

Dies alles seien wichtige Gründe dafür, warum die 1500-Einwohner-Gemeinde vor rund einem Jahr zur Bayerischen Modellgemeinde Biodiversität ausgewählt wurde, erklärt Agraringenieur Thomas Schwarz, von der regionalen Entwicklungsgesellschaft „landimpuls“ aus Regenstauf, die das Management für die Modellgemeinde übernommen hat. Als Ziele des Projektes bezeichnet er es, eine Strategie zum Erhalt und zur Förderung der biologischen Vielfalt zu entwickeln, die einmalige Kulturlandschaft zu erhalten und das Bewusstsein für die biologische Vielfalt in der Bevölkerung zu stärken. Dazu werden nicht nur die bereits bestehenden Projekte fortgeführt, sondern auch eine ganze Reihe weiterer Maßnahmen angestoßen und durchgeführt. Dazu gehören die Errichtung eigener Themenwanderwege, Angebote zum aktiven Naturerleben oder zur Naturvermittlung beispielsweise in den Schulen. Daneben ist der Ankauf von über sechs Hektar naturschutzfachlich wertvoller Flächen bereits in Vorbereitung und soll noch heuer abgeschlossen werden.

Von den Projekten profitieren nicht nur die Landwirte, die für ökologische Leistungen über das Vertragsnaturschutzprogramm oder das Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) sondern auch für Landschaftspflegemaßnahmen entlohnt werden, die Gemeinde hofft auch den Tourismus wieder ankurbeln zu können. Dazu wird unter anderem ein DSV-Nordic-Walking-Stützpunkt errichtet, der sehenswerte geologische Lehrpfad soll erweitert werden und der alljährlich am zweiten Septembersonntag stattfindende Regionalmarkt hat sich aus kleinen Anfängen heraus längst zum Renner entwickelt.

Die Kosten der Bayerischen Modellgemeinde Biodiversität Tännesberg beziffert Schwarz auf rund 250000 Euro pro Jahr (inklusive Flächenankauf). 70 bis 90 Prozent davon trägt das Umweltministerium, den Rest im Wesentlichen die Gemeinde und verschiedene Projektpartner.

Bild: Mitten in Tännesberg startet der zweieinhalb Kilometer lange Rebhuhnweg, der dem Spaziergänger nicht nur alles das zeigt, das das Rebhuhn zum Leben braucht. Der Rundweg offenbart dem Wanderer gleichzeitig auch die Naturschönheiten des Oberpfälzer Waldes.

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03.09.2010

Vom Teich auf den Teller / Landwirtschaftsminister Brunner eröffnete bayerische Karpfensaison im oberfränkischen Aischgrund

Willersdorf - Zum Start der Karpfensaison 2010 können sich alle Fischfreunde auf eine ausgezeichnete Karpfenernte freuen. Durch den kühlen August seien die Karpfen heuer nur langsam gewachsen, was für eine ausgezeichnete Qualität spricht, sagt Landwirtschaftsminister Helmut Brunner bei der Eröffnung der Karpfensaison in der oberfränkischen Gemarkung Willersdorf, Gemeinde Hallerndorf im Landkreis Forchheim. Die zu erwartende Erntemenge bezifferte Brunner auf rund 6000 Tonnen, was dem langjährigen Durchschnitt entspreche.

An den Teichen von Georg Rittmayer hatte die Teichgenossenschaft Oberfranken diesmal für eine standesgemäße Saisoneröffnung gesorgt. Rittmayer ist nicht nur Teichwirt mit einer Wasserfläche von rund 8,5 Hektar, sondern auch Land- und Forstwirt mit zusammen 110 Hektar bewirtschafteter Fläche, neben Wald und Grünland vor allem Getreide, aber auch Erbsen, Lupinen und Lein. Und Rittmayer ist auch Gastwirt: Im eigenen Landgasthof im Willersdorf landen die Karpfen aus seinen Teichen einer jahrhundertealten Familientradition folgend alle auf den Tellern. „Das ist ein gutes Beispiel für die Frische des Karpfens als nahezu ausschließlich lebend vermarkteten Speisefisches“, sagte Minister Brunner.

Freilich gehören immer wieder auch Neuerungen dazu. So hatte sich Rittmayer heuer erstmals entschlossen, Biokarpfen nach den Vorgaben des Naturland-Verbandes zu erzeugen. Die Entscheidung, konventionelle oder Biokarpfen zu erzeugen ist im Grunde keine fachliche oder produktionstechnische, vielmehr gehe es ausschließlich um die Frage, ob die höheren Kosten des Bio-Futtergetreides, in erster Linie Roggen, durch einen höheren Vermarktungspreis wieder ausgeglichen werden können.

Rittmayer setzt dabei auf den „Aischgründer Spiegelkarpfen“, den seit jeher sein geringes Schuppenkleid und sein festes fettarmes Fleisch kennzeichnen. Damit sei der „Aischgründer“ als eine der bekanntesten europäischen Karpfenrassen eine Delikatesse von höchster Qualität. Auch Landwirtschaftsminister Brunner nannte den Aischgrund eine der bekanntesten und wohl auch ältesten Teichregionen Europas. Hier an der Grenze von Oberfranken zu Mittelfranken gebe es noch heute rund 4000 Teiche mit einer Fläche von zusammen 3500 Hektar Wasser.

Allgemein bezeichnete Brunner den Karpfen als typisches Saisonprodukt, das seit jeher in den Monaten mit dem Buchstaben „r“ abgefischt und aufgetischt werde. „Wir freuen uns alle auf die erste Karpfenmahlzeit, weil wir sie lange entbehrt haben“, sagte Brunner. Gerade diese längere Pause mache es auch notwendig, den Verbraucher wieder auf den Beginn der neuen Saison aufmerksam zu machen.

Am Rande der Karpfensaisoneröffnung wiesen die Verantwortlichen allerdings auch auf die unverändert bestehende Kormoranproblematik hin. Georg Rittmayer muss in seine Teiche beispielsweise an die 300 Fische mehr einsetzen, als er letztlich wieder herausholen kann. „Die 300 sind für den Kormoran“, erläuterte Rittmayer, der sich nicht mehr anders zu helfen weiß. Wir befinden uns hier an einem Brennpunkt der Kormoranproblematik“, so der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Dr. Peter Thoma aus Wunsiedel. Er wies darauf hin, dass gerade wegen des Kormorans die Einnahmen durch den Fischverkauf in vielen Fällen gar nicht mehr gedeckt sind. Hier zeige sich eine gewisse Ironie, wenn der Kormoran auch noch zum Vogel des Jahres erklärt werde, bemerkte Minister Brunner mit Blick auf den Landesbund für Vogelschutz. Wenn sich der Schutz zur Plage entwickle, indem andere Tiere in ihrer Entwicklung gefährdet seien, müsse der Mensch diesen Schutz überdenken und relativieren.

Bild: Die Karpfensaison 2010 haben im oberfränkischen Willersdorf (von links) Bezirkstagsvizepräsident Eberhard Siller, der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Dr. Peter Thoma und Landwirtschaftsminister Helmut Brunner eröffnet.

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17.03.2010

Blaue Flagge und Gelbe Welle / Flussparadies Franken will Touristen, Ausflügler und Sportler ins Main-Regnitztal locken

Bamberg – Rund 2000 Hektar Wasserflächen gibt es in und um Bamberg und den angrenzenden Landkreisen Forchheim, Hassberge und Lichtenfels. „Damit haben wir hier mehr Wasserfläche als im Fränkischen Seenland“, sagt Dr. Anne Schmitt, Geschäftsführerin des Vereins Flussparadies Franken, der seinen Sitz in Bamberg hat. Im Anschluss an seine jüngste Mitgliederversammlung stellte das Flussparadies passend zum Thema bei einer Schifffahrt auf dem Main seine Projekte für das Jahr 2010 vor. Die Planungen für den Sieben-Flüsse-Wanderweg im Umfeld der Landesgartenschau 2012 gehören genauso dazu, wie der Regnitz-Wanderweg zwischen Nürnberg und Bamberg, eine „Gelbe Welle“ für Kanuwanderer und eine „Blaue Flagge“ als Zertifikat für die Badeseen der Region.

„Flüsse verbinden und das Wasser steht als Symbol für das Leben“, umriss der Vorsitzende und Bamberger Landrat Dr. Günther Denzler den Ausgangspunkt für das Flussparadies Franken, das 2003 im Bamberger Landratsamt gegründet wurde. Die Region besitze mit ihren Wasserflächen und Wasseradern ein Alleinstellungsmerkmal, das noch mehr touristisch genutzt werden soll, nicht aber ohne den Umweltgedanken zu vernachlässigen.

Mit den Naturparks Fränkische Schweiz, Hassberge und Steigerwald soll der Sieben-Flüsse-Wanderweg ab 2012 und damit pünktlich zur Landesgartenschau in Bamberg drei verschiedene Landschaften miteinander verbinden. Ein erstes Konzept dafür stehe bereits, die Finanzierung werde derzeit auf den Weg gebracht, sagte Geschäftsführerin Schmitt. Der knapp 200 Kilometer lange Weg soll die Talräume von Main und Regnitz umschließen und quert neben den beiden genannten Flüssen auch die Aurach, die Raue und die Reiche Ebrach, die Itz und die Baunach. Ziel dieses Vorhabens ist es, ein kultur- und naturbegeistertes Publikum anzusprechen und es zu animieren, länger in der Region zu verweilen.

Einen touristischen aber auch kulturellen Hintergrund hat der Regnitz-Wanderweg, den das Flussparadies Franken zum Qualitäts-Radweg zwischen Nürnberg und Bamberg aufwerten will. „Unsere Topographie ist für den Radtourismus bestens geeignet“, schwärmt Vorsitzender Denzler. So soll beispielsweise die historische „Schleuse 94“ bei Eggolsheim im Landkreis Forchheim saniert und als historisches Denkmal erlebbar gemacht werden. Die Schleusenkammer zählt zu den seltenen Relikten des alten Ludwig-Donau-Main-Kanals. Sie sei inzwischen trocken gelegt worden und biete sich unter anderem zur Besichtigung für Schulklassen an, so Geschäftsführerin Schmitt.

Unter dem Motto „Gelbe Welle“ sollen aber nicht nur Radfahrer, sondern auch Kanuwanderer künftig verstärkt nach Ober- und Unterfranken gelockt werden. Entlang des schiffbaren Mains sei man derzeit dabei, geeignete Ein- und Ausstiegsstellen zu errichten sowie eine einheitliche und sinnvolle Beschilderung für Kanuwanderer zu realisieren. Als längerfristiges Projekt stellten die Verantwortlichen ein neues Zertifikat für die Wasserqualität der Badeseen in der Region vor. Jeder zweite Badesee im Bereich des Flussparadieses soll bis 2015 das Zertifikat „Blaue Flagge“ erhalten. Bereits fertig gestellt hat der Verein zusammen mit der Initiative „Lebensader Regnitz“ den Flusspfad Bamberg. Dabei handelt es sich um rund 20 großformatige Informationstafeln, die den Besucher zu einem zweistündigen Spaziergang durch Bamberg einladen. Immer am Fluss entlang informiert der Rundgang auf unterhaltsame Art und Weise über historische und ökologische Ereignisse.

Das Flussparadies Franken ist ein gemeinsames Projekt der Landkreise Forchheim, Lichtenfels und Bamberg, sowie der Stadt Bamberg und des zuständigen Wasserwirtschaftsamtes Kronach. Bis 2005 wurde es vom Bayerischen Umweltministerium gefördert, ab 2006 führten die Kommunen und Landkreise sowie eine stattliche Zahl von Fördermitgliedern den Verein mit einer eigenen Geschäftsstelle am Bamberger Landratsamt weiter. Erklärtes Ziel ist seit der Gründung die optimale Nutzung der Wasserflächen im Main- und Regnitztal unter Berücksichtigung der Aspekte der Wasserwirtschaft, des Naturschutzes und des Tourismus.

Bilder:
1. Ehrgeizige Ziele hat sich der Vorstand des Vereins Flussparadies Franken gesetzt. Im Bild von links: Geschäftsführerin Dr. Anne Schmitt, Landrat Rudolf Handwerker (Hassberge), Bürgermeister Bernhard Storath (Ebensfeld), Vorsitzender Günther Denzler, Bürgermeister Claus Schwarzmann (Eggolsheim) und Bürgermeister Werner Hipelius (Bamberg).
2. Völlig neu gestaltet und mit einer Anlegestelle versehen wurde die Mainuferanlage in Eltmann. Sie soll künftig einen Ausflug von Bamberg per Schiff nach Eltmann möglich machen.
3.
Infopavillons entlang des Mainufers weisen Wanderer und Radfahrer auf die touristischen Möglichkeiten hin.

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07/2009

Fisch aus Bronze: Oberfranken setzt der Forelle ein Denkmal

Behringersmühle. Als Symbol für die Schutzwürdigkeit heimischer Fischarten ist in Oberfranken das vermutlich bundesweit erste Forellendenkmal eingeweiht worden. Es zeigt ein laichendes Bachforellenpaar aus Bronze, das mit massiven Metallstäben auf einen steinernen Sockel gesetzt wurde, der wiederum einem Bachbett nachempfunden ist. Ausführender Künstler ist der Bayreuther Bildhauer Axel Luther, die Kosten für die Skulptur und deren Installation auf dem Gebiet des Marktes Gößweinstein haben insgesamt elf Sponsoren aufgebracht. Das Denkmal steht in Behringersmühle in der Fränkischen Schweiz, direkt an der Einmündung der Staatsstraße von Bayreuth aus kommend in die Bundesstraße B470.

Der Standort sei deshalb gewählt worden, weil unweit des neuen Denkmals die Flüsschen Püttlach und Ailsbach in die Lebensader der Fränkischen Schweiz, die Wiesent, fließen, sagte der oberfränkische Bezirkstagspräsident und gleichzeitig Vorsitzender des Vereins Fischregion Oberfranken Günther Denzler bei der Enthüllung. Der Verein gilt als Initiator des Denkmals, zu den Unterstützern gehören auch die Teichgenossenschaft und der Bezirksfischereiverein Oberfranken.

Neben dem Hinweis auf die Gefährdung des Lebensraumes durch die Freizeitaktivitäten des Menschen, durch verschiedene Bauwerke an den Bächen aber auch durch Kormoran und Fischreiher soll das Denkmal auch den heimischen Süßwasserfisch als Speisefisch in Erinnerung bringen. Die Bachforelle sei deshalb gewählt worden, weil sie als Leitfischart der Fränkischen Schweiz gilt und wie kein anderer Fisch für unverfälschte Natur und kulinarische Genüsse steht. In einem bayernweit einmaligen Pilotprojekt habe der Bezirk Oberfranken außerdem in den zurückliegenden Jahren im Rahmen seiner Zuständigkeit für Gewässer zweiter Ordnung die vorbei fließende Wiesent weitgehend entschlammt und so für das Wohlergehen der Bachforelle gesorgt. Als Ziel bezeichnete es der Bezirkstagspräsident dabei, dass sich heimische Fischbestände durch eigene Fortpflanzung erhalten können und nicht durch Besatzmaßnahmen gestärkt werden müssen.

Bild: Diese Forellenskulptur aus Bronze ist künftig in Behringersmühle in der Fränkischen Schweiz zu sehen.

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07/2008

Drei Länder, eine Idee: Wirtschaften und Handeln im Einklang mit der Natur
Das Biosphärenreservat Rhön wird von der Bevölkerung bestens angenommen

Oberelsbach. Der 12. September 1990 war eine Sternstunde für den Naturschutz in Deutschland. Michael Geier (49), der das bayerische Managementzentrum des Biosphärenreservats Rhön im unterfränkischen Oberelsbach leitet, spielt mit dieser Aussage auf die allerletzte Sitzung des damaligen DDR-Staatsrates an. Drei Wochen später wurde die Wiedervereinigung gefeiert und der letzte Tagesordnungspunkt dieser historischen Sitzung zielte darauf ab, für den thüringischen Teil der Rhön einen Antrag bei der UNESCO auf Ausweisung eines Biosphärenreservats zu stellen. Der Antrag ging durch und wurde Bestandteil des deutsch-deutschen Einigungsvertrages.

Längst hatten zu dieser Zeit bayerische und auch hessische Naturschutzverbände Kontakte zum DDR-Kulturbund geknüpft, denn der größte Teil der Rhön liegt im Freistaat Bayern, der zweitgrößte in Hessen. Schnell sei klar gewesen, nur ein gemeinsamer Antrag aller drei Länder könne zum Erfolg führen. So kam es dann auch: schon im März 1991 wurde das Biosphärenreservat Rhön anerkannt. Die Menschen in der Rhön seien darüber zunächst gar nicht so glücklich gewesen, erinnert sich Geier, der damals noch im bayerischen Umweltministerium tätig war. Zum einen seien „die Rhöner“ gar nicht eingebunden gewesen, zum anderen habe der eher sperrige Name Biosphärenreservat wohl eher abschreckend gewirkt. „Die Leute dachten, die deutsch-deutsche Grenze sei gefallen und schon werde ein neuer Zaun errichtet“, erinnert sich der Regierungsdirektor an den denkbar ungünstigen Start. Ab Mai 1993, dem Beginn seiner Tätigkeit in Oberelsbach sei Geier daraufhin „wie ein Wanderprediger“ übers Land gezogen und habe in der Folge viele Vorbehalte abbauen können. Die Erfolgsbilanz überlässt Geier nach so vielen Jahren den Rhönern selbst. Grund dafür ist, gut 75 Prozent der Einwohner halten das Biosphärenreservat einer Umfrage des renommierten Allensbach-Instituts zufolge für eine gute Sache und jeder Vierte hat sogar schon eine Informationseinrichtung des Reservats besucht.

Kein Wunder, denn durch das Biosphärenreservat ist die Rhön auch so richtig bekannt geworden. Rhön-Schaf, Rhöner Bachforelle, Rhön-Apfel: So lauten hier die Antworten auf die immer häufiger von Verbrauchern gestellten Fragen nach der Herkunft von Lebensmitteln. Mit Hilfe des Biosphärenreservats sind in der Rhön neue und unverwechselbare Markenprodukte entstanden, die nicht nur zur Wertschöpfung beitragen, sondern auch Arbeitsplätze geschaffen haben.

Ziel des Biosphärenreservats war es von Anfang an, eine Modellregion für eine ganzheitliche, umweltschonende und an der Erhaltung natürlicher Lebensgrundlagen orientierte Regionalentwicklung zu schaffen. „Hier soll vorgelebt werden, wie menschliches Wirtschaften und Handeln im Einklang mit der Natur möglich ist“, sagt Michael Geier. Konkret gehe es darum, wirtschaftliche Kreisläufe zu entwickeln und zu organisieren, die imstande sind, die vielfältigen Flächen dauerhaft und naturnah zu nutzen. Dies könne freilich nur im Einklang mit und nicht gegen Landwirtschaft und Tourismus geschehen. Deshalb seien sämtliche Abgrenzungen und Schutzbestimmungen von den Kommunen, Touristikfachleuten, den Naturschützern und den Landwirten von Anfang an zusammen erarbeitet worden, was erstaunlich gut geklappt habe.

Ein ganz wichtiger Baustein in der Arbeit des Biosphärenreservats ist die Umweltbildung. So gibt es eine Naturwacht aus eigens ausgebildeten Forstwirten, die sich in erster Linie als Partner und Berater der Bürger sieht. Die Zahl der Besuchergruppen wird auf rund 100 pro Jahr mit mehreren 1000 Teilnehmern, darunter viele Schulklassen, denen die Natur nahe gebracht werden soll, geschätzt. Daneben gibt es im gesamten Reservatsgebiet jährlich bis zu 500 Einzelveranstaltungen bei denen an die 10000 Interessierte erreicht werden. Ziel ist es, vor allem Verständnis für die Zusammenhänge der Natur zu wecken. Geier: „Man kann so viele Gesetze machen, wie man will, wenn die Menschen kein Verständnis dafür aufbringen, wird den Bemühungen kein Erfolg beschieden sein.“

Weltweit gibt es derzeit gut 500 Biosphärenreservate in 100 Ländern der Erde. Das Reservat Rhön umfasst rund 73000 Hektar im Nordwesten Bayerns, 64000 Hektar im Nordosten Hessens und 49000 Hektar im Südwesten Thüringens. Das Gebiet setzt sich zu 41 Prozent aus Wald, 30 Prozent aus Grünland, 22 Prozent aus Ackerland und sieben Prozent aus Siedlungen und Verkehrsflächen zusammen. Landschaftlich wird das Gebiet von Buchen- und Buchenmischwäldern dominiert, die durch zahlreiche Bergbäche, einzelne Moore und Basaltblockhalden bereichert werden. Zoologische Besonderheiten sind neben einer ganzen Reihe verschiedener Fledermausarten unter anderem Birkhuhn-, Auerhuhn-, Eisvogel-, Schwarzstorch- und Wildkatzenvorkommen. Bei den Pflanzenarten ragen insbesondere die Silberdistel, die Arnika oder die Trollblume heraus. In Bayern gehören die beiden Landkreis Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen dazu, in Hessen die Landkreise Fulda und Hersfeld-Rotenburg und die Thüringen der Wartburgkreis und der Landkreis Schmalkalden-Meiningen.

Der Jahresetat für den bayerischen Teil des Biosphärenreservats Rhön liegt bei knapp 800000 Euro, von denen der Freistaat mit 650000 Euro für den Fachaufwand den Löwenanteil schultert.

Bild: Mit dem Managementzentrum in Oberelsbach leitet Regierungsdirektor Michael Geier seit 1993 die bayerische Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön.

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06/2008

Premiere zur Landesgartenschau: Silvaner und Johanniter aus Oberfranken
Bis 2012 soll der erste Wein an den Hängen des Bamberger Michaelsbergs reifen

Bamberg / Zeil am Main. Ost und West, das hieß in Franken bislang Bier und Wein. Während im Westen die großen Weinanbaugebiete, das Kernland des Frankenweins, liegen, ist das östliche Franken als Bierregion mit der größten Brauereidichte der Welt bekannt. Doch schon in wenigen Jahren kann diese bisherige Unterteilung vielleicht aufgehoben werden, denn die Stadt Bamberg in Oberfranken schickt sich an, zur Weinregion zu werden.

An den südlichen Hängen des Michaelsberg werden schon bald die traditionelle fränkische Rebsorte Silvaner und die jüngere, pilzresistente Sorte Johanniter angebaut. 2012, rechtzeitig zur bayerischen Landesgartenschau in Bamberg, sollen dann die ersten Bocksbeutel mit oberfränkischem Wein erhältlich sein. Die Landesgartenschau war es auch, die den Ausschlag für das ungewöhnliche Unterfangen gab. Historiker hatten herausgefunden, dass bereits vor gut 900 Jahren ein Weingut am Michaelsberg existierte, um 1600 herum sollen es großflächige Weinberge auf dem heutigen Stadtgebiet gewesen sein und bis in die Mitte des 19 Jahrhunderts hinein sei der Klosterberg noch mit Weinstöcken bepflanzt gewesen, berichtet Andreas Bubmann, Wirtschafts- und Stiftungsreferent der Stadt Bamberg. Erst mit dem Aufkommen der Reblaus sei der Weinanbau in der Folgezeit nach und nach zum Erliegen gekommen.

Zur Landesgartenschau 2012 soll diese alte Tradition wieder mit Leben erweckt werden.

Mit Martin Bauerschmitt haben die Bamberger bereits einen „kompetenten, jungen und dynamischen Winzer“ an Land gezogen, ist sich Werner Kühhorn von der Bürgerspitalstiftung sicher. Die Stiftung als Eigentümerin des Geländes hatte in Kooperation mit der Landesgartenschau und der Stadt Bamberg die Stelle des Winzers überregional ausgeschrieben und sich jetzt für den 25-jährigen Bauerschmitt aus dem unterfränkischen Zeil am Main (Landkreis Hassberge) entschieden. Nach seiner Zeit als Winzergeselle im renommierten Weingut Dr. Heigel in Zeil bewirtschaftet Bauerschmitt seit zwei Jahren alleinverantwortlich das Familienweingut im Zeiler Ortsteil Ziegelanger. Gleichzeitig beendete Bauerschmitt vor kurzem sein Studium zum Diplom-Ingenieur für Weinbau und Oenologie (Kellerbewirtschaftung) an der Fachhochschule Wiesbaden/Geisenheim. Seinen eigenen Worten zufolge repräsentiert er die junge Generation der Winzer, wenngleich der Weinbau in der Familie Tradition hat. So war sein Großvater bereits Gutsverwalter am Weingut des Grafen Stauffenberg. Bauerschmitt hat die Flächen am Michaelsberg allerdings nicht gepachtet, sondern wird von der Stiftung beschäftigt. Gleichwohl ist der Weinanbau in Bamberg nachhaltig angelegt und soll auch nach der Landesgartenschau fortgesetzt werden.

Er sehe in dem Projekt in erster Linie die Chance, zu beweisen, dass er etwas kann, sagt Bauerschmitt selbstbewusst. Für das kommende Frühjahr kündigte er die ersten Pflanzungen an, pünktlich zur Landesgartenschau soll dann die erste Ernte stattfinden. Die Qualität schätzt der Nachwuchswinzer aber schon jetzt sehr gut ein. Die Hanglage sei nicht zu steil und besitze eine gute Bodenqualität. Bauerschmitt, der aufgrund seines Studiums auch über didaktische Fähigkeiten verfügt, will in seinem künftigen Weinberg auch Führungen für alle Interessierten anbieten und die Menschen über Weinbau aufklären. Schon jetzt arbeitet er an einer eigenen Website, die schon bald frei geschaltet werden soll und auf der alle Arbeiten im Weinberg wie in einem Tagebuch nachgelesen werden können (www.bamberger-weingut.de). Er möchte damit bei so manchem noch immer skeptischen Bamberger nicht nur für Transparenz sorgen, sondern auch Neugier für die Attraktion wecken.

Laut Vesna Plavsik von der Landesgartenschaugesellschaft werden zu der Veranstaltung in vier Jahren rund eine Million Besucher in Bamberg erwartet. Kernstück der Schau soll die Industriebrache einer ehemaligen Bauwollspinnerei werden. Der Weinberg mit eigenem Lehrpfad auf dem Michaelsberg gelte darüber hinaus schon jetzt als eines der wichtigsten Projekte. Bereits positiv bewertet haben das Vorhaben die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau sowie die Vertreter des Naturschutzes. Der Weinbau werde sich wirtschaftlich gestalten und erfolge im Einklang mit der Natur. Gerade die naturschutzrechtlichen Belange sorgten in Bamberg nicht nur für Wohlwollen, da für den Weinbau auch Teile einer Streuobstwiese gerodet werden müssen. Dabei gehe es allerdings um Bäume, die seit Jahrzehnten nicht mehr gepflegt wurden, gibt Stiftungsreferent Bubmann zu bedenken. Letztlich werde die Natur gewinnen, denn als Ausgleich für die Rodungen würden jede Menge neue Bäume gepflanzt, so Vesna Plasvig von der Landesgartenschau.

Bild: Oberfränkischer Winzer aus Unterfranken: Martin Bauerschmitt (hier auf dem elterlichen Weingut in Zeil am Main) wird künftig an den Südhängen des Bamberger Michaelsberg Wein anbauen.

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